Macht Sitzen dumm?

Verena Elson
Je länger wir täglich sitzen, desto stärker schrumpft unser Gehirn – darauf deutet eine aktuelle Studie hin
Je länger wir täglich sitzen, desto stärker schrumpft unser Gehirn – darauf deutet eine aktuelle Studie hin © iStock/AleksandarNakic

Stundenlanges Sitzen lässt einer aktuellen Studie zufolge Teile des Gehirns schrumpfen, die eine wichtige Rolle für das Gedächtnis spielen.

Wissenschaftler der University of California befragten 35 Probanden im Alter zwischen 45 und 75 Jahren zu ihrem Aktivitätslevel in der vorherigen Woche – also, wie viele Stunden pro Tag sie aktiv gewesen waren und wie viele Stunden sie im Schnitt sitzend verbracht hatten.

Anschließend machten die Forscher MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomographie) von den Gehirnen aller Probanden und schauten sich den sogenannten Temporallappen (Schläfenlappen) der Testpersonen genauer an. Sie interessierten sich für die Dicke einer bestimmten Region des Temporallappens, des sogenannten medialen Teils – denn dort sitzt der Hippocampus, der unter anderem für die Übertragung von Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis verantwortlich ist.

 

Sitzen lässt das Gehirn schrumpfen

Die Auswertung der Ergebnisse zeigte: Je mehr Stunden die Probanden im Schnitt sitzend verbracht hatten (nach Angabe der Studienteilnehmer waren das drei bis sieben Stunden), desto dünner war ihr medialer Temporallappen. Diese Assoziation blieb bestehen, unabhängig von der Menge an körperlicher Aktivität – mit Sport nach Feierabend lässt sich der Nachteil für das Gehirn demnach nicht ausgleichen.

Die Studie hat jedoch einige Schwächen – dazu gehören die kleine Probandenzahl und der relativ kurze Zeitraum von einer Woche, der bei der Befragung der Testpersonen als „Stichprobe“ diente. Zudem räumen die Forscher ein, nicht beweisen zu können, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der im Sitzen verbrachten Zeit und dem Schrumpfen des Gehirnbereichs besteht. Sie planen darum weitere Studien mit größeren Probandengruppen.

Bis die Ergebnisse dieser Untersuchungen vorliegen, raten die US-Forscher Menschen mit Bürojobs, ihre täglich im Sitzen verbrachte Zeit wo möglich zu verkürzen und in den Büroalltag häufige Pausen mit körperlicher Bewegung einzubauen.

 

Fitness im Büro zur Vorbeugung

Bereits frühere Studien konnten zeigen, welche Nachteile langes Sitzen für den Körper hat. So ergab eine 2014 veröffentlichte Forschungsarbeit, dass langes Sitzen die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, erhöht. Eine 2015 durchgeführte Studie zeigte, dass Vielsitzer ein erhöhtes Risiko für eine sogenannte nicht alkoholische Fettleberkrankheit haben. Die Forscher rieten in beiden Fällen, Pausen mit körperlicher Bewegung in die Sitzzeiten einzubauen und möglichst häufig zwischen dem Arbeiten im Sitzen und im Stehen (oder im Laufen) abzuwechseln. Optimal ist eine regelmäßige Trainingseinheit im Büroalltag – die besten Übungen dafür haben wir hier für Sie zusammengestellt.

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