Macht mich meine Schilddrüse farbenblind?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Bunte Karotten
Liegt eine Fehlfunktion der Schilddrüse zu Grunde, wenn Farben nicht mehr richtig erkannt werden? © Alamy

Sie ist für unseren Stoffwechsel verantwortlich, steuert zahlreiche Nervenprozesse und speichert Jod. Aber steuern die beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) auch unsere Fähigkeit Farben wahrzunehmen?

Eine kürzlich von Wissenschaftlern der Universität Duisburg-Essen (UDE) und des Fritz Lipmann Instituts, Jena veröffentlichte Studie kommt genau zu diesem Schluss. Offenbar führt eine Unterversorgung der Netzhaut mit den T3 und T4 dazu, dass Farben schlechter oder gar nicht mehr wahrgenommen werden.

 

Alter spielt auch eine Rolle

„Schilddrüsenhormone aktivieren die Synthese bestimmter Pigmente in der Netzhaut. Dieser Prozess ist äußerst dynamisch, denn die Synthese wird auch im Erwachsenenalter beeinflusst, wenn die Hormonkonzentration schwankt“, erklärt Yoshiyuki Henning, einer der Autoren der Studie. Der Biologe erforscht gemeinsam mit Karol Szafranski vom Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena diese spezielle Hormonversorgung. Eine zu hohe Konzentration könnte mit degenerativen Erkrankungen der Netzhaut zusammenhängen – was bislang kaum untersucht wurde.

 

Schwankende Hormonkonzentration beeinflusst Sehfähigkeit

In einem Experiment mit Mäusen untersuchten Henning und Szafranski einen Schilddrüsenhormontransporter in der Netzhaut: MCT8. Diese Transporter befördern die Hormone in die Zielzellen, in diesem Fall ins Auge. MCT8 konnte besonders stark in den ersten Lebenswochen der Mäuse nachgewiesen werden, bei erwachsenen Tieren nur noch in geringen Mengen. Die Forscher vermuten deshalb, dass MCT8 eine spezielle Rolle in der letzten Reifungsphase der Netzhaut spielt, also während sich das neuronale Netzwerk ausdifferenziert. Das wird besonders beim sogenannten Allan-Herndon-Dudley-Syndrom deutlich, einem genetischen Defekt von MCT8, der mit starken geistigen und motorischen Beeinträchtigungen einhergeht. Die beiden Wissenschaftler wollen nun herausfinden wie sich die Sehfähigkeit ändert, wenn der Transporter überhaupt nicht vorhanden ist.

 

Hormonelle Störungen sind heute sehr verbreitet

„Wir wollen besser verstehen, wie die Netzhaut sich entwickelt und funktioniert, um Zusammenhängen zwischen einer gestörten Versorgung mit Schilddrüsenhormonen und verschiedenen Sehstörungen nachzugehen. Denn solche hormonellen Störungen sind heute weit verbreitet, doch über ihre Wirkung auf das Sehen weiß man noch zu wenig“, so Henning in einer Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen.

Hamburg, 09. September 2016

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