Macht mich jedes meiner Kinder elf Jahre älter?

Mona Trautmann
Mutter küsst Baby
Ob eine Frau Mutter ist, zeigt sich in ihren Zellen - diese altern nach der Geburt eines Kindes schneller, wie Forscher kürzlich herausfanden © iStock/Mikolette

Mutter werden ist für viele Frauen das größte Glück. Doch das Kinderbekommen wirkt sich negativ auf den Gesundheitszustand und das biologische Alter einer Frau aus, wie Forscher in einer aktuellen Studie feststellten.

Wissenschaftler findet seit Jahren immer wieder Belege dafür, dass Rauchen, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung uns schneller altern lassen. Doch die Geburt eines Kindes richtet in den Zellen angeblich einen größeren Schaden an als ungesunde Lebensgewohnheiten.

Der Grund: laut der Forscher löse die Mutterschaft eine Verkürzung der Chromosomen-Enden (Telomere) aus. Diese Teile der DNA schützen die Chromosomen vor Schäden. In normalen Körperzellen verkürzen sich diese Telomere bei jeder Zellteilung ein Stück, bis sie eine kritische Größe erreicht haben. Von da an wird dann der Zelltod eingeleitet.

Je kürzer die Telomere sind, desto höher ist unser biologisches Alter. Sind sie lang, steht das für einen langsamen Alterungsprozess, einen guten Gesundheitszustand und eine längere verbleibende Lebensdauer. Kurze Telomere stehen in Verbindung mit einem schlechten Gesundheitszustand und einer kürzeren Lebenserwartung.

 

Je mehr Kinder ich habe, desto älter sind meine Zellen?

In der Studie analysierten Wissenschaftler der George Mason Universität in Virginia die Daten von 1.954 Frauen zwischen 20 und 44 Jahren. Sie wurden zur Anzahl ihrer Geburten befragt. In einer vorausgegangenen Untersuchung zwischen 1999 und 2002 war die Telomerlänge in einer Blutprobe bestimmt worden. 
Das Ergebnis der Untersuchung: Nach Berücksichtigung von Faktoren wie BMI, Herkunft, Alter, Lebensgewohnheiten und Bildungsstand, stellten die Forscher bei Müttern eine Verkürzung der Telomere um 4,2 Prozent verglichen mit kinderlosen Frauen fest. Das entspricht einer DNA-Alterung von elf Jahren. Mütter, die fünf oder mehr Kinder hatten, zeigten noch stärker verkürzte Telomere.

 

Die Ursache: Stress macht alt

Doch wo liegt die Ursache für die erhöhte Zellalterung? Die Forscher gehen von einem Zusammenhang zwischen einem erhöhten Stresslevel durch die Mutterschaft und einer daraus resultierenden Verkürzung der Telomere aus. Tatsächlich zeigte eine Studie vor wenigen Jahren das genaue Gegenteil: Kinder machen Mütter jünger.  

Malaysische Mütter wurden auf die Länge ihrer Telomere getestet - je mehr Kinder sie hatten, desto geringer war ihr biologisches Alter. Die Forscher der aktuellen Studie gehen allerdings davon aus, dass die Fürsorge und Unterstützung der Großfamilien das Stresslevel der Mütter senkte und so die Ergebnisse zustande kamen. 

Weitere Forschung sei nötig, um den Zusammenhang zwischen dem Alterungsprozess und dem Kinderkriegen zu erkennen. Fest steht aber: Wer die Länge seiner Telomere positiv beeinflusst, ist biologisch gesehen jünger.

 

Länger jung und gesund - wie beeinflusse ich meine Telomere positiv?

Das reparierende Enzym Telomerase kann die Verkürzung von Telomeren verlangsamen und diese sogar wieder verlängern. Mit bestimmten Lebensgewohnheiten erhöhen Sie die Aktivität dieses Enzyms:

  • Ausgewogene Ernährung kann den Alterungsprozess verlangsamen. Übergewicht dagegen verkürzt die Telomere.
  • Beziehungen: Freundschaften, Partnerschaft oder die Beziehung zu den eigenen Kindern haben - je nach Qualität dieser Verbindung - einen positiven oder negativen Einfluss auf den Alterungsprozess der Zellen.
  • Schlaf: Wer zu wenig schläft, schadet seinen Telomeren.
  • Sport erhöht die Telomeraseaktivität (moderates Ausdauer- oder Krafttraining).
  • Yoga und Meditation: Entspannungsübungen machen jünger, haben Forscher herausgefunden. Stress dagegen ist Gift für den Organismus.
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