Macht Laufen stoned? Forscher entschlüsseln Runner’s High

Ein Paar joggt mit einem Hund
Deutsche Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, wie das "Runner's High" ausgelöst wird © Fotolia

Laufen macht glücklich – und süchtig. Doch warum ist das so? Die Ursache des „Runner’s High“ haben deutsche Wissenschaftler in einer aktuellen Studie herausgefunden.

Viele Jogger berichten von einem Glückszustand, der sich beim Laufen einstellt – Mediziner sprechen dabei vom sogenannten „Runner’s High“. Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus, dass dieses Hochgefühl mit der Ausschüttung von Endorphinen zusammenhängt – Botenstoffe, die schmerzlindernd wirken und ihrerseits die Ausschüttung des „Glücksbotenstoffes“ Dopamin fördern. Dopamin wirkt antriebs- und motivationssteigernd.

Ein deutsches Forscherteam kommt nun jedoch zu einem anderen Ergebnis. Die aktuelle Studie der Wissenschaftler aus Hamburg und Mannheim entlarvt die sogenannten „Endocannabinoide“ als Verursacher des Runner’s High. Der Name dieser körpereigenen Stoffe stammt von Cannabis, das ähnliche rauschartige Zustände auslöst.

In Experimenten mit Mäusen fanden die Forscher heraus, dass die Tiere nach „Langstreckenläufen“ entspannt waren und weniger Angst und Schmerz empfanden als vor dem Lauf. Die Trainingseinheit hatte zur Ausschüttung sowohl von Endorphinen als auch von Endocannabinoiden geführt.

 

Kann Sport süchtig machen?

Wurde die Ausschüttung von  Endocannabinoiden blockiert, blieben die positiven Effekte des Laufens bei den Mäusen aus. Blockierten die Wissenschaftler die Endorphin-Ausschüttung, wurde das Runner’s High dagegen nicht beeinträchtigt. Die Studienleiter gehen davon aus, dass beim Menschen ähnliche Prozesse ablaufen.

Der durch das Lauftraining verursachte „Drogenrausch“ kann sogar süchtig machen, warnen Experten. Demnach kann eine Gewöhnung an extremes Lauftraining dazu führen, dass Sportler ohne den „Kick“ unruhig und aggressiv werden und ihr soziales Umfeld vernachlässigen, um trainieren zu können. Doch eine Sportsucht kann auch andere Gründe haben – beispielsweise den Wunsch nach einer perfekten Figur. In solchen Fällen sprechen Mediziner von einer Sport-Bulimie.

 

Wie erreiche ich das „Runner’s High?

Ein Runner’s High tritt keineswegs bei jedem Lauftraining ein – dazu muss der Körper in die Nähe der Belastungsgrenze gebracht werden. Meist berichten Langstreckenläufer, in seltenen Fällen auch Radfahrer von dem Hochgefühl. Wenn nach solch einer Phase extrem hoher Anstrengung die Belastung ein wenig zurückgenommen wird (etwa beim Bergablaufen) ist die Wahrscheinlichkeit eines Runner’s High am höchsten.

Hamburg, 9. Oktober 2015

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