Macht Home-Office krank?

Stephanie Pingel
Home-Office
Wer von zuhause aus arbeitet, sollte darauf achten, Arbeit und Freizeit so gut es geht zu trennen. Tragen Sie beispielsweise auch beim Home-Office Bürokleidung © iStock

Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten. Eine groß angelegte Studienanalyse zeigt jetzt, dass Home-Office einige gesundheitliche Risiken birgt.

Zwischendurch mal einkaufen gehen, dem Postboten das Paket direkt abnehmen oder einfach da sein können, wenn die Handwerker kommen: Es gibt für viele Menschen eine ganze Reihe guter Gründe für das Home-Office. Eine Studienanalyse stellt den positiven Aspekten der Arbeit zuhause nun mögliche gesundheitliche Risiken entgegen: Wer ständig von daheim aus oder von unterwegs arbeitet, leidet häufiger unter Stress und Schlafstörungen als Angestellte, die ihren Arbeitsmittelpunkt im Büro haben.

 

Home-Office erzeugt Stress

Für die Analyse mit dem Titel „Arbeiten jederzeit und überall: Auswirkungen auf die Arbeitswelt“ wurden die Daten von Angestellten aus 15 Ländern verglichen. Darunter waren neben Deutschland neun weitere EU-Länder sowie Brasilien, die USA, Japan, Indien und Argentinien. Die Forscher teilten die Angestellten, die von zu Hause arbeiteten, in drei Gruppen ein: Die erste Gruppe arbeitete immer zuhause, die zweite arbeitete überall, nur nicht im Büro (sogenannte hochmobile Arbeiter) und die dritte Gruppe arbeitete sowohl im Büro als auch zuhause. Verglichen wurden die Daten mit denen von Angestellten, die immer im Büro arbeiten.

 

Bei allen drei Gruppen war der Stresslevel höher als bei den Büroarbeitern: Allein von den Hochmobilen empfanden 41 Prozent häufig Arbeitsstress, bei den Büroarbeitern traf dies nur auf 25 Prozent zu. 42 Prozent der Personen, die immer von zuhause arbeiteten oder überall, nur nicht im Büro, litten außerdem regelmäßig an Schlafstörungen, während solche Beschwerden bei den Büroarbeiten in 29 Prozent der Fälle vorkamen.

Die Forscher haben mehrere Vermutungen, wie diese Zahlen zustande kommen: Zum einen können viele Mitarbeiter im Home-Office einfach nicht mehr abschalten. „Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen“, erklärt Studien-Co-Autor Jon Messenger. Zum anderen legen mehrere Studien nahe, dass der regelmäßige Austausch mit Kollegen den Stresslevel senkt. Beim Home-Office entfällt dieser wichtige Faktor oft.

 

 

Freiere Zeiteinteilung als großes Plus

Dennoch gibt es auch viele Punkte, die die Forscher am Home-Office loben: Zum einen erlaubt die mobile Arbeit eine selbstständige Arbeitszeiteinteilung, es bleibt generell mehr Zeit für Privates – unter anderem, weil die Fahrt zum Büro wegfällt. Für Menschen mit einer Behinderung bietet das Home-Office-Modell mehr Chancen, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Und auch der Arbeitgeber kann profitieren: Mitarbeiter, die sich ihre Arbeitszeit freier einteilen können, sind oft motivierter. Außerdem muss kein Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden und Kosten für Büromaterialien und Ähnliches fallen ebenfalls weg.

 

Doch wie findet man nun die perfekte Balance zwischen Home-Office und Büroarbeit? „Zwei bis drei Tage Home-Office bewirkte die höchste Zufriedenheit bei den Mitarbeitern“, so Messenger. Aber auch die Angestellten, die vor allem von zu Hause arbeiten, können mit ein paar kleinen Tricks Freizeit und Arbeit besser trennen. Die ideale Lösung ist natürlich ein eigenes Arbeitszimmer, bei dem man abends die Tür schließen und so die Arbeit hinter sich lassen kann. Außerdem sinnvoll: Ein Arbeitshandy und ein Arbeits-PC.

Alternative: Richten Sie sich eine Extra-Telefonnummer oder zumindest einen anderen Klingelton für Arbeitsgespräche ein. Es kann auch helfen, den Schreibtisch, an dem man den ganzen Tag gearbeitet hat, abends mit einer Decke zu verhüllen, damit man ihn nicht ständig im Blick hat und an die Arbeit erinnert wird. Ziehen Sie sich außerdem für das Home-Office so an, wie Sie auch ins Büro gehen würden – dadurch entwickeln Sie automatisch eine professionellere Haltung der Arbeit gegenüber, als wenn Sie in Jogginghose auf dem Sofa sitzen würden. Zu guter Letzt: Plaudern Sie mit Ihren Kollegen und nutzen Sie diese Gelegenheiten, um auch mal auszusprechen, was Sie an der Arbeit nervt! Am besten vereinbaren Sie dazu einmal in der Woche eine feste Zeit für ein Telefongespräch, an dem jeder Kollege, wenn er möchte, teilnehmen kann. So bauen Sie nicht nur Stress ab, sondern bleiben auch auf dem Laufenden, was im Büro so passiert.

 

Hamburg, 18. Februar 2017

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