Macht Fluchen stark?

Dr. Justus Meyer Redaktionsleiter
Fluchen gibt Kraft
Nicht schreien © shutterstock

Können Schimpfworte Muskeln stärker machen? Eine neue Studie untersucht die erstaunliche Kraft des Fluchens. PraxisVITA hat die Fakten

Es lässt uns Schmerzen und Kälte besser aushalten: Das Fluchen scheint uns in unangenehmen Situationen zuverlässig und effektiv zu helfen. Das belegen Studien aus den Jahren 2009 und 2011. Die Forscher führten die Wirkung darauf zurück, dass Fluchen den „Kampf-oder-Flucht-Reflex“ auslösen könnte. Und mit der Aktivierung des damit verknüpften sympathischen Nervensystems sinkt erwiesenermaßen unser Schmerzempfinden. Jetzt haben sich Wissenschaftler der Keele Universität in Großbritannien mit einem weiteren möglichen Vorteil der schlechten Manieren befasst. Die Untersuchung stellten sie kürzlich beim Jahrestreffen der British Psychological Society vor.

 

Mehr Muskelkraft durch Schimpfworte?

Das Team um Dr. Richard Stephens entwarf zwei Versuche, in denen die Teilnehmer bei einer Kraftübung und bei einer Kraftausdauerübung in jeweils zwei Gruppen eingeteilt wurden. Die eine Gruppe sollte während der Übung laut einen bestimmten Kraftausdruck wiederholen, die andere ein neutrales Wort.

Das Ergebnis: Sie werden nicht umsonst Kraftausdrücke genannt - in beiden Versuchen zeigten die Teilnehmer, die fluchen mussten, eine deutlich bessere Leistung als die Vergleichsgruppe.

 

Mysteriöse Ursache

Die Überraschung für die Wissenschaftler war jedoch nicht das Resultat der Studie. Sie hatten erwartet, dass Fluchen wie in vorangegangenen Studien das sympathische Nervensystem aktivieren würde. In diesem Fall wären die Ergebnisse zwar erstaunlich eindeutig aber auch erwartungsgemäß gewesen. Doch ein anderer physiologischer Effekt muss verantwortlich sein, denn die entsprechenden Begleiterscheinungen (Erhöhung des Blutdrucks, veränderte Hautspannung) des „Kampf-oder-Flucht-Modus“ wurden nicht beobachtet. „Warum das Fluchen diese Wirkung auf unsere Muskelkraft und unsere Schmerztoleranz hat, muss erst noch entschlüsselt werden“, sagt Dr. Stephens.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.