Macht eine Erkältung immun gegen Corona?

Mona Eichler Health-Redakteurin

Sind manche Menschen bereits immun gegen Corona ohne davon zu wissen? Die Theorie zur so genannten Hintergrundimmunität erweckt Hoffnung.

Es könnte eine weitere positive Nachricht im Kampf gegen das Coronavirus sein: Experten glauben, dass bestimmte Menschen unbewusst immun gegen SARS-CoV-2 und die damit einhergehende Lungenkrankheit COVID-19 sein könnten. 
Im NDR-Podcast erklärte der Virologe Christian Drosten die Hintergründe dieser Theorie.

Animation eines sich vermehrenden Virus
Krankheiten & Behandlung Coronavirus: Bin ich immun nach einer Infektion?

 

Gibt es eine Hintergrundimmunität?

Viren sind keineswegs individuell, sondern können einander ähneln beziehungsweise miteinander verwandt sein. Das aktuell grassierende SARS-CoV-2-Virus ist das beste Beispiel: Es trägt seinen Namen, weil es direkt mit dem SARS-Virus von 2002 verwandt ist. Bevor Forscher dies herausgefunden hatten, wurde es noch mit 2019-nCoV bezeichnet – also, neuartiges Coronavirus von 2019. 

Die mögliche Verwandtschaft von Viren könnten den Menschen nun im Kampf gegen SARS-CoV-2 und die damit einhergehende Lungenkrankheit COVID-19 helfen.
"Es ist durchaus so, dass wir damit rechnen, dass es möglicherweise eine unbemerkte Hintergrundimmunität gibt – durch die Erkältungscoronaviren. Denn die sind auf eine gewisse Art und Weise verwandt mit dem SARS-CoV-2-Virus", klärte der Corona-Experte und Virologe Christian Drosten auf. "Es könnte sein, dass gewisse Personen, die einen Erkältungsvirus vor ein bis zwei Jahren hatten, auf eine bisher unbemerkte Art und Weise geschützt sind."
Im Klartext heißt das: Wer eine so genannte Corona-Erkältung durchgemacht hat, könnte immun gegen SARS-CoV-2 sein.

Animation eines sich vermehrenden Virus
NEWS Was macht das Coronavirus im Körper? Der Krankheitsverlauf

 

Erkältung vs. Corona

Im NDR-Podcast berichtete Christian Drosten bereits vergangene Woche davon, dass 15 Prozent aller Erkältungen durch schon bekannte Coronaviren hervorgerufen werden. Diese ähneln dem aktuellen Coronavirus SARS-CoV-2 sehr, weswegen Wissenschaftler einen Zusammenhang herstellen wollten. 

Die Theorie der Hintergrundimmunität basiert auf einer eben erst veröffentlichten Preprint-Studie aus China. Für diese hatten Wissenschaftler Haushalte mit Corona-Infizierten ins Visier genommen und beobachtet, dass die Ansteckungsrate mit gerade einmal 12 bis 13 Prozent extrem niedrig war. Christian Drosten stellte die entscheidenden Fragen dazu:
"Wie kann das sein, dass sich so viele nicht infizieren, die mit im Haus waren? Spielt dabei so etwas wie Hintergrundimmunität eine Rolle?"

Um diese Theorie zu stützen, sind allerdings noch weitere Tests und Studien nötig. Denn obwohl eine mögliche Hintergrundimmunität für Virologen naheliegend sei, bliebe eine gewisse "Restunsicherheit", wie Christian Drosten abschließend betonte.  
 
Quellen:
NDR Podcast mit Christian Drosten, 16.04.2020 "Jetzt mit Hochdruck Forschungsfragen klären", in: ndr.de
Wie das neue Coronavirus zu seinen Namen kommt, in: swr.de

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.