Machen Pornos süchtig?

Fernbedienung und Fernseher
Bei Männern, die mehrere Stunden pro Woche Pornos schauen, verändert sich das Belohungszentrum, zeigt eine Studie © Fotolia

Ob Pornos süchtig machen, wird breit diskutiert und ist immer noch umstritten. Was passiert dabei im Gehirn? Wie sich der häufige Konsum von Pornografie auf das menschliche Gehirn auswirkt und welche Rolle das Belohungssystem dabei spielt, zeigt jetzt eine aktuelle Studie.

Pornoschauen führt wie Sex dazu, dass der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet wird, der das Belohnungszentrum im Gehirn stark aktiviert. Doch je mehr Pornos ein Mensch schaut, desto weniger reagiert das Gehirn auf die Wirkung des Dopamins. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin konnten das 2014 in einer Studie nachweisen, indem sie die Gehirnaktivitäten von Probanden analysierten, nachdem ihnen für kurze Zeit pornografische Bilder gezeigt wurden.

Zuvor wurden die ausschließlich männlichen Probanden nach der Häufigkeit befragt, mit der sie Pornos schauten. Im Durchschnitt waren das pro Woche vier Stunden.

 

Wer viele Pornos schaut, hat ein kleineres Belohungssystem

Bei der Auswertung der Daten stellten die Wissenschaftler fest: Je öfter sich ein Proband Pornos ansah, desto weniger Aktivität zeigte sein Belohnungszentrum nach dem Anschauen der Bilder. Laut der Forscher entsteht bei regelmäßigem Pornoschauen folgender Effekt: Das Gehirn braucht immer mehr Pornos, um den gleichen Belohnungseffekt zu erreichen. „Das könnte bedeuten, dass der regelmäßige Konsum von Pornografie das Belohnungssystem gewissermaßen ausleiert“, so Simone Kühn, Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin im Forschungsbereich Entwicklungspsychologie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

In derselben Studie zeigte sich auch, dass die graue Masse in einem Teil des Belohnungssystems, dem sogenannten Striatum, bei häufigen Pornonutzern (mehrere Stunden wöchentlich) kleiner war als bei anderen. „Deswegen nehmen wir an, dass Probanden mit hohem Konsum immer stärkere Anreize benötigen, um das gleiche Belohnungsniveau zu erreichen“, so Simone Kühn.

Patrick Nuo
Täglich Internet-Pornos, keine Lust auf echten Sex – Patrick Nuo outete sich als pornosüchtig© Imago
 

Pornos machen nicht süchtig

Laufen diese Prozesse auch im Gehirn bei Süchtigen ab? Das haben Neurowissenschaftler an der UCLA in ihrer Studie untersucht. Sie wollten wissen, welche Reaktionen sich im Gehirn abspielen, wenn wir uns erotische Bilder anschauen. Das Ergebnis: Sie können nicht mit denen einer Kokain-, Nikotin- oder Spielsucht verglichen werden.

 

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Konsum und Gehirnstruktur

Typischerweise zeigten Süchtige erhöhte Hirnreaktionen. Die neuen Erkenntnisse, die in der Zeitschrift Biological Psychology veröffentlicht wurden, machen allerdings deutlich, dass sich die Gehirnreaktionen bei den Menschen mit übermäßigem Pornografie-Verbrauch beim Betrachten eines Pornos verringert. Mittels EEG konnten die Forscher die relevanten Reize (LPP) im Gehirn messen, die die Intensität einer emotionale Reaktion spiegeln. Sie kamen zu dem Entschluss, dass das Gehirn der Probanden nicht für die sexuellen Bilder sensibilisiert war. Anders bei Kokain-Süchtigen: Frührere Studien haben bewiesen, dass Bilder von Kokain bei ihnen die LPP Reaktionen erhöhten.

Pornosucht ist ein Thema, das immer wieder Debatten unter Psychologen auslöst. Einige argumentieren, dass Pornos sexuelle Gewalt fördern und Beziehungen schaden. Andere wiederum sagen, dass Pornografie einen Platz im gesunden Sexualleben haben könnte. Die neuesten Forschungen können jetzt belegen, dass sie eine Sache ganz sicher nicht können: süchtig machen.

Hamburg, 13. August 2015

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