Machen Katzen vergesslich?

Von Katzen übertragene Krankheiten können Gedächtnisstörungen bei Menschen auslösen © alamy

Jeder zweite Deutsche trägt den Erreger Toxoplasma gondii in seinem Körper. Eine Infektion mit dem Einzeller kann nach neuen Erkenntnissen das Arbeitsgedächtnis im Alter beeinträchtigen. Die Katzenkrankheit Toxoplasmose ist also nicht wie bisher angenommen nur für Schwangere und das ungeborene Kind gefährlich, sondern kann auch für alle anderen Betroffenen schwerwiegende Folgen haben.

Der einzellige Parasit Toxoplasma gondii verursacht eine der häufigsten Infektionskrankheiten und kommt weltweit vor. Er vermehrt sich nur im Darm von Katzen, die seine Eier anschließend über den Kot ausscheiden. So gelangt der Erreger in Gemüsegärten, auf Salatfelder, ins Erdreich und sogar in den Futtertrog von Nutztieren, in deren Fleisch er anschließend überdauert.

 

Ansteckung des Menschen auf mehreren Wegen möglich

Der Erreger kann als sogenannte Zoonose (Infektion des Menschen bei Tieren) auf unterschiedlichen Wegen schließlich auch den Menschen befallen. Die Ansteckung erfolgt über infiziertes rohes Fleisch und belastetes Gemüse sowie Früchte, auch eine direkte Infektion über den Kot erkrankter Katzen ist möglich. In Entwicklungsländern lauert der Erreger außerdem in verseuchtem Wasser und selten wird die Toxoplasmose bei einer Bluttransfusion oder einer Organtransplantation übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch hingegen ist bisher nur von Schwangeren auf Ungeborene beobachtet worden und somit für alle anderen Fälle nahezu ausgeschlossen.

 

Die Infektion wird häufig nicht bemerkt

Gefährlich kann Toxoplasmose für Schwangere und den Fötus sowie für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem werden. Im Großteil der Fälle bleibt die Infektion aber symptomlos und wird von den Betroffenen nicht bemerkt. Die Erreger können jedoch in manchen Fällen die Blut-Hirnschranke passieren und sich lebenslang in Nervenzellen einnisten, wo sie Zysten bilden. In einem solchen Fall kommt es zu einer latenten Infektion, die wiederum zu einer Vielzahl von Erkrankungen führen kann.

Ob durch eine solche Infektion auch Denk- und Gedächtnisleistungen beeinträchtigt werden, erforschten jetzt erstmals Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo). Sie konnten in einer Doppelblindstudie mit Senioren zeigen, dass eine latente Infektion Gedächtnisleistungen und die subjektive Lebensqualität verschlechtern kann.

 

Eine latente Infektion kann die Gedächtnisleistung mindern

Aus den gesunden Probanden im Alter ab 65 Jahren wurden zwei Gruppen mit je 42 Personen ausgewählt: Senioren, bei denen im Blut entsprechende Antikörper gefunden wurden, kamen in die erste Gruppe. Senioren mit negativem Testergebnis bildeten die Kontrollgruppe. Alle Probanden beantworteten Fragen zu Lebenssituation und Lebensqualität. Danach folgten verschiedene Tests zu Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit und Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung. Das Ergebnis war aussagekräftig: Die Leistungen des Arbeitsgedächtnisses waren bei den Toxoplasmose-positiven Probanden um 35 Prozentpunkte geringer als in der Gruppe der Nicht-Infizierten. Erschwerend kam hinzu, dass betroffene Personen ihre körperliche, psychische und soziale Lebensqualität deutlich schlechter einschätzten. Anschließend wurden Messungen der Hirnaktivität bei den betroffenen Probanden durchgeführt, während diese Aufgaben bearbeiteten. Es zeigte sich unter anderem ein deutlich geringerer Ausschlag der Hirnpotenziale, die mit Arbeitsgedächtnisfunktionen wie Aktualisierung von Gedächtnisinhalten in Verbindung stehen.

 

Zusammenhang mit Demenz wird untersucht

„Der Unterschied in der Arbeitsgedächtnisleistung zwischen Infizierten und Nicht-Infizierten entspricht in etwa der Differenz zwischen gesunden jungen Erwachsenen und Senioren“, so IfADo-Studienautor Dr. Patrick Gajewski. Die Toxoplasmose-Infektion verursachte demnach ein Ungleichgewicht des neuronalen Botenstoffhaushaltes von Dopamin und Norepinephrin. In Folgestudien sollte daher jetzt auch noch ein Zusammenhang von Toxoplasmose und Demenz untersucht werden, da in beiden Fällen die Gedächtnisfunktion als erstes in Mitleidenschaft gezogen wird.

 

Wie beuge ich vor?

Da Toxoplasma gondii so weit verbreitet ist, ist eine völlige Vermeidung des Kontakts schwierig. Es gibt aber viele Maßnahmen, mit denen Sie einer Infektion vorbeugen können. Es hilft häufig schon, bei der Reinigung des Katzenklos oder der Gartenarbeit Handschuhe zu tragen, außerdem sollten besonders immungeschwächte Personen nicht zu eng mit Katzen zu kuscheln und auf das richtige Säubern von Gemüse und Obst sowie das vollständige Garen von Fleisch achten. Eine akute Infektion mit Toxoplasma gondii kann zudem mit Antibiotika behandelt werden.

 

Haustiere können auch helfen

Es gibt auch Argumente, die für eine Haltung von Haustieren sprechen. Sie helfen laut einer Studie auch bei Depressionen und Angststörungen, da sie leichter Nähe zulassen und besser mit ihren Ängsten umgehen. Zu diesen Tieren zählen neben wie Hamstern oder Meerschweinchen unter anderem auch Katzen. Eine verminderte Anfälligkeit für Depresisonen und Angstsörungen schützt wiederum vor degenrativen Erkrankungen des Gehirns wie Alzheimer. Übrigens: Eine akute Infektion mit Toxoplasmose kann bei Hauskatzen durch eine Kotuntersuchung beim Tierarzt festgestellt werden.

Hamburg, 26. Oktober 2016

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