Luzides Träumen: Wie wir unsere Träume lenken können

Können wir uns kreativer schlummern, im Schlaf lernen oder sogar bestimmen, was wir träumen? Forscher erklären, was luzides Träumen ist und verraten, wie wir unser Gehirn nachts trainieren können.

Die spektakulärste Theorie der Neuzeit beginnt mit dem Scheppern eines Schlüsselbunds. Sein Besitzer heißt Albert Einstein (1879-1955). Der Erfinder der Relativitätstheorie hält mehrmals täglich ein Nickerchen – und immer dann, wenn der Meister zu träumen beginnt, fallen die Schlüssel in seiner Hand einfach zu Boden. Heute sind Hirnforscher überzeugt: Seiner eigenwilligen Schlafgewohnheit dürfte Einstein einen Teil seiner Genialität verdanken. Denn wer oft träumt und sich nach dem Aufwachen daran erinnert, kommt auch häufiger auf neue und ungewöhnliche Ideen.

Tür im Wald
Oft merken wir erst nach dem Aufwachen, dass irgendetwas in unserem Traum seltsam war. Klarträumer bemerken die unrealistische Veränderung dagegen bereits im Traum selbst © Alamy
 

Luzides Träumen: Der Kreativitäts-Booster

Und tatsächlich zeigen Studien: Träume können unsere Kreativität steigern. So ließ sich nicht nur Albert Einstein von seinen inspirieren. Viele berühmte Künstler machten es ähnlich: Der spanische Maler Salvador Dalí etwa setzte Träume direkt in Bilder um, der italienische Filmemacher Federico Fellini in Szenen, und Paul McCartney soll die Melodie von „Yesterday“ im Traum eingefallen sein. Doch können wir die nächtlichen Visionen gezielt nutzen, um unsere Kreativität zu steigern? Ja, sagt die Wissenschaft. Zumindest dann, wenn wir das Klarträumen – auch kreatives oder luzides Träumen genannt – erlernen. Auf diese Weise können wir nämlich selbst bestimmen, was wir im Schlaf erleben. „Bei einem Klartraum ist der für das logische Denken zuständige Teil des Gehirns nicht wie sonst beim Träumen ausgeschaltet. Sondern der rationale Geist schaltet sich hinzu – und der Schlafende merkt, dass er träumt, wacht aber davon nicht auf. Stattdessen läuft der Traum weiter und lässt sich – mit etwas Übung – von nun an willentlich steuern“, erklärt Schlafforscher Daniel Erlacher von der Universität Bern. Luzides Träumen lässt sich trainieren: So sind bis zu 100 Klarträume im Jahr möglich, sagt Erlacher. Und immerhin jeder zweite Mensch in Deutschland hat schon mindestens einmal einen Klartraum erlebt.

 

Luzides Träumen kann die Realität verändern

Diese Träume, so zeigen Studien, können verblüffend positive Effekte auf unser Leben haben, etwa bei der Lösung eines Problems im Beruf helfen oder den Antrieb dazu geben, etwas zu tun, was man sonst nicht gemacht hätte. Zum Beispiel seinen heimlichen Schwarm trotz großer Schüchternheit anzusprechen. Weil man im Traum erlebt hat, dass es positiv ausgeht. Wir können durch die Kreativität im Traum auch emotionale Einsichten in bestimmten Lebenssituationen gewinnen. Träumen wir beispielsweise von einer übervollen Handtasche, kann uns das dazu bewegen, unser Leben zu vereinfachen.

Sogar unsere Fitness können wir durch luzides Träumen steigern: Experten am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim untersuchten Turmspringer, Skiläufer und Turner, die in Klarträumen bestimmte Bewegungsabläufe trainierten. Das Ergebnis: Sie erlebten ihr Handeln als in sich stimmig, leicht und locker. Wer also einen perfekten Salto in all seinen Details träumt, schafft das auch in der Realität eher. Bei ihren mentalen Anstrengungen erhöhte sich sogar die Pulsfrequenz der Sportler beträchtlich. Es wäre demnach sogar denkbar, dass ein Sportler sein Herz-Kreislauf-System stärken könnte, ohne sich zu bewegen. Schlafend trainiert das Gehirn wie im Wachzustand – nur besser. „Ein Traum ist wie das Erleben selbst, er beansprucht die gleichen Nervenverbindungen im Gehin“, so Erlacher. „Er wirkt viel tiefer, fühlt sich echt an. Und gleichzeitig ist das Erleben bewusst steuerbar: Ein Sprung lässt sich zum Beispiel in Zeitlupe durchführen – etwas, was in der Realität nicht funktioniert. Wir können uns durch luzides Träumen sogar wie in einem Video aus verschiedenen Perspektiven quasi von außen sehen: Unser Gehirn kann diese Bilder aus den Erfahrungen erzeugen, die wir in der Vergangenheit beim Beobachten von anderen gesammelt haben.“

Kind fliegt
Durch luzides Träumen können wir unsere nächtlichen Abenteuer nach unseren Wünschen beeinflussen – dadurch wird zum Beispiel Fliegen zum Kinderspiel© Fotolia
 

Wir können zu Regisseuren unserer Träume werden

Wie Forschungen zeigen, kann man lernen, einen luziden Traum direkt im Schlaf zu erkennen. Dafür müssen wir uns aber an unsere Träume erinnern. Erlacher meint: „Ein direkt nach dem Aufwachen geführtes Tagebuch identifiziert typische Verräter der eigenen Träume: Wer beispielsweise immer wieder Prinz Charles begegnet, ,weiß' beim nächsten Mal: Achtung, ich träume. Testen Sie dann die Realität. Können Sie mit geschlossenem Mund atmen? Fangen Sie bei einem Sprung sofort an zu fliegen? Wenn ja, legen Sie los mit der Gestaltung des eigenen Traums.“

 

Luzides Träumen: Die wichtigsten Fragen im Schnell-Check

Lässt sich mein Gehirn im Schlaf trainieren? Hilft Schlaf meiner Erinnerung? Und träumen eigentlich Männer oder Frauen mehr? Die Antworten auf diese und andere spannende Fragen rund um luzides Träumen erfahren Sie in unserer Bildergalerie „Luzides Träumen: Wie wir unsere Träume lenken können.“

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