Lungenembolie (Lungenarterienembolie)

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Eine Lungenembolie oder auch Lungenarterienembolie besteht, wenn ein Bereich der Lungenarterie teilweise oder vollständig durch ein Objekt verschlossen wird. Sie gehört neben Herzinfarkt und Schlaganfall zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist ein potenziell lebensbedrohliches Krankheitsbild, das häufig nicht rechtzeitig erkannt wird.

Bei einer Lungenembolie ist ein Bereich der Lungenarterie teilweise oder vollständig durch ein Objekt verschlossen
Bei einer Lungenembolie ist ein Bereich der Lungenarterie teilweise oder vollständig durch ein Objekt verschlossen© iStock
 

Was ist eine Lungenembolie?

Die Lungenembolie ist ein schwerwiegendes Krankheitsbild, bei dem es zu einem teilweisen oder auch völligem Verschluss eines Blutgefäßes in der Lunge (Pulmonalarterien-Ast). Verusacht wird er durch einen sogenannten Embolus. Dabei handelt es sich um ein körpereigenes oder –fremdes Objekt.
Das Risiko an einer eingetretenen Lungenembolie zu sterben ist sehr hoch, da sie zu einer eingeschränkten Sauerstoffzufuhr sowie zu einer Überbelastung des Herzens führt. Daher sollte bei einem Verdacht auf diese Erkrankung schnellstmöglich eine Diagnose gestellt und die Behandlung eingeleitet werden.

 

Wie häufig kommt eine Lungenembolie vor?

Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jährlich mehr als 350.000 Menschen an einer Lungenembolie. Je nach Schweregrad und Auftretungsort in der Lunge kann die Embolie symptomlos oder sehr extrem mit akuter Lebensgefahr verlaufen. Häufig wird sie von Ärzten nicht rechtzeitig und teilweise sogar gar nicht erkannt. Bleibt der Verschluss unbehandelt, führt das bei mehr als 30 Prozent dieser Patienten zum Tod. Wird der Arterienverschluss jedoch diagnostiziert und richtig behandelt, sinkt die Sterberate auf zwei bis acht Prozent.

 

Welches sind die Lungenembolie-Ursachen?

Die häufigsten Lungenembolie-Ursachen sind Blutgerinnsel (Thromben), die aus den tiefen Becken- oder Beinvenen zur Lunge hinwandern. Somit ist diese Embolie meist eine Folge der sogenannten tiefen Venenthrombose. Beide Erkrankungen werden unter dem Überbegriff der venösen Thromboembolie zusammengefasst. In seltenen Fällen kann eine Lungenarterienembolie auch andere Ursachen haben.
Zusätzlich gibt es Risikofaktoren, die die Entstehung der Krankheit begünstigen. Meist dadurch, dass sie die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombose) fördern. Bei diesen Faktoren wird unterschieden ob sie stark, mittel oder gering und ob sie permanent (wie etwa eine Autoimmunerkrankung) oder temporär (wie Schwangerschaft) sind.

Mehr zu den Lungenembolie-Ursachen und Risikofaktoren finden Sie hier

Die häufigste Ursache für eine Lungenembolie sind in die Lungenarterien eingeschwemmte Blutgerinnsel
Die häufigste Ursache für eine Lungenembolie sind in die Lungenarterien eingeschwemmte Blutgerinnsel© iStock
 

Was sind die Lungenembolie-Symptome?

Lungenembolie-Symptome sind sehr vielseitig und häufig nicht eindeutig zuzuordnen. Dadurch wird ein Verschluss der Lungengefäße oft nicht erkannt. Zu den häufigsten Beschwerden gehören Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, eine plötzliche Steigerung der Atemfrequenz und das Aushusten von blutigem Sekret. Auch ein Kreislaufzusammenbruch und die einseitige Schwellung eines Beines oder Armes können ein Zeichen für die Lungenarterienembolie sein. Wenn ein Gerinnsel eine Ader jedoch nicht komplett undurchlässig macht, kann die Embolie in einigen Krankheitsfällen auch fast Beschwerdefrei verlaufen.

 

Wie verläuft die Lungenembolie-Diagnose?

Dadurch, dass die Symptome nicht eindeutig auf das Krankheitsbild hindeuten, ist eine Lungenembolie-Diagnose schwer zu stellen. Ärzte versuchen, sich der Diagnose zu nähern, indem sie die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Arterienverschlusses bestimmen. Ist diese hoch genug, wird eine entsprechende Behandlung eingeleitet. Wenn die Wahrscheinlichkeit für eine Lungenarterienembolie gering eingeschätzt wird, gehen Ärzte davon aus, dass ein anderes Krankheitsbild, wie etwa eine Herzklappendysfunktion, für die Symptome verantwortlich ist.

Lenken die oben genannten Beschwerden den Verdacht auf eine Lungenarterienembolie, wird der Patient schnellstmöglich in eine von zwei Kategorien eingeteilt. Liegt ein kardiogener (vom Herzen ausgehender) Schock oder eine persistierende arterielle Hypotension (dauerhaft niedriger Blutdruck) vor, werden Patienten in die Hochrisikoklasse eingestuft. Fehlen diese Befunde, wird zunächst von einem geringen Risiko ausgegangen.
Im nächsten Schritt werden das Vorliegen von Risikofaktoren sowie bestimmte Befunde (etwa der Blutdruck oder die Herzfrequenz) in einem Punktesystem bewertet um die Wahrscheinlichkeit eine Lungenembolie zu bestimmen. Wird der Patient selbst bereits in die Hochrisikogruppe eingestuft, ist diese Wahrscheinlichkeit meist ebenfalls hoch. Je nach Ergebnis werden dann verschiedene diagnostische Tests angeordnet. Eine der aufschlussreichsten Methoden ist die CT-Angiographie, ein Röntgen-Verfahren das Blutgefäße darstellen und so einen Verschluss dieser sichtbar machen kann. Auf Grund der Strahlenbelastung durch die empfohlenen diagnostischen Tests, wird die Wahl der Methoden bei schwangeren Frauen etwas genauer abgewogen.  

 

Die Schritte der Lungenembolie-Diagnose  

  • Erste Einteilung in Hochrisiko oder Nicht-Hochrisiko-Klasse:(Kardiogener Schock und/oder Persistierende arterielle Hypertension oder nicht?)
  • Bestimmung der sogenannten klinischen oder Vortestwahrscheinlichkeit: Hoch, Mittel oder Niedrig
    (Zustand des Patienten, Vorliegen von Risikofaktoren)
  • Diagnostische Tests zur Bestimmung der Nachtestwahrscheinlichkeit
    (CT-Angiographie, Transthorakale Echokardiographie, D-Dimere-Test)
  • Einschätzung des Risikos für den Patienten innerhalb der nächsten 30 Tage an den Folgen der Krankheit zu sterben: Hoch, Intermediär-hoch, Intermediär-mittel, Niedrig
    (Alle Vorliegenden Patientendaten, Testergebnisse und Wahrscheinlichkeiten)

Lesen Sie hier genaueres zu Lungenembolie-Diagnose

Mit Hilfe von diagnostischen Verfahren wie der CT-Angiographie wird die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Lungenembolie bestimmt
Mit Hilfe von diagnostischen Verfahren wie der CT-Angiographie wird die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Lungenembolie bestimmt© iStock
 

Lungenembolie-Folgen

Tritt eine Lungenembolie ein, wird der Blutkreislauf der Lunge – auch der kleine Kreislauf genannt – gestört. In diesem pumpt die rechte Herzhälfte das sauerstoffarme Blut in die Lunge. Dieses wird dann dort durch ein großes Netz von kleinen Blutgefäßen mit Sauerstoff angereichert und wieder über das Herz zurück in den Körper transportiert. Ist dieses Netzt jedoch Verstopft, muss die rechte Herzkammer größere Anstrengung beim Pumpen des Blutes durch die Arterien leisten. Dadurch kann es zu einer Überbelastung der rechten Herzkammer kommen. Auch der Druck in der Lungenstrombahn erhöht sich.
Sind die Emboli klein und verstopfen nur teilweise oder nur kleine Lungenarterien, können die Beschwerden gering sein. Teilweise können sich diese bei leichten Embolien auch innerhalb weniger Tage zurückbilden.

Wird jedoch ein größerer Teil der Lungenstrombahn verschlossen, kommt es zu einer sogenannten fulminanten Lungenembolie. Diese kann innerhalb weniger Minuten zum Versagen der rechten Herzkammer und somit zum Tod führen.Insgesamt sterben deutschlandweit jährlich etwa 40.000 Patienten an den Folgen dieser Erkrankung. Dabei ereignen sich bis zu 90 Prozent der Todesfälle schon ein bis zwei Stunden nach Auftreten der Symptome.

 

Wie sieht die Lungenembolie-Behandlung aus?

Das Ziel der Lungenembolie-Behandlung ist es, den normalen Blutfluss wieder herzustellen. Da in den meisten Fällen ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel für den Gefäßverschluss verantwortlich ist, werden sogenannte Antikoagulanzien eingesetzt, welche die Blutgerinnung hemmen. Je nach eingeschätzter Schwere der Embolie und dem daraus resultierenden hohen Sterberisiko, werden diese Mittel sogar schon verabreicht, während die Diagnostik noch läuft. Bei hohem Risiko wird zusätzlich eine Behandlung zur Auflösung oder Entfernung des verstopfenden Blutgerinnsels eingeleitet. Bei intermediär-hohen Risiko wird der Patient unter strenge Beobachtung gestellt um die Entfernung bei Bedarf doch schnellstens durchführen zu können. Wurde das frühe Sterberisiko als niedrig eingestuft, und der Patient kann die weitere Behandlung mit den Blutgerinnung-hemmenden Mitteln auch ambulant fortgeführt werden, wenn die Möglichkeit besteht.

Eine genaue Beschreibung der Lungenembolie-Behandlung finden sie hier

Bei einer fulminanten Lungenembolie kann es innerhalb weniger Minuten zum Versagen der rechten Herzkammer kommen
Bei einer fulminanten Lungenembolie kann es innerhalb weniger Minuten zum Versagen der rechten Herzkammer kommen© iStock
 

Langzeitfolgen einer Lungenembolie

Löst sich der verstopfende Embolus nicht spontan oder durch eine Behandlung auf, kann es zu einer chronischen Lungenembolie kommen. Der Embolus wird dann in die Gefäßwand integriert, was zu einer Vernarbung und somit zur Verengung der Gefäße führt. Der andauernde Verschluss der Lungenarterienäste kann langfristig das Risiko für einen Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) steigern. Dieser entsteht, wenn mehr als 60 Prozent des Gefäßes verstopft sind. Er kann durch wiederkehrende und häufig medizinisch unauffällig verlaufende, kleinere Lungenarterienembolien ausgelöst werden. Aber auch wenn der Blutfluss  des Lungenblutkreislaufs nicht ausreichend wiederhegestellt werden konnte, kann dies zu einer pulmonalen Hypertonie führen oder das Risiko für eine solche weiter steigern.

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