Luft im Bauch? So lindern Sie Blähungen bei Kindern

Kinderärztin Dr. Nadine Hess berät bei Luft im Bauch
Expertin Dr. Hess: „Bei Säuglingen kann man mit Kümmelzäpfchen oder einer kümmelhaltigen Salbe, mit der vorsichtig das Bäuchlein massiert wird, die Blähungen lindern. Auch Tee mit Anis und Fenchel ist empfehlenswert.“ © privat

Von welchen Nahrungsmitteln bekommen Kinder Blähungen? Wieso leiden besonders Säuglinge oft darunter? Und was kann man tun, um Beschwerden durch zu viel Luft im Bauch zu lindern?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Nicht nur im frühen Säuglingsalter kann ein aufgeblähter Bauch quälend sein. In manchen Fällen sind Blähungen sogar so schmerzhaft, dass man kaum atmen kann. Nicht selten landet so ein Kind oder Erwachsener auch mal in der Notaufnahme, weil man ein akutes Geschehen im Bauch vermutet, das operiert werden muss. So stark können die Beschwerden sein.

 

Wieso sammelt sich zu viel Luft im Bauch?

Blähungen können mehrere Ursachen haben: Zum Beispiel kann ein Bauch, der aufgrund eines Magen-Darm-Infektes gerade „durcheinander geraten ist“, gebläht sein. Bei Säuglingen ist oft die noch nicht voll ausgeprägte Darmflora schuld. Luft im Bauch kann durch blähende Lebensmittel verursacht werden, bei einigen Menschen auch durch Stress oder durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten. In seltenen Fällen kann auch mal eine entzündliche Darmerkrankung oder ein anderer ernsterer Grund dahinterstecken. In den allermeisten Fällen sind die Blähungen aber nur unangenehm und nicht besorgniserregend.

 

Diese Lebensmittel fördern Blähungen bei Kindern

Kleiner Junge schnuppert Brokkoli
Um Blähungen durch Kohlgemüse zu vermeiden, hilft es, die Gerichte zusammen mit entblähenden Zutaten wie Kümmel, Koriander oder Ingwer zuzubereiten© Fotolia

Zu den blähenden Lebensmitteln zählen vor allem solche mit einem hohen Ballaststoffanteil, wie zum Beispiel in Vollkornbrot oder Hülsenfrüchte. Aber natürlich auch die „üblichen Verdächtigen“ wie Zwiebeln, Lauch, Pflaumen, Bohnen, Kohl, bestimmte Käsesorten (zum Beispiel Camembert oder Blauschimmelkäse) und  auch Weintrauben. Die Liste ist nicht vollständig, zudem reagiert jedes Kind anders – das eine bekommt vom Genuss von Rosinen einen fürchterlichen Blähbauch, das andere nicht.

Leidet der Patient an einer Laktose- oder Fruktoseintoleranz, können diese Zuckerarten nicht abgebaut werden und führen zu Blähungen, so dass viele Lebensmittel ganz gemieden werden sollten. Auch die Glutenunverträglichkeit führt unter anderem zu Luft im Bauch, da die Darmzotten geschädigt sind, die Verdauung nicht mehr normal funktioniert und dadurch mehr Darmgase entstehen.

 

Was hilft gegen zu viel Luft im Bauch?

Kleines Mädchen hat Luft im Bauch und Blähungen
In den allermeisten Fällen führt Luft im Bauch nur zu unangenehm riechenden Darmwinden, ist aber nicht besorgniserregend© Fotolia

Je nach Ursache richtet sich die Behandlung. Hat man für sich oder sein Kind ein Lebensmittel ausgemacht, das zu besonders starken Blähungssymptomen führt, sollte man dieses möglichst meiden – oder mit etwas zusammen verzehren, das die Entstehung von Luft im Bauch mindert, wie beispielsweise Kümmel. Aber auch Ingwer und Koriander helfen. Akut hilft auch eine Wärmflasche (aber Vorsicht, nicht zu heiß), die den Darm entspannt. Auch homöopathische Mittel (z.B. Bellilin, mama natura®, Apotheke) können dabei helfen, den Bauch und Darm von Blähungen zu befreien.

 

Kümmel lindert Blähungen bei Säuglingen

Bei Säuglingen kann man mit Kümmelzäpfchen oder einer kümmelhaltigen Salbe, mit der vorsichtig das Bäuchlein massiert wird, die Blähungen lindern. Auch Tee mit Anis und Fenchel ist empfehlenswert. Für Babys, die mit Formulanahrung ernährt werden, kann man diese statt nur mit heißem Wasser auch beispielsweise mit heißem Fencheltee zubereiten. Ebenso gut ist Kümmeltee, den aber viele nicht mögen. Eine weitere Alternative sind Medikamente mit entblähender Wirkung, die es in Form von Tropfen und Tabletten gibt. In Tropfenform sind sie sogar für Säuglinge schon zugelassen.

 

Wann mit Blähungen zum Arzt?

Dauern die Beschwerden allerdings über mehrere Tage an, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Insbesondere dann, wenn noch andere Symptome wie Erbrechen oder Durchfall hinzu kommen. Zum Glück ist das selten notwendig und die unangenehmen Beschwerden bessern sich, sobald die unnötige Luft den Bauch – teilweise unter deutlicher Geruchsbelästigung für die Umwelt – wieder verlassen hat.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.