Louwen-Diät: Kann die Ernährungsform die Geburt erleichtern?

Gaby Scheib

So riesig die Vorfreude aufs Baby auch ist – der schmerzhafte Geburtsprozess sorgt eher für Unsicherheit und Ängste. Genau hier setzt die Louwen-Diät an: Dabei handelt es sich um eine Ernährungsumstellung, die zu weniger Schmerzen bei der Geburt führen soll. Was genau steckt hinter der Louwen-Ernährung in der Schwangerschaft?

Inhalt
  1. Was ist die Louwen-Diät?
  2. Wie kann die Louwen-Ernährung bei der Geburt helfen?
  3. So funktioniert die Louwen-Diät in der Schwangerschaft
  4. Louwen-Diät: Die Erfahrungen sind gemischt
  5. Für wen eignet sich die Louwen-Diät nicht?

Die Louwen-Diät ist benannt nach ihrem „Erfinder“ Prof. Dr. Frank Louwen. Er ist leitender Arzt für die Pränatalmedizin und Geburtshilfe an der Universitätsklinik in Frankfurt. Sein Diätplan ist nicht zum Abnehmen im klassischen Sinn gedacht, sondern zur Ernährungsumstellung. Ziel ist es, den Geburtsvorgang zu erleichtern und die Schmerzen zu reduzieren.

 

Was ist die Louwen-Diät?

Bei der Louwen-Diät handelt es sich um eine spezielle Ernährung in der Schwangerschaft. Dabei sollten die Frauen in den letzten sechs bis acht Wochen vor dem Geburtstermin – also etwa ab der 32. Schwangerschaftswoche (SSW) – weitestgehend auf einfache Kohlenhydrate verzichten. Es geht dabei nicht darum, Gewicht zu verlieren, sondern starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu vermeiden.

Schwangere Frau
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Wie kann die Louwen-Ernährung bei der Geburt helfen?

Im letzten Drittel der Schwangerschaft, etwa ab der 35. SSW, produziert der Körper vermehrt Prostaglandine. Die Gewebshormone steuern die Entzündungs- und Schmerzreaktionen, sind aber auch für die Einleitung der Geburt wichtig: Sie weiten zum Beispiel den Muttermund und sorgen dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und die Wehen ausgelöst werden. Damit die Hormone ihren Job erledigen können, müssen sie an bestimmten Rezeptoren andocken.

Fachleute gehen davon aus, dass die Prostaglandine mit einem anderen Hormon um diese Rezeptoren konkurrieren – dem Insulin. Ist der Blutzuckerspiegel zu hoch, wird mehr Insulin ausgeschüttet. Die Folge: Die Prostaglandine können sich nicht an die Rezeptoren binden, der Geburtsprozess verlangsamt sich und wird als deutlich schmerzhafter empfunden, auch weil der Muttermund sich nicht genug öffnen kann. Außerdem kann es der Theorie zufolge zu komplizierteren Verläufen und häufiger zu Kaiserschnitten kommen.

 

So funktioniert die Louwen-Diät in der Schwangerschaft

Prof. Dr. Louwen empfiehlt deshalb, die Insulinausschüttung spätestens ab der 34. SSW zu reduzieren. Dazu sollten einfache Kohlenhydrate gemieden und statt dessen komplexe Kohlenhydrate gegessen werden. Hintergrund: Einfache Kohlenhydrate haben einen sehr hohen glykämischen Index (Glyx), der die Auswirkungen eines Lebensmittels auf den Insulinspiegel beschreibt. Dies betrifft wohlgemerkt nur die Kohlenhydrat-Aufnahme – Ernährungsempfehlungen zu Fetten oder Proteinen sind davon nicht betroffen.

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Folgende Louwen-Diät-Tabellen geben einen Überblick über die erlaubten und verbotenen Lebensmittel.

Diese Lebensmittel sollte man meiden:

• Zucker, Süßigkeiten und süße Getränke
• Brot, Nudeln und andere Weißmehlprodukte
• Kartoffeln und verarbeitete Kartoffelprodukte wie Pommes Frites
• Mais und Kürbis
• Obstsorten mit einem hohen Glyx wie Ananas, Papya oder Wassermelone
• Getrocknetes Obst
• Honig

Lebensmittel, die von der Louwen-Diät empfohlen werden:

• Hülsenfrüchte, z. B. Linsen oder Kichererbsen
• (Pseudo-)Getreide, z. B. Buchweizen, Quinoa, Roggen, Hafer
• Gemüsesorten wie Blattsalate, Brokkoli und Zucchini
• Wild- oder Naturreis
• Fleisch und Fisch
• Eier
• Milchprodukte
• Obst mit einem niedrigen Glyx wie Äpfel, Orangen oder Birnen

Wichtig ist es, auf „versteckte“ Kohlenhydrate in verarbeiteten Lebensmitteln zu achten. Sie stecken als Süßungsmittel unter anderem in Getränken und Desserts, aber auch in vielen herzhaften Produkten, beispielsweise in Wurst, Fertigsoßen oder Dips.

Statt dessen sollte man am besten selber kochen: Tipps und Rezepte zur Louwen-Diät finden sich im Internet in vielen Foren, vom Frühstück über das Mittagessen bis zum Abendbrot.

 

Louwen-Diät: Die Erfahrungen sind gemischt

Viele Frauen tauschen sich im Internet über ihre Erfahrungen mit der Louwen-Diät in der Schwangerschaft aus. Man merkt schnell: Die Ergebnisse sind durchaus gemischt – manche sind begeistert, bei anderen wirkt die Ernährungsumstellung nicht, die Geburt war trotzdem lang und schmerzvoll. Dennoch ist eine kohlenhydrat- und zuckerarme Ernährung in der Schwangerschaft sinnvoll, allein schon, um Übergewicht bei der Mutter und auch beim Kind entgegenzuwirken. Das entspricht auch den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die zu einer gesunden, vollwertigen Kost rät.

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Für wen eignet sich die Louwen-Diät nicht?

Im Prinzip ist die Ernährung für alle Schwangeren geeignet. Frauen, die unter einer Stoffwechselstörung bzw. Diabetes leiden oder bei denen der Schwangerschaftsverlauf kompliziert ist, sollten diese Ernährungsform jedoch meiden. Oder sich zuvor mit ihrem Arzt besprechen, ob die Louwen-Diät vor der Geburt für sie infrage kommt.

 

Quellen:

Die Louwen-Diät: Was steckt hinter der Schwangerschaftsdiät? in: kita.de
Was bringt der Verzicht auf Zucker und Weizen? in: diepta.de
Die Ernährung in: hebamme.de

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