Lost-Penis-Syndrom: Was tun bei Orgasmus-Problemen?

Ines Fedder Medizinredakteurin

Ein zu kleiner Penis kann für viele Betroffene beim Liebesspiel zur psychischen Belastung werden. Aber: Kann der Penis denn überhaupt zu klein sein? Und kommt es wirklich auf die Größe an?

Mann sitzt auf Bett
Ein echter Liebesspiel-Killer: Das Lost-Penis-Syndrom Foto:  istock/Estradaanton
Inhalt
  1. Was ist das Lost-Penis-Syndrom?
  2. Ursachen für das Lost-Penis-Syndrom
  3. Lost-Penis-Syndrom: Was kann man dagegen tun?

Haben Sie schon einmal etwas von dem Lost-Penis-Syndrom gehört? Gehört vielleicht nicht, die Thematik ist vielen – vor allem männlichen Leidensgenossen – allerdings bestens bekannt.

 

Was ist das Lost-Penis-Syndrom?

Von einem Lost-Penis-Syndrom spricht man, wenn der Penis des Mannes im Verhältnis zur Vagina sehr klein ist. Die vermeintliche Problematik beim Lost-Penis-Syndrom: Beim Geschlechtsverkehr entsteht nicht genügend Reibung, sodass die Frau weniger spürt, häufig daher nicht zum Höhepunkt kommt. Der Penis geht – wie der Name schon sagt — sprichwörtlich in der Vagina verloren.

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Ursachen für das Lost-Penis-Syndrom

Dabei muss die Ursache des Syndroms nicht zwangsläufig nur beim Mann liegen. Denn selbst bei einem vermeintlich kleinen Penis kann das beste Stück des Mannes im erigierten Zustand eine beachtliche Größe erlangen.

Lost-Penis-Syndrom nach Schwangerschaft

Das Lost-Penis-Syndrom kann daher nicht nur auftreten, wenn der Penis des Mannes augenscheinlich sehr klein ist, auch die Vagina der Frau kann häufig einfach sehr geweitet sein – zum Beispiel nach der Geburt. Nicht nur deshalb ist die Schwangerschaftsrückbildungsgymnastik nach der Entbindung besonders wichtig. Durch sie werden die überstrapazierten Muskeln im Beckenboden gestärkt. 

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Lost-Penis-Syndrom: Was kann man dagegen tun?

Zunächst einmal sollten Sie sich von dem Gedanken freimachen, dass es beim Sex tatsächlich auf die Größe ankommt – sowohl beim Penis als auch bei der Vagina der Frau. Vielmehr sind Erregungszustand und Technik entscheidend, ob das Liebesspiel als besonders lustvoll empfunden wird. Dr. med. Yael Adler erklärt in ihrem Bestseller „Darüber spricht man nicht“ den erfolgreichen Liebesakt folgendermaßen: „Rein mechanisch spielt der richtige Rhythmus, mit passender Dauer, eine große Rolle, außerdem muss die optimale anatomische Region getroffen werden, was wiederum ein gewisses Maß an erotischen Kenntnissen der Beteiligten voraussetzt.“ Es kommt also mitnichten nur auf die anatomischen Voraussetzungen an. 

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Der Erektion auf die Sprünge helfen

Erscheint der Penis des Mannes als zu klein, kann es auch daran liegen, dass er nicht im vollen Umfang erigiert ist. Da die Erektionsfähigkeit des Mannes stark von Versagensängsten beeinflusst wird, kann es helfen, beim Liebesspiel den Druck rauszunehmen, damit beim kleinen „Manne“ hingegen wieder genug „Druck“ entsteht.

Schwellkörpertraining für den Mann

Bei Erektionsstörungen den Schwellkörper zu trainieren – das sogenannte Beckenbodentraining für den Mann, kann zu mehr „Stehkraft“ verhelfen. Dr. med. Yael Adler rät Männern „einfach mal ‚gefühlt‘ die Penisspitze in den Leib zu ziehen.“

Beckenbodentraining für die Frau

Entsteht beim Verkehr zu wenig Reibung, hilft manchmal auch die beste Technik nichts. Damit der Penis sich der Vagina besser anpasst, kann auch die Frau ihren Beckenboden trainieren. Beim Beckenbodentraining der Frau wir unter anderem die Muskulatur von Scheide, Harnröhre und Anus abwechselnd an- und entspannt und so trainiert. Dadurch wird nicht nur die Orgasmusfähigkeit verbessert, es hilft auch vorbeugend bei Inkontinenz und Rückenproblemen. 

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Vaginalstraffung

Sind alle Möglichkeiten der natürlichen Behandlung des Lost-Penis-Syndroms ausgeschöpft und der Leidensdruck groß genug, kann eine Vaginalstraffung Abhilfe schaffen. Sofern keine medizinische Notwendigkeit vorliegt, handelt es sich hierbei allerdings um einen kosmetischen Eingriff.

Das Lost-Penis-Syndrom ist vor allem für Männer ein großes Problem. Dass die Orgasmusfähigkeit der Frau allein an der Größe des Penis festzumachen ist, wirkt sich wiederum auf die Erektionsfähigkeit des Mannes aus und bildet so einen fiesen Teufelskreis. Dabei kommt es doch beim Liebesspiel auf so viele Faktoren an, die ebenso wichtig sein sollten. Der Irrglaube, es gäbe sowohl einen klitoralen als auch einen vaginalen Orgasmus verstärkt den Leidensdruck beim Lost-Penis-Syndrom. Vielmehr gibt es mehr als nur zwei Arten, um eine Frau durch Stimulation zum Höhepunkt zu bringen.

Gefragt sind Entspannung und viel Gefühl. Kommt es beim Liebesabenteuer einmal nicht zum großen „Ooooo“, hilft manchmal ein langes, meditatives „Ommm“.

Quelle:

Dr. med. Yael Adler (2018), darüber spricht man nicht, Droemer Verlag, München

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