Loperamid – die 10 häufigsten Fragen

Kapitel
  1. 1. Loperamid – Wirkstoff Guide
  2. 2. Die 10 häufigsten Fragen
  3. 3. Nebenwirkungen
  4. 4. Dosierung
  5. 5. Medikamente

Loperamid ist der gängiste Wirkstoff zur Durchfallbehandlung. Doch wie wirkt er, was passiert wenn zuviel Loperamid eingenommen wurde? Oder ist Loperamid eventuell sogar eine Droge?

Unser Experte Prof. Dr. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie von der Schmerzklinik Kiel, beantwortet die zehn häufigsten Fragen zum Wirkstoff Loperamid.

 

Wofür nimmt man Loperamid?

Loperamid wird zur symptomatischen Behandlung von akuten oder chronischen Durchfallerkrankungen eingenommen. Die Ursache der Durchfälle wird dabei nicht bekämpft. Lopramid hemmt die Darmbewegungen. Dadurch verbleibt der Stuhl länger im Darm, dickt wieder ein und der Durchfall wird gestoppt.

Wichtig ist, dass bei Durchfällen während einer Antibiotika-Therapie kein Loperamid eingenommen werden sollte (s.u.).

Während einer Antibiotika-Therapie sollte kein Loperamid eingenommen werden, da es zu einer sogenannten pseudomembranösen Colitis kommen kann
Während einer Antibiotika-Therapie sollte kein Loperamid eingenommen werden, da es zu einer sogenannten pseudomembranösen Colitis kommen kann© Fotolia
 

Ab wann ist Loperamid verschreibungspflichtig?

Arzneimittel mit dem Wirkstoff Loperamid sind meist in Packungen von 10 Tabletten oder Kapseln mit einem Wirkstoffgehalt von je zwei mg erhältlich. Die Tageshöchstdosis liegt bei Erwachsenen bei 6 Tabletten (12 mg).

Eine größere Wirkstoffmenge als der Inhalt einer Packung sollte bei einer akuten Durchfallerkrankung ohne ärztliche Anweisung auch nicht eingenommen werden. Für eine Langzeittherapie gibt es auch größere Packungseinheiten, diese sind dann allerdings verschreibungspflichtig. Die Wirkstoffmenge pro Tablette oder Kapsel bleibt aber immer gleich.

 

Ab welchem Alter darf Loperamid eingenommen werden?

Loperamid darf theoretisch ab zwei Jahren eingesetzt werden – jedoch nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung des behandelnden Arztes und mit einer genauen Dosierungs- und Darreichungsangabe. Kinder unter dieser Altersangabe dürfen in keinem Fall mit dem Wirkstoff behandelt werden.

Erst ab etwa zwölf Jahren dürfen Kinder die gängige Dosis von zwei mg pro Tablette einnehmen.

 

Ist Loperamid eine Droge?

An sich ist der Wirkstoff keine Droge sondern ein effektiver Wirkstoff, der zur akuten oder chronischen Durchfallbehandlung eingesetzt wird. Jedoch wird Loperamid in Kombination mit Herzmitteln wie Verapamil, Nifedipin oder Chinin-haltigen Arzneimitteln oft als Droge missbraucht, da diese Kombinationen eine opiat-ähnliche Wirkung entfalten.

Das gefährliche an diesen Kombinationen: die Wirkstoffe können zusammen die Blut-Hirn-Schranke überwinden und euphorische Zustände hervorrufen. Loperamid alleine kann eine intakte Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Es braucht dazu einen Träger, der ermöglicht, dass es sich im Gehirn anreichern kann. Eine gängige Methode ist es beispielsweise, Loperamid mit einem Chinin-haltigen Arzneimittel zu kombinieren. Zuvor rezeptfreie Chinin-haltige Arzneimittel gegen Muskelkrämpfe sind seit dem 1. April 2015 verschreibungspflichtig und nur noch gegen ein Rezept erhältlich.

Prof. Dr. Hartmut Göbel
Experte Prof. Dr. Göbel: "Der Wirkstoff Loperamid kann eine intakte Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden."© privat
 

Wann sollte man Loperamid einnehmen?

Loperamid sollte sofort nach dem ersten Auftreten von Durchfall verwendet werden. Als Anfangsdosis werden zwei Tabletten eingenommen. Nach jedem ungeformten Stuhl wird eine weitere Tablette eingenommen, jedoch nicht mehr als sechs am Tag, also 12 mg Wirkstoff. Wenn keine Durchfall-Symptome mehr vorliegen, sollte sofort mit der Einnahme gestoppt werden.

Anders als bei anderen Arzneimitteln muss also nicht darauf geachtet werden, ob der Wirkstoff vor oder nach dem Essen eingenommen werden muss.

 

Wie schnell wirkt Loperamid?

Der Wirkstoff wirkt schnell, meist schon nach wenigen Stunden. Oftmals nimmt die Durchfallhäufigkeit nach etwa zwei Stunden schon deutlich ab.

 

Wie lange hält die Wirkung von Loperamid an?

Wie lange Loperamid wirkt, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, da es von verschiedenen Faktoren abhängt, wie z.B. der eingenommen Dosis, wie der Körper Medikamente verstoffwechselt, wie stark der Durchfall ist etc. Mehr als die Hälfte aller Patienten haben 24 Stunden nach der ersten Einnahme des Wirkstoffs keinen ungeformten Stuhl mehr.

 

Warum sollte man kein Loperamid einnehmen, wenn man Fieber hat?

Der Wirkstoff sollte bei Fieber nicht eingenommen werden, da die erhöhte Temperatur ein Hinweis auf eine mögliche Darminfektion sein kann.

Wenn eine Darminfektion vorliegt, dann sorgt Loperamid dafür, dass die Erreger länger im Darm bleiben, da der Wirkstoff die Darmbewegung verlangsamt. Die Folge: Die Infektion kann sich verlängern oder ggf. sogar verschlimmern. Dasselbe gilt für blutige Durchfälle. Auch dann sollte Loperamid nicht eingenommen werden.

 

Warum darf kein Loperamid während einer Antibiotika-Therapie eingenommen werden?

Tritt nach oder schon während einer Antibiotika-Therapie Durchfall auf, darf der Wirkstoff Loperamid nicht eingenommen werden. Denn während einer Antibiotika-Behandlung, besonders wenn diese länger andauert, werden Teile der Darmflora abgetötet. Das bedeutet, dass antibiotikaresistente Stämme, vor allem Bakterien der Gattung Clostridium difficile sich ungehindert ausbreiten und vermehren können. Das Problem dabei ist, dass sie Gift absondern, die als Clostridum-difficile-Toxine A und B bezeichnet werden. Diese wiederum können schwere Entzündungsreaktionen hervorrufen, die den Dickdarm betreffen. Man spricht dann von einer sogenannten pseudomembranösen Colitis. Nimmt man nun aufgrund des Durchfalls Loperamid ein, verlangsamt sich die Darmbewegung und die Bakterien bleiben länger im Darm, wodurch sich die Entzündung noch verschlimmern kann. Um das zu vermeiden, sollte der Wirkstoff nicht bei Durchfallerkrankungen, die durch ein Antibiotikum hervorgerufen wurden, eingenommen werden.

 

Was passiert, wenn ich zu viel Loperamid einnehme?

Wenn zu viel Loperamid eingenommen wird, spricht man von einer Überdosierung. Im leichtesten Fall kommt es zu Verstopfung, was aber schon sehr unangenehm sein kann. Im schlimmsten Falle aber kann es aber zu einem Darmverschluss oder Vergiftungserscheinungen kommen, die das zentrale Nervensystem betreffen. Dazu gehören Symptome wie Krämpfe, apathisches Verhalten oder eine sogenannte Atemdepression (herabgesetzte Atmung).

Bei der ersten Anzeichen einer Überdosierung sollte der Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen. Je nachdem welche Vergiftungs- oder Überdosierungsanzeichen auftreten, wird der Arzt seine Behandlung danach ausrichten. Manchmal ist eine Magenspülung notwendig, um die Reste des Wirkstoffs aus dem Magen zu entfernen. In einigen Fällen wird auch ein sogenannter Opioidantagonist, wie beispielsweise Naloxon, eingesetzt. Opioidantagonisten verdrängen nach Einnahme das im Körper vorhandene Opioid. Bei einer Überdosierungsbehandlung von Heroin oder Codein wird ebenfalls ein Opioidantagonist eingesetzt. Der Arzt muss hierbei beachten, dass Loperamid länger als ein Opioidantagonist im Körper verbleibt. Daher muss der Patient engmaschig überwacht werden und ggf. eine erneute Gabe eines Opioidantagonisten in Erwägung gezogen werden, um wieder auftretende Überdosierungserscheinungen zu vermeiden.

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