Long-Covid trotz Impfung: Wie wahrscheinlich ist das?

Daphne Sekertzi

Experten schätzen, dass sich bis zu 50 Prozent der Geimpften mit Corona infizieren werden. Die Impfung schützt in der Regel vor schweren Verläufen. Doch wie groß ist die Gefahr für Geimpfte, Long-Covid zu entwickeln?

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Inhalt
  1. „Welle der Geimpften“: Zahl der Impfdurchbrüche nimmt zu
  2. Corona-Impfstoffe bieten keinen vollständigen Schutz
  3. Long-Covid trotz Corona-Impfung: Wie groß ist das Risiko?
  4. Studienlage zu Long-Covid bei Geimpften ist durchwachsen
 

„Welle der Geimpften“: Zahl der Impfdurchbrüche nimmt zu

Können auch vollständig Geimpfte Long-Covid entwickeln? Diese Frage drängt sich angesichts stetig zunehmender Impfdurchbrüche immer mehr auf. Offiziell gab es in Deutschland bisher rund 95.500 Impfdurchbrüche. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen. Neusten Prognosen zufolge wird sich die Hälfte aller Geimpften mit dem Coronavirus infizieren, da die Wirksamkeit der Impfstoffe im Laufe der Zeit abnimmt. Nach vier Monaten schützt Biontech nur noch zu 20 Prozent vor einer Infektion, so das Ergebnis zweier neuer Studien.

Zudem ist die hierzulande dominante Delta-Variante deutlich ansteckender als der Wildtyp und resistenter gegen die Impfstoffe. Der Virologe Alexander Kekulé warnt im Gespräch mit n-tv vor einer erstarkenden Pandemie-Entwicklung: "Wir werden eine Welle der Geimpften bekommen. Der Impfschutz bezüglich der Ansteckungsfähigkeit beträgt gegen die Delta-Variante nur 50 bis 70 Prozent, bei Astrazeneca eher noch weniger“. 

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Corona-Impfstoffe bieten keinen vollständigen Schutz

Eine Impfung bietet zwar keinen vollständigen Schutz vor einer Corona-Infektion, aber sie senkt die Wahrscheinlichkeit eines schweren oder gar tödlichen Verlaufs auf ein Minimum. Jedoch können selbst nach einem milden Krankheitsverlauf Langzeitfolgen auftreten – zumindest ist das so bei Ungeimpften. Die Studie eines Kölner Forscher-Teams ergab erst kürzlich, dass einer von zehn Corona-Erkrankten, die keine oder nur sehr milde Symptome aufwiesen, monatelang an Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Erschöpfung oder Geruchs- und Geschmacksstörungen leidet.

 

Long-Covid trotz Corona-Impfung: Wie groß ist das Risiko?

Grundsätzlich ist auch für geimpfte Personen, die sich mit Corona infiziert haben und nur einen milden Krankheitsverlauf durchmachen, das Risiko für Long Covid nicht ganz ausgeschlossen. Darauf weist eine nun veröffentlichte Beobachtungsstudie zu Impfdurchbrüchen der Universität Oxford hin. Dabei wurden Daten von 20.000 Corona-Erkrankte verglichen – rund die Hälfte von ihnen war geimpft.

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Als Ergebnis zeigte sich, dass mit der Impfung das Risiko für einen schweren Verlauf signifikant sinkt. Für Long-Covid-Beschwerden gelte dies jedoch laut den Studien-Autor:innen nicht. Demnach unterscheide sich das Risiko, Corona-Langzeitfolgen zu erleiden, zwischen Geimpften und Ungeimpften nicht. Vor Beschwerden wie Angst- und Schlafstörungen, Gelenkschmerzen oder Herzrhythmusstörungen seien Geimpfte nicht geschützt, so das Fazit der Studie.

 

Studienlage zu Long-Covid bei Geimpften ist durchwachsen

Der Virologe Christian Drosten ist anderer Meinung: „Es ist von einem weitgehenden Schutz auch gegen Long Covid durch die Impfung auszugehen." Eine groß angelegte britische Untersuchung scheint Drosten Recht zu geben: Mehr als 1,24 Millionen Briten, die sich mit Corona infiziert hatten, gaben 28 Tage lang über eine App Auskunft über aufgetretene Symptome und Beschwerden nach der eigentlichen Erkrankung. Dabei kam raus, dass die Zahl der Ungeimpften mit Long-Covid doppelt so hoch war – vollständig Geimpfte hätten somit ein deutlich geringeres Risiko Corona-Langzeitfolgen, zu entwickeln.

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Die Aussagekraft der Untersuchung ist jedoch durch die Selbstauskunft und die Zusammensetzung der Proband:innen eingeschränkt. An der Untersuchung nahmen weitaus mehr Frauen als Männer teil. Auch Menschen mit höherem Bildungsniveau waren stärker vertreten.

Aufgrund der durchwachsenen Studienlage lässt sich keine genaue Aussage darüber treffen, wie groß das Risiko wirklich ist, trotz Impfung und milder Symptome Long-Covid zu entwickeln – fest steht jedoch, dass die Impfung einen zuverlässigen Schutz vor schweren Komplikationen durch Covid bietet.

Quellen:

Taquet, Maxime [u.a] (2021): Six-month sequelae of post-vaccination SARS-CoV-2 infection: a retrospective cohort study of 10,024 breakthrough infections, in: medrxiv.org

Tran, Viet-Thi [u.a] (2021): Efficacy of COVID-19 Vaccination on the Symptoms of Patients With Long COVID: A Target Trial Emulation Using Data From the ComPaRe e-Cohort in France, in: ssrn.com

COVID-19: Auch milde Verläufe können schwere Folgen haben, in: uk-koeln.de

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