Long COVID: Diese Gruppe ist zunehmend betroffen

Ines Fedder Medizinredakteurin

Immer mehr Betroffene berichten vom sogenannten „Long COVID“. Die teils heftigen Corona-Langzeitfolgen treten auch schon bei leichteren Infektionen Monate später bei vielen Erkrankten auf. Mediziner warnen jetzt, dass bei einer Altersgruppe ein besonders hohes Risiko besteht.

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Inhalt
  1. Long COVID: 20- bis 30-Jährige aktuell vermehrt betroffen
  2. Schwerer Verlauf gleich Long COVID?
  3. Long COVID bei jungen Erwachsenen: 7 Prozent entwickeln Langzeitfolgen
  4. Long COVID-Symptome: Auf diese Anzeichen sollten Sie achten

Long COVID – unter diesem Begriff fassen Mediziner diverse Langzeitfolgen zusammen, die bei den Betroffenen auch noch Monate nach einer überstandenen Corona-Erkrankung auftreten können, unabhängig ob es einen schweren oder milden Verlauf gab. Nachdem man zu Beginn der Pandemie davon ausging, dass vor allem ältere Menschen auch von den Langzeitfolgen betroffen sind, berichten Mediziner nun immer häufiger davon, dass Long COVID auch bei Jüngeren vermehrt auftritt. Welche Altersgruppe Mediziner besonders ausmachen.

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Long COVID: 20- bis 30-Jährige aktuell vermehrt betroffen

Neue Studien und Erfahrungen von spezialisierten Kliniken, die sich mit der Behandlung von Long COVID befassen, zeigen einen beunruhigenden Trend. Demnach sollen aktuell vermehrt Patienten in der Altersgruppe der 20- und 30-Jährigen von Long COVID betroffen sein. Chefärztin der Median-Klinik, Jördis Frommhold, in Heiligendamm erklärte gegenüber der Deutschen Presseagentur, dass sich die Anfragen nach Reha-Angeboten für Patienten im Alter von 20 bis 30 in der letzten Zeit vermehrt häufen würden.

Aktuell seien sogar zwei 18-Jährige in stationärer Behandlung wegen Long COVID. Man müsse von der Vorstellung Abschied nehmen, dass junge Menschen nicht erkranken können, erklärt Frommhold gegenüber der Nachrichtenagentur. Vor allem die Virusvariante B.1.1.7 aus England würde auch immer mehr Ansteckungen bei Jüngeren bedingen, die dann natürlich auch unter Folge-Erkrankungen wie Long COVID leiden. In der Median-Klinik für Long-COVID sei man daher bereits vorbereitet, auch Jugendliche ab 14 Jahren unter Begleitung eines Erziehungsberechtigten im Reha-Programm mit aufzunehmen. 

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Schwerer Verlauf gleich Long COVID?

Die Annahme, dass ein schwerer Verlauf auch gleich Corona-Langzeitfolgen nach sich ziehe, sei falsch. Auch bei milden Verläufen, wie sie jüngere Patienten oft haben, könne man auch Monate später noch unter Long COVID leiden. Jüngere Patienten leiden bei Long COVID zum Beispiel an Leistungsminderungen, Atembeschwerden und kognitive Einschränkungen, erklärt Chefärztin Jördis Frommhold.

Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrum Bioscientia, warnt gegenüber rtl.de sogar vor einer Multi-Organ-Erkrankung: Wir sehen da anscheinend eine Reaktion des eigenen Immunsystems, was diese Symptome bei Long Covid eben auch bei Jüngeren verursachen. Es gibt bisher keine eigene Therapie. Viele Kliniken, die COVID-Patienten behandeln, bieten dazu auch Sprechstunden an“, so Georg-Christian-Zinn gegenüber RTL.

Long COVID könnte sich bei Jüngeren so vor allen Dingen später auf die Leistungen im Schul- und Arbeitsbereich auswirken, auf die Wahl des Studiums oder den Berufsweg beeinflussen. 

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Long COVID bei jungen Erwachsenen: 7 Prozent entwickeln Langzeitfolgen

SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach äußert sich alarmiert und teilt die Erfahrung, die Chefärztin Jördis Frommhold bei den Reha-Patienten beobachtet. Er twitterte unlängst bezogen auf eine britische Studie, dass demnach rund 7 Prozent der Jugendlichen eine Long-COVID-Erkrankung entwickeln würden, bei den Erwachsenen seien es 14 Prozent.

Angesichts dieser Zahlen ist es demnach umso wichtiger, schnell einen Impfstoff gegen Corona auch für Kinder zu entwickeln. Biontech/Pfizer hat bereits in ersten Studien begonnen, die Wirksamkeit ihres Impfstoffs an Kindern zu testen. 

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Long COVID-Symptome: Auf diese Anzeichen sollten Sie achten

Zu den häufigsten Long COVID-Symptomen zählen unter anderem:

Die Gefahr, an Corona zu erkranken, ist durch die neu aufkommenden Mutationen auch für Kinder und Jugendliche gestiegen. Durch das erhöhte Infektionsrisiko wächst auch die Gefahr bei jüngeren Patienten, an Long COVID zu erkranken – und die haben meist einen langen Weg vor sich, um wieder vollständig zu genesen.

Quellen:

Deutsche Presse-Agentur

Dennis, Andrea et al.: Multi-organ impairment in low-risk individuals with long COVID (medRxiv, 2020)

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