Logik der Schuld – Die Wahrheit über das Prinzip „Selbstvergebung“

Vergebung
Der Weg der Selbstvergebung führt über Wiedergutmachung. Das zeigt eine Studie zu der Frage, wie Schuld und Gewissen des Menschen funktionieren © Fotolia

Das Gefühl von Schuld ist nicht nur eine Frage der inneren Einstellung. Auch der Wille zur Wiedergutmachung spielt eine entscheidende Rolle. US-amerikanische Forscher zeigen in einer aktuellen Studie, dass sich ein Mensch am ehesten selbst vergibt, wenn ihm sein Unrecht verziehen wurde. Die Untersuchung beweist eindrucksvoll: Vergebung kann nicht nur ernsthafte Krankheiten vermeiden, sondern besitzt auch ein wissenschaftlich messbares Schema.

Die Forscher erkannten, dass neben dem Willen der Wiedergutmachung bei der Selbstvergebung auch ein quantitativer Faktor zählt. Denn die beiden groß angelegten Studien der Universität Waco in Texas belegen: Je mehr ein Mensch versucht, etwas wieder gut zu machen, desto mehr wird er auch ein Gefühl der Selbstvergebung empfinden können. Nach Aussagen der Forscher gilt hier das Prinzip: Viel hilft viel.

Doch Entlastung für die eigene Schuld bringt nicht nur der Anflug ehrlicher Reue oder der ambitionierte Versuch aufrichtiger Wiedergutmachung, sondern auch die ausgesprochene Verzeihung der Person, die einst geschädigt oder verletzt worden war. Wenn uns vergeben wird, von den Menschen denen wir Unrecht tun, sehen wir uns schnell wieder vor unserem eigenen moralischen Auge rehabilitiert. Frei nach dem Motto: Trage dir selbst nicht nach, was andere dir bereits nachsehen wollen.

 

Schuld macht krank

Wie sehr ein anhaltendes Gefühl der Schuld krank machen kann, zeigte eine klinische Studie der Universität Manchester. Britische Forscher wiesen mithilfe systematischer Gehirn-Scans nach, dass Schuldgefühle direkt mit der Ausbildung von Depressionen und Angstzuständen zusammenhängen.

Nicht vergebene Schuld setzt demnach auf Dauer eine große Menge an Stresshormonen frei. Diese wiederum führen neben Depressionen zu Bluthochdruck, Tinnitus, chronischen Schmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen und steigern das Infarktrisiko deutlich.

 

Frauen verzeihen sich weniger

Die Forscher zeigen, dass die Frage nach Selbstvergebung auch eine Frage des Geschlechts ist. Männer vergeben sich demnach erheblich schneller als Frauen. Schuld lastet offensichtlich schwerer und ausdauernder auf der weiblichen Seele – was jedoch nichts darüber aussagt, welches Geschlecht mehr Unrecht tut. Die Ausprägung und Auswirkung von Schuld auf unser Gewissen sei viel mehr eine Frage der inneren Einstellung. Wer einen hohen Anspruch an die eigene Moralität besitzt, empfindet sich tendenziell eher für etwas schuldig.

 

Niemand kann vor seinem Gewissen fliehen

Grundsätzlich ist aber für die empfundene Schuld vor allem die Qualität der jeweils begangenen Tat gegen einen anderen Menschen bedeutsam. Nach Aussagen der Forscher haben die Untersuchungen gezeigt, dass wir Menschen nicht nur genau wissen, wann wir Unrecht tun, sondern auch, was wir damit bei anderen Menschen anrichten.

Hamburg, 19. Mai 2014

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