Löst mein Pullover ALS aus?

Redaktion PraxisVITA
Frau mit Pullover
Forscher haben jetzt herausgefunden, dass Formaldehyd – z.B. enthalten in Pullovern und Kosmetikprodukten – das Risiko, an ALS zu erkranken, ums dreifache erhöht © Fotolia

Spätestens seit der Ice-Bucket-Challenge, bei der sich Prominente einen Kübel Eiswasser über den Kopf kippten – ist die Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) den meisten Menschen ein Begriff. Eine Studie wirft jetzt neues Licht auf die Ursache der Krankheit.

Mitarbeiter von Bestattungsunternehmen, bei denen Formaldehyd-Lösungen zur Leichenkonservierung eingesetzt werden, haben ein erhöhtes Risiko, an der Amyotrophen Lateralsklerose – kurz ALS – zu erkranken. Das legt eine neue Studie im Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry nahe.

 

ALS – Das Leid hinter der Ice-Bucket-Challenge

ALS ist eine Erkrankung des Nervensystems. Sogenannte Motoneuronen – Nervenzellen, die für die Muskelbewegung zuständig sind – sterben ab. Das unterbricht die Signalkette von Gehirn, Rückenmark und Muskeln – die Betroffenen können sich nicht mehr bewegen. Warum die Nervenzellen geschädigt werden, ist nicht endgültig geklärt. Es gibt weder eindeutige genetische Faktoren noch eine familiäre Häufung.

 

Studie zur Ursache von ALS

Allerdings stehen einige Umweltfaktoren im Verdacht, die Entwicklung von ALS zu begünstigen. Wissenschaftler untersuchten daher den Zusammenhang zwischen ALS und Formaldehyd. Für die Analyse verwendeten sie Daten aus der National Longitudinal Mortality Study (NLMS), mit fast 1,5 Millionen Erwachsenen als Probanden. „Die Studie ist so wichtig, weil wir leider fast nichts über die Ursachen von ALS wissen, die zu hundert Prozent tödlich ist, innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne", erklärte Autorin Andrea Roberts vom Institut für Sozial- und Verhaltenswissenschaften an der Harvard TH Chan School of Public Health, Boston, Massachusetts gegenüber Medscape.

 

Formaldehyd erhöht das ALS-Risiko

Für die Untersuchung wurden die Teilnehmer zu ihrer aktuellen oder letzten beruflichen Tätigkeit befragt. Die Intensität gegenüber Formaldehyd wurde für jeden Job und jede Branche errechnet. Das Ergebnis: Menschen, die in ihrem Job mit Formaldehyd in Berührung kamen, waren etwa dreimal so häufig von ALS betroffen, wie diejenigen, die dieser Chemikalie nicht ausgesetzt waren.

 

Wo wird Formaldehyd eingesetzt?

Formaldehyd findet in der Industrie häufig Anwendung. Es wird zur Herstellung von Kunst- und Klebstoffen eingesetzt. Auch in der Kosmetik wird diese Eigenschaft genutzt: So landet Formaldehyd in Nagelhärtern, Nagellacken, Haarglättungsmitteln, aber auch in vielen Haut- und Haarpflegeprodukten. Dies belegen immer wieder diverse Untersuchungen der ÖKO-Test-Redaktion. Auch bei der Produktion von Kleidungsstücken ist die giftige Chemikalie im Spiel. Ausgerechnet der Stoff, der Hemden knitterfrei macht, ist Formaldehyd.

Naturkosmetik
Bei Kosmetikprodukten kann man Formaldehyd umgehen, indem man auf Naturkosmetik setzt© Fotolia
 

So schützen Sie sich vor Formaldehyd

  • Bei Kosmetikprodukten kann man Formaldehyd umgehen, indem man auf Naturkosmetik setzt. Bei diesen bauen die Hersteller vor allem auf ätherische Öle und clevere Verpackungen, um die Haltbarkeit der Produkte zu verlängern.
  • Vertrauen Sie zunächst Ihrer Nase und machen Sie die Riechprobe: Intensiver oder stechender Geruch deutet auf viel Chemie hin. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte diese Waren besser nicht kaufen.
  • Waschen Sie neue Kleidung stets vor dem Tragen. Das löst wenigstens einen Teil der Chemikalien aus dem Gewebe.
  • Achten Sie beim Kauf auf Prüfsiegel und Ökolabel – sie garantieren, dass die Kleidung keine Schadstoffe enthält. Am weitesten verbreitet ist „Textiles Vertrauen“, höhere Maßstäbe legt der „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) an. Das anspruchvollste Logo ist „Naturtextil“: Es berücksichtigt neben Umweltfreundlichkeit auch soziale Standards.
  • Große Modeketten wie C&A und H&M bieten Kleidung aus Biobaumwolle an, auch „organic cotton“ oder „bio cotton“ genannt. Sie ist meist nicht teurer als herkömmliche Kleidung. Wichtig: Achten Sie auf die Angabe 100 Prozent!
  • Wenn Siegel fehlen, lohnt ein Blick auf die Pflegehinweise. Tipp: Verzichten Sie möglichst auf Hosen und Shirts mit dem Hinweis „separat waschen“ oder „vor dem Tragen waschen“. Die Farbstoffe dieser Textilien haften laut Umweltorganisation Greenpeace schlecht und können deshalb von der Haut aufgenommen werden. Auch Formulierungen wie „bügelfrei“ oder „knitterarm“ deuten auf Chemikalien in der Kleidung hin.

Hamburg, 14. Juli 2015

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