Lösen Verletzungen Depressionen aus?

Rasmus Cloes
Ein Fußballer hat sich verletzt
Wenn sich ein Sportler verletzt, dann sollte er sich nicht nur um sein körperliches Wohlbefinden kümmern © Fotolia

Eine Studie der Fußballerorganisation FIFPro zeigt, dass bei Profifußballern Verletzungen oft psychische Probleme auslösen. Auch Hobbysportler können daraus etwas Wichtiges lernen.

Die Zahlen zum Leistungsdruck im Profisport sind allgemein schon besorgniserregend: 38 Prozent von 607 befragten Profis berichten von Symptomen wie Depressionen oder Nervosität, 23 Prozent von Schlafproblemen und 9 Prozent von Alkoholmissbrauch. Bei ebenfalls zurzeit nach ihrer Karriere befragten ehemaligen Profis fallen die Zahlen vergleichbar aus – ausgenommen der Alkoholmissbrauch: Bei ihnen ist davon sogar ein Viertel betroffen.

Erhoben hat die Zahlen der Chief Medical Officier der FIFPro Vincent Gouttebarge, Assistenzprofessor für Medizin an der Universität in Amsterdam und ehemaliger Fußballprofi. Ihn beschäftigt besonders ein Ergebnis seiner Studie: Sind Fußballer verletzt, dann erhöht das deutlich ihr Risiko, mentale Probleme zu entwickeln. Allein schon drei Verletzungen während der aktiven Zeit können das Depressionsrisiko vervierfachen.

Experten sind sich einig: In abgeschwächter Form gilt das auch für Freizeitsportler. So stellt für sie eine Verletzung – anders als bei Profis – zwar keine finanzielle Bedrohung dar, sie verändert den Alltag aber erheblich und kann auch bei Freizeitsportlern zu psychischen Problemen führen. Mit diesen 5 Tipps verhindern Sie, dass nach einer körperlichen Verletzung auch Ihre Seele Schaden nimmt.

 

Freunde und Kollegen treffen

Wenn wir mit einer Verletzung zu Hause sitzen, dann sind wir oft plötzlich viele Stunden am Tag alleine. Das kann leicht auf das Gemüt drücken: Zahlreiche Studien belegen, dass Einsamkeit ein häufiger Auslöser von Depressionen ist. Verabreden Sie sich mit Kollegen und erkundigen Sie sich, wie es auf der Arbeit läuft, um nicht komplett den Kontakt zu verlieren. Wenn Sie durch die Verletzung wenig mobil sind, dann laden Sie Freunde zu sich ein. 

 

Kontakt halten

Wenn Sie in einem Team oder in einer Gruppe Sport gemacht haben, dann halten Sie den Kontakt. Gehen Sie beim Training vorbei und schauen Sie sich ein Spiel oder Wettkampf an. Denn auch wenn es im Alltag nicht so deutlich auffällt: Für viele ist das soziale Gefüge einer Trainingsgruppe ebenso wichtig, wie der Sport selbst.

 

Hobbys suchen

Sehen Sie die Krise als Chance: Liegt in Ihrem Regal nicht noch immer das Buch, was sie schon so lange lesen wollten? Hatten Sie nicht schon ewig vor, die Fotos aus dem letzten Sommer einzukleben? Und wie war das noch mit dem Musikinstrument, was sie viel zu selten spielen? Jetzt ist die Zeit, sich damit zu beschäftigen.

 

Suchen Sie sich Erfolgserlebnisse

Freizeitsport bietet viel Raum für Erfolgserlebnisse: Den persönlichen Rekord auf der Laufrunde, den wir brechen, das Siegtor, was wir schießen – auch wenn es nur in der Kreisliga ist – oder die neue Tanzkombination, die wir gelernt haben. Solche Erlebnisse sind wichtig für unser seelisches Wohlbefinden. Wenn wir verletzt sind, müssen wir versuchen, sie uns woanders zu holen. Beim Brettspiel mit Freunden, beim Lösen von Rätseln oder auch beim Computerspielen.

 

Mal anders bewegen

Bewegung ist wichtig für unser seelisches Wohlbefinden. Besonders wer vor einer Verletzung viel Sport gemacht hat, ist an die starke Endorphinausschüttung im Körper gewöhnt, die ein intensives Training auslöst. Teilweise lässt sich das durch die oben beschriebenen Maßnahmen ausgleichen – aber eben nicht komplett. Darum heißt es: So schnell wie möglich wieder aktiv werden. Auch auf Krücken kann man einen Spaziergang machen und besonders Wassersport eignet sich, um sich wieder sanft an Bewegung zu gewöhnen. Besprechen Sie am besten mit ihrem Arzt, welcher Sport sich schon früh wieder eignet und planen Sie mit ihm einen schnellen Wiedereinstieg.

Hamburg, 07. Oktober 2015

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