Lösen Babys Angststörungen aus?

Eine Mutter hält ihr Baby im Arm und schaut nachdenklich
Mütter mit einer sogenannten postpartalen Angsterkrankung werden von ständiger Panik um ihr Baby gequält © Fotolia

Die Geburt ihrer Tochter war der glücklichste Moment im Leben von Gini Wilde (37) aus England – doch leider hielt er nicht lange an. Denn bald wurde sie von einer Panik ergriffen, die sie von nun an monatelang verfolgte. Praxisvita erklärt das Phänomen postpartale Angsterkrankung.

Für fünf Wochen konnte die Britin das Zusammenleben mit der kleinen Scarlet genießen – dann begann ihr Albtraum. Wie die Zeitung DailyMail berichtet, musste Gini operiert werden, weil ein Teil der Plazenta nach Scarlets Geburt in ihrem Körper zurückgeblieben war.

Als sie nach der OP im Bett lag, hatte sie plötzlich das Gefühl, ihre Tochter sei gestorben. „Es spielte sich alles nur in meinem Kopf ab, aber es war die längste Nacht meines Lebens“, erzählt sie DailyMail. Die Panik um ihre Tochter begleitete Gini von diesem Zeitpunkt an für acht Monate. Immer wieder wurde sie von Zwangsvorstellungen gequält, sie selbst oder ihr Mann Richard würden dem Baby etwas antun – es töten oder sexuell missbrauchen. „Wenn ich Scarlet trug, war ich überzeugt, ich würde sie fallenlassen“, erzählt Gini. „Ich stellte mir vor, ich würde ihre Decke über ihren Kopf ziehen und sie ersticken.“

 

Was sind postpartale Angsterkrankungen?

Gini hatte eine sogenannte postpartale Angsterkrankung. Mediziner unterscheiden diese Störung von postpartalen Depressionen, weil hierbei anstatt depressiver Verstimmungen Panik und Zwangsvorstellungen im Vordergrund stehen. Sie äußert sich meist in großer Sorge um das Baby und panischer Angst, dass ihm durch ihr eigenes (mutwilliges) Verschulden oder Fehlverhalten anderer etwas Schlimmes zustößt oder es stirbt. In einigen Fällen führt das zu Zwangshandlungen, wie im Fall von Gini, die ihre eigene Küche nicht mehr betrat aus Angst, sie könne Scarlet mit einem Messer verletzen. Andere Mütter fühlen sich ununterbrochen gezwungen, ihre Wohnung zu reinigen, um Keime von ihrem Baby fernzuhalten.

Mediziner vermuten, dass die hormonelle Umstellung nach der Geburt bei der Entstehung einer postpartalen Angststörung eine wesentliche Rolle spielt. Die Behandlung besteht aus einer Kombination aus Medikamenten (Antidepressiva) und einer Psychotherapie. Eine Anlaufstelle für betroffene Frauen bietet außerdem der Verein Schatten & Licht.

Hamburg, 23. Juni 2015

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