Lispeln: eine häufige Sprechstörung

Redaktion PraxisVITA

Lispeln ist eine Aussprache- oder Artikulationsstörung, bei der die S-Laute und ihre Lautverbindungen wie „ts“ und „ks“ nicht korrekt gebildet werden. Besonders bei Kindern tritt diese Lautbildungsstörung häufig auf. 

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Lispeln tritt bei Kindern häufig auf und kann verschiedene Ursachen haben Foto:  iStock/dragana991
Inhalt
  1. Was ist Lispeln?
  2. Was können die Ursachen für Lispeln sein?
  3. Wann und wie sollte man Lispeln behandeln?
 

Was ist Lispeln?

Lispeln wird auch als Sigmatismus bezeichnet, nach dem griechischen Buchstaben Sigma für "S". Je nach Lage der Zunge beim Sprechen werden verschiedene Formen des Lispelns unterschieden:

  • Sigmatismus addentalis: Die Zunge stößt gegen die Schneidezähne.
  • Sigmatismus interdentalis: Die Zunge rutscht zwischen die Frontzähne und ist dann von außen zu sehen.
  • Sigmatismus lateralis: Die S-Laute werden falsch gebildet, es tritt beim Sprechen Luft zwischen den Backenzähnen aus. Meist sind dann auch die Laute "sch" und "ch" verändert.

Die Lautbildungsstörung des "sch" wird auch als Schetismus, die des "ch" als Chitismus bezeichnet.

 

Was können die Ursachen für Lispeln sein?

Lispelt ein Kind, sollten mögliche körperliche Ursachen geprüft werden. Bei Hörstörungen wie Hochton-Schwerhörigkeit können S-Laute beispielsweise nicht richtig gehört und damit auch nicht korrekt nachgahmt werden. Vorübergehende Hörstörungen, wie bei einer Mittelohrentzündungkönnen Lispeln mitverursachen.

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Darüber hinaus kann die korrekte Aussprache von S-Lauten durch Kiefer- oder Zahnfehlstellungen genau so erschwert werden, wie durch Schäden an Zunge oder Gaumen. Außerdem können Störungen des Mundschlusses, der Ruhelage der Zunge oder des Schluckens zu verschiedenen Sprechstörungen führen.

Am häufigsten sind aber funktionelle Auffälligkeiten, also Lispeln ohne organische Ursachen – dem Kind fällt die präzise Aussprache von S-Lauten schwer. Mitunter haben Kinder Sprechvorbilder mit ähnlichen Aussprachestörungen.

 

Wann und wie sollte man Lispeln behandeln?

Häufig legt sich ein Lispeln bei Kindern nach dem (Front-)Zahnwechsel. Bei leichtem Lispeln, und wenn sonst keine Erkrankungen oder Sprachstörungen vorliegen, kann man daher mit einer Behandlung abwarten, bis die bleibenden Zähne vollständig sind – manche Experten empfehlen trotzdem einen Arztbesuch mit spätestens fünf Jahren.

Sind körperliche Ursachen des Lispelns bekannt oder liegen noch andere Sprechstörungen vor, sollten diese im Vorschulalter behandelt werden. Dazu gehören eine Therapie der zugrunde liegenden Ursache sowie die logopädische (stimmheilkundliche) Behandlung.

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Die Behandlung bei einem Sprachtherapeuten oder Logopäden hängt vom Alter und Entwicklungsstand des Kindes ab und wird individuell geplant. Bei einer solchen Sprachtherapie wird die korrekte Lautbildung trainiert: bei jüngeren Kindern spielerisch, bei älteren Kindern wird der Lautbildungsfehler bewusst gemacht und das korrekte Lautmuster erarbeitet und trainiert.

Eltern sollten darauf achten, sauber zu artikulieren und so ein gutes Sprechvorbild sein. Bei Fehlern sollten sie das Kind allerdings nicht kritisieren. Besser ist die richtige Wiederholung falsch gesprochener Wörter. Empfehlenswert ist auch, die Kinder zum Sprechen zu animieren, und mit ihnen Sing-, Sprech- und Rollenspiele zu machen.

Quellen:

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