Liraglutid – das beste Mittel zum Abnehmen?

Carolin Banser Medizinredakteurin

Liraglutid ist seit dem Jahr 2009 als Medikament zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 bei Erwachsenen zugelassen. Das Antidiabetikum wird zusätzlich eingesetzt, wenn orale Antidiabetika (z.B. Metformin und Sulfonylharnstoffe) keine ausreichende Blutzuckersenkung erreichen können. Außerdem ist Liraglutid für die Therapie von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) freigegeben.

Inhalt
  1. Wofür wird Liraglutid eingesetzt?
  2. Wie wirkt Liraglutid?
  3. Gibt es Studien, die die Wirksamkeit von Liraglutid beweisen?
  4. Liraglutid: Anwendung und Dosierung
  5. Was sind die häufigsten Nebenwirkungen bei der Einnahme von Liraglutid?
  6. Liraglutid: Besonderheiten
Liraglutid-Anwendungsgebiete
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Übergewicht

Indikation

Liraglutid wird zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 bei Erwachsenen angewendet, 
  • als Monotherapie, wenn Metformin oder ein Sulfonylharnstoff (wie z. B. Glimepirid oder Glibenclamid) aufgrund einer Unverträglichkeit ungeeignet sind oder trotz Anwendung der höchsten verträglichen Dosis nicht ausreichen, um Ihren Blutzuckerspiegel ausreichend zu senken.
 
  • wenn Metformin in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff (wie z. B. Glimepirid oder Glibenclamid) oder Metformin in Kombination mit einem Glitazon (wie z. B. Rosiglitazon oder Pioglitazon) nicht ausreicht, um Ihren Blutzuckerspiegel ausreichend zu senken.
 
  • um Diabetes vorzubeugen: Bei Patienten mit Adipositas (BMI > 30 kg/m2) und einem Diabetes-Risiko verzögert Liraglutid die Entwicklung der Zuckerkrankheit.
 
 

Wofür wird Liraglutid eingesetzt?

Liraglutid wurde zur Therapie von Diabetes-Typ-2-Patienten entwickelt. Klinische Tests haben jedoch bewiesen, dass Gewichtsabnahme zu einem der häufigsten Nebenwirkungen des Medikaments gehört. Damit kann Liraglutid unterstützend beim Abnehmen eingenommen werden.

Liraglutid-Injektion
Das Antidiabetikum Liraglutid dient der Behandlung der Zuckerkrankheit und wird mittels eines Fertig-Pens unter die Haut injiziert © istock/agrobacter
Welche Zwecke erfüllt Liraglutid?
  • Senkung des Blutzuckers
  • Vorbeugung von Unterzuckerungen
  • Verzögerung der Magenentleerung
  • Appetithemmung
  • Gewichtsabnahme
 

Wie wirkt Liraglutid?

Bei Diabetes

Liraglutid senkt den Blutzucker, indem es die körpereigene Bildung und Freisetzung von Insulin anregt. Da nur in den Vor- oder frühen Stadien des Typ-2-Diabetes überhaupt noch Insulin gebildet werden kann, ist Liraglutid nur zur Behandlung der Typ-2-Zuckerkrankheit wirksam. In Kombination mit anderen Diabetika ist der Arzneistoff dazu in der Lage, den Hämoglobinwert (HbA1c – wird verwendet, um den durchschnittlichen Zuckergehalt im Blut von Diabetikern zu ermitteln) um bis zu 1,5 Prozent zu senken und die Entwicklung eines Diabetes mellitus bei Risikopatienten zu verhindern oder zu verlangsamen. Beim Typ-1-Diabetes ist Liraglutid wirkungslos.

Blutzuckermessung
Liraglutid kann bei Typ-2-Diabetikern den Blutzucker senken © istock/vgajic

Bei Übergewicht

Liraglutid ahmt die Wirkung des Darmhormons GLP-1 nach (Glucagon-like Peptid 1), das den Glukosestoffwechsel steuert. GLP-1 fördert die Abgabe von Insulin und hemmt gleichzeitig die Freisetzung von Glukagon. Dieses Hormon wirkt wie ein Gegenspieler von Insulin, indem es die Zuckerwerte in den Gefäßen erhöht. Außerdem verzögert GLP-1 die Magenentleerung, fördert das Sättigungsgefühl und hemmt den Appetit. Liraglutid kann sowohl das Körpergewicht als auch die Masse des Körperfettes vermindern, da der Wirkstoff das Hungergefühl stillt und für eine geringere Energieaufnahme sorgt.

Damit verbessert Liraglutid die mit Übergewicht assoziierten Risiken wie z.B. Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Gibt es Studien, die die Wirksamkeit von Liraglutid beweisen?

Bei Diabetes

Zahlreiche Studien, u.a. das LEAD-Studienprogramm mit knapp 4.500 Diabetes-Patienten, haben die gute Wirksamkeit und die Sicherheit von Liraglutid bestätigt.

Bei Übergewicht

Studienergebnisse stimmen optimistisch: An der sogenannten Scale-Studie nahmen 2.500 Probanden teil. Die Teilnehmer zeigten nach 56 Wochen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 9,2 Prozent. 63,5 Prozent der Patienten verloren mindestens 5 Prozent und 32,8 Prozent mehr als 10 Prozent ihres Ausgangsgewichts.

Übergewicht
Liraglutid kann auch bei übergewichtigen Erwachsenen ohne Diabetes eingesetzt werden – als unterstützende Maßnahme zum Abnehmen © istock/andriano_cz
 

Liraglutid: Anwendung und Dosierung

Liraglutid wird ein Mal täglich mit Hilfe eines Fertig-Pens (Fertigspritze) zu 0,6 mg injiziert. Die Dosierung kann (nach mindestens 1 Woche) auf 1,2 mg/d erhöht werden.

 

Was sind die häufigsten Nebenwirkungen bei der Einnahme von Liraglutid?

HäufigkeitNebenwirkungen
sehr häufigDurchfall, Übelkeit
häufigallergische Reaktionen, ein beschleunigter Herzschlag, Erbrechen, Kopfschmerzen, Beschwerden mit der Gallenblase, Stimmungsschwankungen, Depressionen
gelegentlichDehydrierung, Juckreiz, Nesselsucht, Nierenprobleme
seltenDarmverschluss
sehr häufigBauchspeicheldrüsenentzündung
 

Liraglutid: Besonderheiten

Liraglutid sollten nicht eingenommen werden bei:
  • Diabetes Typ 1 oder diabetischer Ketoazidose
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Leberfunktionsstörungen
  • Niereninsuffizienz

Das Medikament ist außerdem kontraindiziert für:

  • Kinder
  • Schwangere
  • Stillende

Auch bei diesen Erkrankungen darf Liraglutid nur nach vorheriger Absprache mit dem Arzt eingenommen werden:

  • Bei leichter bis mittelschwerer Herzmuskelschwäche
  • Bei entzündlicher Darmerkrankung
  • Bei Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Bei Schilddrüsenerkrankungen

Quelle:
Wirkstoff Aktuell - Eine Information der KBV im Rahmen des § 73 (8) SGB V in Zusammenarbeit mit der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (Ausgabe 1/2018)
http://www.kbv.de/media/sp/Wirkstoff_AKTUELL_Liraglutid.pdf [Abrufdatum 25.07.2018]

Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.