Lipödem und Ernährung: Lebensmittel gegen die gestörte Fettverteilung

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Die Lipödem-Ernährung fußt auf zwei Säulen: Zum einen gibt es für Menschen mit einem Lipödem, also einer Fettverteilungsstörung ausgearbeitete Pläne, um Übergewicht zu reduzieren. Zum anderen können durch bestimmte LebensmittelEntzündungsprozesse und damit die Beschwerden verbessert werden. 

Leidet man an einem Lipödem kann die Ernährung zwar keine Heilung bringen, da die Ursachen bis heute unklar sind. Mit der richtigen Zusammenstellung an Lebensmitteln ist es jedoch möglich, die Beschwerden zu lindern. Eine wichtige Maßnahme besteht darin, Übergewicht zu verhindern beziehungsweise abzubauen. 

Was ist ein Lipödem?

Bei einem Lipödem ist das sogenannte Unterhautfettgewebe krankhaft vermehrt. Besonders häufig sind symmetrische Fettablagerungen an den Beinen, seltener an den Armen. An der chronischen Form des Lipödems erkranken fast ausschließlich Frauen, häufig nach Hormon-Veränderungen wie der Pubertät oder einer Schwangerschaft.

 

Lipödem: Durch Ernährung Gewicht abbauen und halten

Ein großer Teil der Lipödem-Patienten hat Übergewicht oder Adipositas, also einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30. Auch wenn kein ursächlicher Zusammenhang besteht, ist das hohe Gewicht für die Betroffenen ein Problem. Denn es verstärkt die Schwellungen (Ödeme) an Armen und Beinen, die den Patienten große Probleme bereiten. In diesen Fällen gehört es bei einem Lipödem zur Therapie, die Ernährung umzustellen. Normalgewichtige sollten darauf achten, ihr Gewicht zu halten. Zwei Konzepte stehen im Vordergrund: Die Niedrig-glykämische und die ketogene Protein-optimierte Ernährung.

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Niedrig-glykämische Ernährung bei Lipödem

Der sogenannte Glykämische Index (GI) sagt aus, wie schnell der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr eines Lebensmittels in die Höhe schnellt. Je höher er ist, desto ungesünder ist das Produkt. Denn ein hoher Glykämischer Wert fördert die Fettbildung und ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus Typ 2.

Bei einem Lipödem sollten Lebensmittel mit einem hohen Glykämischen Wert möglichst selten auf den Tisch kommen. Dazu gehören unter anderem Pommes, Schokolade, Limonade, Cornflakes, Croissants, Gnocchi und Chips. Gute Lipödem-Lebensmittel haben einen niedrigen GI, etwa:

  • Gemüse
  • Vollkornbrot
  • Nüsse und Samen
  • Joghurt, Käse
  • Bitterschokolade mit einem Kakaoanteil von über 70 Prozent

Ketogene Protein-optimierte Ernährung bei Lipödem

Es handelt sich hierbei um eine besondere Form der kohlenhydratarmen Ernährung. Das Prinzip des Abnehmens ist das gleiche wie bei der bekannten Low-Carb-Diät: Wenn dem Körper Kohlenhydrate für seinen Energiebedarf nicht zur Verfügung stehen, baut er Fett ab. Bei der ketogenen Diät wird jedoch zum einen der Proteinanteil erhöht und individuell auf die Betroffenen abgestimmt, damit der Körper keine Muskelmasse abbaut. Zum anderen wird nach der Abnehm-Phase die Menge an Kohlenhydraten wieder erhöht, sodass diese Form der Lipödem-Ernährung auch auf Dauer umsetzbar ist. 

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Welche Lebensmittel können Lipödem-Beschwerden lindern?

Unabhängig von der Gewichtskontrolle gibt es eine Reihe von Inhaltsstoffen in Lebensmitteln, die einen positiven Effekt auf die Beschwerden haben können. Das gilt vor allem für Stoffe mit antientzündlicher Wirkung, da Entzündungsprozesse im Körper beim Lipödem eine Rolle spielen:

  • Omega-3-Fettsäuren: Ihre entzündungshemmende Wirkung ist wissenschaftlich belegt. Sie kommen zum Beispiel in Olivenöl vor sowie in fettem Fisch wie Lachs und Hering. 
  • Linolensäure: Sie hilft ebenfalls gegen Entzündungen und kann unter anderem über Leinöl und Rapsöl aufgenommen werden sowie über Nüsse und Samen.
  • Antioxidantien: Dabei sind in erster Linie die Vitamine A, C, E gemeint sowie die Mineralstoffe Selen und Zink. Die Zufuhr lässt sich durch eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, Samen, Käse und pflanzlichen Ölen sichern.

Eine gute Ergänzung, vor allem bei Übergewicht sind Mittelkettige Triglyceride (MCT). Diese mittelkettigen Fettsäuren werden vom Körper anders verstoffwechselt als andere Fette, weswegen sie das Abnehmen unterstützen können. Verwendet werden sie vor allem für Brat- und Streichfette, etwa Kokosfett zum Braten.

Die Umstellung auf eine spezielle Lipödem-Ernährung sollte unter fachmännischer Anleitung erfolgen und schrittweise vorgenommen werden, damit Rückfälle vermieden werden und sich langfristige Erfolge einstellen können.

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Quellen:
Ernährung bei Lipödem, in: www.lipoedem-hilfe-ev.de
Therapie des Lipödems mit Ernährungsbegleitkonzept, in: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention
S1-Leitlinie Lipödem, in: Arbeitsgemeinschaft der Medizinischen Fachgesellschaften
Ernährungstherapie bei Lipödem und Adipositas – Ergebnisse eines leitliniengerechten Therapiekonzepts, in: Fachzeitschrift „Der niedergelassene Arzt“
Lipödem, in: Deutsche Gesellschaft für Phlebologie

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