Liebling, stell doch mal den Fernseher lauter!

Ältere Frau trägt Hörgerät
Heute muss keiner mehr mit einer Schwerhörigkeit leben. Hörgeräte oder Implantate helfen Betroffenen, wieder gut zu hören © shutterstock

14 Millionen Deutsche sind schwerhörig. Viele wissen es nicht einmal. Doch Ihnen kann mit bewährten Therapien geholfen werden. So bekommen Sie weiterhin alles mit.

Erst fiel es kaum auf. Manchmal fragte Helmut R. (65) zwar nach, wenn sich die ganze Familie am Kaffeetisch unterhielt: "Wie bitte, was hast du gesagt?" Aber irgendwann bemerkte seine Frau, dass er immer öfter nicht richtig zuzuhören schien und Fragen falsch beantwortete. Als er sie dann noch wiederholt bat, den Fernseher lauter zu stellen, drängte sie ihren Mann: Lass doch mal deine Ohren untersuchen!

 

Diagnose Schwerhörigkeit

Diagnose: Schwerhörigkeit! Davon sind in Deutschland rund 14 Millionen Menschen betroffen. Vor allem Ältere haben im wahrsten Sinne des Wortes oft das Gefühl: Ich hör nicht recht! Doch inzwischen werden auch immer mehr junge Leute schwerhörig. Schuld ist die Lärmbelastung durch laute Musik in der Disco, aus dem Kopfhörer oder durch Maschinen am Arbeitsplatz. Außerdem können Entzündungen, ein Hörsturz oder ein Tumor das Gehör beeinträchtigen.

Viele ahnen gar nichts von ihrem Problem, andere scheuen den Gang zum Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Angst vor der Diagnose. Dabei schränkt Schwerhörigkeit die Lebensqualität stark ein. Wer nicht mehr mitreden kann, weil vieles an ihm vorbeigeht, kann Probleme in der Partnerschaft und im Beruf bekommen.

 

Zwei Formen von Schwerhörigkeit

Es gibt zwei Formen von Schwerhörigkeit: Behindern Störungen oder Erkrankungen im Außen- oder Mittelohr die Weiterleitung der Schallwellen, hören Betroffene hohe und tiefe Töne erst, wenn sie laut genug sind. Sie können Gesprächen aber gut folgen. Medikamente oder eine Operation, bei der zum Beispiel ein Gehörknöchelchen ersetzt wird, können das Hörvermögen dann meist wieder herstellen.

Ist dagegen das Hörorgan mit den Haarzellen im Ohr bleibend geschädigt, kommt es zur Alters- und Lärmschwerhörigkeit. Hintergrundgeräusche werden als störend empfunden, Sprache wird immer schlechter verstanden. Hier helfen moderne Hörgeräte. Sie sitzen entweder hinter dem Ohr und sind durch einen kleinen Schlauch mit einem Gerät im Gehörgang verbunden. Oder sie verschwinden fast unsichtbar in der Ohrmuschel oder im Gehörgang.

 

Heute kann jeder etwas gegen Schwerhörigkeit tun

Kommt der Betroffene mit dem Hörgerät nicht zurecht, zum Beispiel wegen wiederholter Entzündungen, oder ist die Schwerhörigkeit bereits fortgeschritten, können die Geräte teilweise oder vollständig implantiert werden. Bei der Soundbridge (Klangbrücke) bleibt der Gehörgang offen. Auf der Kopfhaut sitzt ein runder Prozessor mit Mikrofon und Elektronik, der Signale an das implantierte Teilstück überträgt.

Bei stark Hörgeschädigten setzen Ärzte auf das Cochlea-Implantat (CI). Es übernimmt im Ohr die ausgefallene Funktion der Hörschnecke (lat.: Cochlea).

Heute muss eigentlich kaum jemand mehr mit einer Schwerhörigkeit leben", sagt Professor Dr. Thomas Lenarz von der HNO-Klinik und dem Hörzentrum Hannover (HZH), dem weltweit größten CI-Zentrum. Hier wurde Anfang des Jahres auch das neue Mittelohr-Implantat, der "Direct Acoustic Cochlea Simulator" (DACS), vorgestellt. Es hilft Patienten, die für ein Cochlea-Implantat noch zu gut hören, für die es andererseits aber kein geeignetes Hörgerät gibt. Zudem arbeiten Forscher daran, schon bald defekte Haarzellen im Innenohr durch Medikamente wieder funktionstüchtig zu machen.

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