Lichtschwert gegen Nervenschmerzen

Verena Elson
Im Kampf gegen Nervenschmerzen setzen italienische Forscher auf die "Waffe" Licht
Im Kampf gegen Nervenschmerzen setzen italienische Forscher auf die "Waffe" Licht © IStock/BrendanHunter

Nervenschmerzen können für Betroffene extrem belastend sein – doch außer einer symptomatischen Behandlung mit Schmerzmitteln gibt es bisher keine Therapiemöglichkeiten. Das könnte sich in Zukunft ändern: Italienische Forscher sind bei der Behandlung von Nervenschmerzen einen Schritt weitergekommen.

Wissenschaftler um Paul Heppenstall am European Molecular Biology Laboratory in Rom suchten nach einer Methode, Nervenschmerzen dort auszumerzen, wo sie entstehen. Dazu identifizierten sie bei an Nervenschmerzen leidenden Mäusen eine Untergruppe von Nervenzellen, die mit speziellen Rezeptoren namens Tyrosin-Kinase B (TrkB) ausgestattet sind – diese Rezeptoren verursachen eine Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzen. 

 

Nerven „blenden“ und von der Oberfläche verscheuchen

Um die „schuldigen“ Zellen auszuschalten, entwickelten die Forscher eine Substanz, die speziell an TrkB-Rezeptoren bindet und die schmerzverursachenden Nervenzellen lichtempfindlich macht – diese spritzten sie unter die Haut der Tiere. Anschließend bestrahlten sie die Tiere mit Nahinfrarotlicht – mit dem Ergebnis, dass sich die Nervenenden der zuvor lichtempfindlich gemachten Nerven von der Oberfläche der Haut zurückzogen und bei den Tieren weniger Schmerzen verursachten.

Tatsächlich zeigten die behandelten Mäuse ein verändertes Verhalten: Hatten sie zuvor schon bei einer leichten Berührung die Pfote zurückgezogen, verhielten sie sich danach weniger vorsichtig und zeigten die gleichen Reflexe wie gesunde Tiere. Der schützende Effekt hielt für einige Wochen an.

 

Technik zielt speziell auf betroffene Nervenzellen

„Das Gute an unserer Technik ist, dass wir speziell die kleine Untergruppe von Neuronen ansteuern können, die Nervenschmerzen auslösen“, so Studienleiter Heppenstall. „Unschuldige“ Nervenzellen werden bei dem Verfahren nicht beschädigt.

Da die Studie mit Mäusen durchgeführt wurde, lassen sich die Ergebnisse womöglich nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Die Wirksamkeit der Methode bei menschlichen Patienten müssen weitere Studien belegen. Um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, analysierten die italienischen Forscher menschliche Haut und stellten fest, dass die betroffenen Nervenzellen in ihrer Struktur denen der Nagetiere ähneln – für die Studienautoren ein Anlass für Hoffnung auf die Einführung einer wirksamen Therapie gegen Nervenschmerzen in einigen Jahren.

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