Levothyroxin bei Schilddrüsenunterfunktion

Dr. med. Dierk Heimann Facharzt für Allgemeinmedizin

Meine Patientin fühlt sich oft erschöpft, sie hat zugenommen und auch Haut, Nägel und Haare haben sich verändert. Ein Klassiker. Als Jugendliche hatte sie eine Entzündung der Schilddrüse. Jetzt deuten ihre Laborwerte auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin. Auch das Labor zeigt: Sie braucht dringend Schilddrüsenhormone. Der Endokrinologe bestätigt das.

Inhalt
  1. Langsam beginnen
  2. Wirkung setzt nicht sofort ein
  3. Was bei der Einnahme zu beachten ist
  4. Herausforderung: Schichtarbeit
 

Langsam beginnen

Die Einstellung auf ein Schilddrüsenhormon sollte immer langsam und vorsichtig erfolgen. Eine optimale Ziel-Dosis gibt es leider nicht, jede Therapie ist individuell. Zudem kann sie im Verlauf schwanken. Sie richtet sich dabei nach den Laborwerten und danach, wie es den Betroffenen geht.

 

Wirkung setzt nicht sofort ein

Ich setzte auf den Wirkstoff Levothyroxin (T4). Er ist bei richtiger Dosierung sehr gut verträglich und hat sehr wenige Nebenwirkungen. Das Levothyroxin wird im Dünndarm in den Organismus aufgenommen.

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Jedoch dauert es einige Tage, bis die Wirkung eintritt. Einer der Gründe: Der Körper wandelt das als Medikament zugeführte T4 in das wirksame T3 um. Nur das wirkt – und der Prozess dauert ein wenig.

 

Was bei der Einnahme zu beachten ist

Das Levothyroxin sollte etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück auf nüchternen Magen mit etwas Wasser eingenommen werden, dann wirkt es am besten. Aber Achtung: Wer gleichzeitig das Abnehmmedikament Orlistat einnimmt, sollte bitte den Arzt informieren – beide Medikamente sollten zu unterschiedlichen Zeiten eingenommen werden!

Diabetes-Medikamente wirken oft schwächer, wenn gleichzeitig Levothyroxin gegeben wird. Bei Blutverdünnern passiert das Gegenteil: Sie entfalten mehr Wirkung, unerwünschte Blutungen können auftreten. Das muss der Arzt abwägen!

 

Herausforderung: Schichtarbeit

Meine Patientin arbeitet in Wechselschichten und nimmt ihr Medikament daher immer zu unterschiedlichen Zeiten ein. Sie fühlt sich oft müder und unkonzentrierter als ihre Kollegen. Daher überlege ich zusammen mit dem Endokrinologen, ihr eine sehr kleine Dosis des sofort wirksamen T3 kurz vor einer Schicht zusätzlich zu verordnen. Damit sollte es ihr besser gehen.

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