Leukämie: Westerwelle bricht erstmals sein Schweigen

Guido Westerwelle
Guido Westerwelle kehrt nach seiner Leukämie-Erkrankung ins öffentliche Leben zurück © Corbis

Im Juni 2014 war bei ihm Leukämie diagnostiziert worden. Er verschwand komplett aus der Öffentlichkeit. Jetzt spricht er erstmals über seine schwere Erkrankung.

Guido Westerwelle hat zwei Leben: Eines vor dem 17. Juni 2014 und eines danach. An diesem Tag erhielt er seine Krebs-Diagnose. „Völlig unvorbereitet“ und „ohne “Therapie haben ihn schwer gezeichnet. Das zeigen aktuelle Fotos des ehemaligen Außenministers. Die schwere Zeit hat er jetzt in einem Buch verarbeitet. „Zwischen zwei Leben. Von Liebe, Tod und Zuversicht“, heißt es. Geschrieben hat er es zusammen mit dem ehemaligen Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann. Am 10. November erscheint es im Handel.

 

Im Sommer zeigte sich Westerwelle erstmals wieder in der Öffentlichkeit

Wie die Zeitung BILD berichtet, geht es dem Ex-Außenminister Guido Westerwelle (53) rund ein Jahr nach seiner Leukämie-Diagnose deutlich besser. Dem Bericht zufolge besuchte er am Sonntag gemeinsam mit Ehemann Michael Mronz eine Pferdesportveranstaltung in Aachen, am Vorabend wurde er auf einer Gala der Deutschen Bank gesichtet. Der Zeitung gegenüber habe er sich zuversichtlich geäußert, was seine Genesung angeht.

 

Sommer 2014 - Leukämie-Diagnose bei Guido Westerwelle

Der ehemalige Vizekanzler und Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat Leukämie – das teilte der Leiter des Büros der Westerwelle Foundation am 20. Juni 2014 auf der Facebook-Seite des Politikers mit.

Westerwelle befindet sich in stationärer medizinischer Behandlung. Ziel sei seine vollständige Genesung von der Krebserkrankung, erklärte der Büroleiter der Westerwelle Foundation, Alexander Vogel. Der FDP-Politiker Westerwelle war von 2009 bis 2013 Außenminister der schwarz-gelben Koalition.

 

Westerwelle bei Günter Jauch

Das Sprechen fällt ihm schwer, seine Augenlieder sind stark gerötet. Westerwelle ist von der Krankheit, die sein Leben bedrohte, stark gezeichnet. Zwar hat er das Schlimmste überstanden, doch kann er nicht ganz verbergen, dass ihn der Kampf zurück ins Leben immer noch viel Kraft kostet. Chemotherapie, das unerträgliche Warten auf einen passenden Knochenmark-Spender, die Transplantation – ein ständiges Auf und Ab aus Hoffnung und Verzweiflung! Trotzdem hat er nie aufgegeben. „Mir ist so viel Mut zugesprochen worden von anderen Erkrankten, von Angehörigen, von wildfremden Menschen auf der Straße. Das gibt Lebenskraft“, erzählt er im TV-Interview mit Günther Jauch (59). Trotzdem glaubt er, dass er es ohne eine ganz bestimmte Person nicht überlebt hätte. „Es gab einen Moment, in dem ich dachte, dass ich jetzt wirklich sterbe. Und wenn dann jemand bei Ihnen ist, der Sie auffängt …“, erzählt er. „Ohne meinen Mann Michael Mronz, glaube ich, hätte ich es nicht gepackt.“ Für ihn und ihre gemeinsame Zukunft will er nun wieder ganz gesund werden. „Denn ich will nicht nur überleben, sondern leben!“

 

Was passiert bei einer Leukämie?

Bei einer Leukämie funktioniert das Blutbildungssystem des Körpers nicht mehr richtig. Die Krankheit beginnt im Knochenmark, das die Hohlräume der Knochen füllt. Dort reifen rote und weiße Blutkörperchen aus sogenannten Stammzellen heran. Bei einer Leukämie läuft dieser Prozess falsch und es entwickeln sich zu viele weiße und zu wenig rote Blutkörperchen. Der Überschuss an weißen Blutkörperchen stört die Blutbildung und führt zu Blutarmut, Infektionsanfälligkeit und einer erhöhten Blutungsneigung.

 

So funktioniert die Knochenmarktransplantation

Im Herbst 2014 hatte Guido Westerwelle eine Knochenmarktransplantation bekommen. Bei dieser Therapiemethode wird das komplette Blutbildungssystem „ausgetauscht“. Dazu bekommen die Betroffenen zunächst eine Chemotherapie mit dem Ziel, das Knochenmark vollständig zu zerstören. Anschließend werden Blutstammzellen eines geeigneten Spenders transplantiert, die sich in den Knochenmarkhöhlen ansiedeln und bei einer erfolgreichen Behandlung mit der Bildung neuen, gesunden Blutes beginnen.

 

Leukämie – ab wann gelten Betroffene als geheilt?

Dass Guido Westerwelle nach seiner Leukämie-Erkrankung ins öffentliche Leben zurückkehrt, bedeutet nicht, dass er vollständig geheilt ist – denn es besteht weiter das Risiko eines Rückfalls. Leukämie-Patienten gelten erst nach fünf Jahren ohne Rückfall als geheilt.

Hamburg, 6. November 2015

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