Letzte Rettung Dialyse – Lupus brachte die Nieren zum Versagen

Die Autoimmunkrankheit Lupus löste bei Natalie Baumann Nierenversagen aus.
Die Autoimmunkrankheit Lupus löste bei Natalie Baumann Nierenversagen aus. Trotz ihrer Krankheit ist sie heute wieder eine aktive Frau © Fotolia

Eine chronische Krankheit führte bei Natalie Baumann zu Nierenversagen. Trotzdem ist sie in ihrem Alltag kaum eingeschränkt – dank einer ganz besonderen Form der Blutwäsche.

Natalie Baumann war 13, als sie ihre Diagnose erfuhr: Systemischer Lupus Erythematodes (SLE). Ein komplizierter Name für eine chronische Erkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen das körpereigene Bindegewebe richtet.

"Bei mir begann es mit Gelenkschmerzen an Händen, Füßen und Ellbogen", erinnert sich die heute 45-jährige Hamburgerin. "Weil meine ältere Schwester Lupus hat, wurde ich ebenfalls darauf getestet. Das Ergebnis war positiv." Natalie Baumann nahm entzündungshemmende Medikamente. Sie konnte zur Schule gehen und eine Ausbildung als Zahnarzthelferin beginnen. Regelmäßig ließ sie beim Arzt Blut und Urin untersuchen.

 

Plötzlich arbeiteten die Nieren nicht mehr

"Meine Laborwerte wurden plötzlich sehr schlecht", erzählt sie. "Es schien, als hätte der Lupus meine Nieren befallen." Weitere Untersuchungen bestätigten den Verdacht. Natalie Baumanns Nieren funktionierten nur noch eingeschränkt. Um Wassereinlagerungen im Gewebe zu vermeiden, musste die junge Frau entwässernde Medikamente einnehmen. Bald half auch das nicht mehr. "Trotz Tabletten schwollen meine Beine an", beschreibt Natalie Baumann. "Meine Nierenwerte waren so katastrophal, dass mein Körper zu vergiften drohte. Deshalb riet mir mein Arzt dringend zur Dialyse."

Sie entschied sich zunächst für die herkömmliche Hämodialyse. Dabei wird das Blut mit Hilfe künstlicher Filtermembranen außerhalb des Körpers von schädlichen Stoffen gereinigt. "Ich stellte es mir leicht vor, dreimal wöchentlich ans Dialysegerät angeschlossen zu werden", sagt sie. "In Wirklichkeit ist es sehr anstrengend, fünf Stunden lang fast unbeweglich da zu liegen. Außerdem hatte ich Kreislaufprobleme, weil das angesammelte Wasser auf einen Schlag aus dem Körper geleitet wurde."

 

Sie kann sogar voll berufstätig sein

Daher wechselte sie zur Peritonealdialyse (PD). Hierbei nutzt man das Bauchfell (Peritoneum) als körpereigene Filtermembran. Der Hamburger Nierenfacharzt Dr. Kai Toussaint erklärt: "Über einen in die Bauchdecke eingepflanzten Schlauch lässt der Patient viermal täglich eine Zuckerlösung in die Bauchhöhle fließen. Darin sammeln sich Giftstoffe, die anschließend wieder aus der Bauchhöhle abgelassen werden."

Wenn Nieren versagen

Hauptaufgaben der Nieren sind die Regulierung des körpereigenen Wasserhaushalts, die Blutbildung sowie das Ausscheiden von Giftstoffen und Stoffwechsel-Endprodukten. Ursachen für ein Nierenversagen können Diabetes, Bluthochdruck, Autoimmunerkrankungen, Giftstoffe oder die unsachgemäße Einnahme von Medikamenten sein. Wird eine Dialyse notwendig, stehen Hämodialyse oder Peritonealdialyse (PD) zur Wahl. Medizinisch gelten beide Verfahren als gleichwertig. Größter Vorteil der PD: Der Patient kann sie selbstständig durchführen.

Bei der etwa zwanzigminütigen Prozedur kommt es auf peinlichste Hygiene an. Natalie Baumann muss einen Mundschutz tragen, die Hände desinfizieren und Latexhandschuhe anlegen. Sie muss über ihr Gewicht und ihren Blutdruck Buch führen. Und sie hat keine dialysefreien Tage mehr. Trotzdem ist sie sehr zufrieden. "Ich habe die Sitzungen so in meinen Tagesablauf integriert, dass ich voll berufstätig sein kann", sagt sie. "Ich dialysiere vor der Arbeit, in der Mittagspause, nach Feierabend und vor dem Schlafengehen. Man gewöhnt sich daran wie ans Zähneputzen. Weil die Bauchfelldialyse für den Organismus natürlicher und schonender ist als die Hämodialyse, geht es auch meinem Kreislauf gut. Ich führe ein fast normales Leben."

 

Vier Frage an den Nierenfacharzt Dr. Kai Toussaint

Wie macht sich Nierenversagen bemerkbar?

Dr. Toussaint: Es ist meist schmerzlos. Betroffene berichten häufig nur von Antriebsarmut und Müdigkeit. Daher sind Vorsorgeuntersuchungen wichtig, vor allem bei Diabetikern.

Wie wird es behandelt?

Dr. Toussaint: Im Frühstadium lässt sich durch Tabletten oder Vermeiden schädlicher Stoffe der Verlauf günstig beeinflussen. Eine Dialyse wird notwendig, wenn die Niere unter zehn bis 15 Prozent arbeitet.

Für wen eignet sich die PD?

Dr. Toussaint: Für jeden, der seine Behandlung selbstständig durchführen und unabhängig bleiben möchte. Allerdings bieten nur wenige spezialisierte Zentren die PD an.

Ist die PD ein Leben lang durchführbar?

Dr. Toussaint: Nein, denn die Filterfunktion des Bauchfells lässt nach etwa fünf bis sechs Jahren nach. Idealerweise steht dann eine Spenderniere zur Verfügung, sodass die Hämodialyse vermieden werden kann.

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