Leonid Stadnik: der ehemals größte Mann der Welt

Rasmus Cloes Medizinredakteur
Leonid Stadnik ist der größte Mann der Welt
Er wünschte sich nichts sehnlicher, als ein normales Leben zu führen: Leonid Stadnik, der ehemals größte Mann der Welt, litt unter seiner Körpergröße © Corbis

Er hatte Hände, so groß wie Bratpfannen. Er schlief in zwei hintereinander gestellten Betten, wog so viel wie ein Motorrad. Mit 2,57 Körpergröße war Leonid Stadnik der größte Mann der Welt. Doch all das konnte ihn nicht schützen: Mit nur 44 Jahren starb er an einem Schlaganfall.

In Häusern musste er gebückt gehen. Glühbirnen wechselte er bequem im Sitzen aus. Er passte in kein Auto, konnte sich nur in offenen Pferdekutschen fortbewegen. Er sagte: „Meine Größe ist eine Strafe Gottes." Und er sagte: „Mit dem Bus zu fahren, ist für mich so, als wenn ein normal großer Mensch in den Kofferraum eines Autos kriechen muss."

Leonid Stadnik aus der Ukraine war kein normal großer Mensch. Er war ein Riese, wie aus dem Märchen. Aber dies ist kein Märchen, sondern die Wirklichkeit: Leonid Stadnik war der größte Mann der Welt, neben ihm wirkte jeder Durchschnitts-Europäer wie ein Zwerg. Leonid Stadnik wog 200 Kilo, hatte Schuhgröße 64, seine Hände waren 30 Zentimeter lang. In seinem Haus in Podoliantsi (200 Kilometer westlich von Kiew) musste er gebückt gehen, ständig aufpassen, dass er sich nicht an Lampen oder Türrahmen den Kopf stößt, denn er war 2,57 Meter groß.

Doch trotz seiner Größe, war er verletzlich, wie jeder andere Mensch auch: Mit nur 44 Jahren starb der größte Mann der Welt am 24. August 2014 an einem Schlaganfall. Es war nicht das erste Mal, dass eine Krankheit in seinem Gehirn sein Schicksal bestimmen sollte.

 

Großwuchs durch Hirntumor

Leonid war früher ein ganz normaler Junge, ging in Podoliantsi zur Schule, spielte Fußball, hatte viele Freunde. Seine Eltern waren einfache Bauern, arbeiteten von morgens bis abends auf dem Feld. Doch mit 12 hatte Leonid Stadnik plötzlich einen Hirntumor, wurde am Kopf operiert. Seitdem litt er unter einer Waschstumsstörung: Sein Körper produzierte überdurchschnittlich viele Wachstumshormone und er wuchs jedes Jahr ein paar Zentimeter, war schon bei seiner Musterung mit 18 „länger" als die Messlatte des Arztes. Sehr früh musste der Riese seinen Beruf als Tierarzt aufgeben. Die Dienstkleidung passte ihm nicht mehr, die 43 Zentimeter langen Füße drohten zu erfrieren, weil es keine Schuhe für ihn gab.

 

Leonid Stadnik litt unter seiner Größe

Niemand hatte eine Erklärung dafür, warum Stadnik immer weiter wuchs. Aber so genau wollte er das auch nie wissen: „Ich habe Angst, ein medizinisches Versuchskaninchen zu werden", sagte er. Sein Wachstum versuchte er zu ignorieren, er sah nie in einen Spiegel: „Wenn das Auge nicht sieht, weint das Herz nicht", zitierte er ein ukrainisches Sprichwort.

Über 1.500 Kilometer ist er einmal nach Deutschland gereist, 20 Stunden in einem Kleinbus, zu seinem Cousin Vladimir, um „endlich mal etwas von der Welt zu sehen". Doch hier starrten ihn nur alle an, wie eine Zirkusattraktion. „Ich will kein Rekord sein", sagte der Riese mit dem großen Herzen, der am liebsten in seinem Garten in Podoliantsi arbeitete, Pferde (die er um einiges überragte!) und Schweine fütterte.

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