Lemmy Kilmister: Prostatakrebs als Todesursache

Lemmy Kilmister Prostatakrebs
Vier Tage nach seinem 70. Geburtstag starb der Motörhead-Gründer Lemmy Kilmister an Prostatakrebs © alamy

Lemmy Kilmister, der Sänger der Metal-Band Motörhead, ist am Montag an Tumoren in Kopf und Nacken gestorben – nur kurze Zeit nachdem er davon erfuhr und vier Tage nach seinem 70. Geburtstag. Doch wie kann man so schnell an Krebs sterben?

Update: Die Celebrity-Seite TMZ hat jetzt die Todesbescheinigung des Sängers veröffentlicht. Demnach starb Lemmy Kilmister an Prostatakrebs. Weitere Erkrankungen, die mit dem Tod in Verbindung stehen, sind Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche.

 

Prostata-Krebs - warum Früherkennung so wichtig ist

Die meisten Männer denken an sehr unangenehme Beschwerden, wenn sie das Wort "Prostata" hören: Probleme beim Wasserlassen, Druck auf der Blase, nächtliche Gänge zur Toilette. Das sind die typischen Symptome einer gutartigen Vergrößerung der Prostata. Sie lässt sich durch eine Tast-Untersuchung bestätigen und leicht mit Medikamenten behandeln. Bösartige Wucherungen hingegen müssen die Funktion der Harnröhre nicht beeinträchtigen. Deshalb bleibt Krebs oft lange unbemerkt. Mit tragischen Folgen: Mehr als 12 000 Männer sterben in Deutschland jährlich daran.

 

Prostatakrebs-Früherkennung: regelmäßig Abtasten lassen

Früh genug erkannt, ist Prostatakrebs gut heilbar. Mediziner raten Männern ab dem Alter von 45 Jahren deshalb dazu, die kastaniengroße Drüse unterhalb der Blase einmal jährlich von einem Urologen untersuchen zu lassen. Beim Abtasten über den After kann der Arzt viele Gewebeveränderungen erkennen. Da aber Krebsvorstufen noch nicht spürbar sind, wird oft zusätzlich ein sogenannter PSA-Test empfohlen. Dabei wird die Menge eines speziellen Eiweißes im Blut gemessen. Entwickelt sich in der Prostata bereits Krebs, ist der PSA-Wert nämlich meist stark erhöht.

 

Ist der Bluttest wirklich sinnvoll?

Über den Nutzen des Tests wurde zuletzt hitzig diskutiert. Denn erstens bezahlen ihn die gesetzlichen Krankenkassen - im Gegensatz zur Tast-Untersuchung - bislang nicht (ca. 30 bis 50 Euro). Zweitens kann er einen falsch positiven Befund ergeben. Das heißt, der Wert fällt sehr hoch aus, ohne dass Krebs besteht. So können etwa eine Entzündung der Prostata oder Sport am Vortag des Tests den Wert in die Höhe treiben.

Trotz der Kritik ist der PSA-Test bislang die sicherste Methode zur Bestimmung des individuellen Risikos - vorausgesetzt, der Wert wird mehrfach gemessen: Ist er einmalig sehr hoch, sind meist äußere Faktoren schuld. Bleibt er aber unverändert auf einem hohen Stand, kann dies auf eine größere Wahrscheinlichkeit hindeuten, an Prostatakrebs zu erkranken. Eine schwedische Langzeitstudie belegte nun zudem, dass bei einem (dauerhaften) PSA-Wert von mehr als 1,6 Nanogramm pro Milliliter das Krebsrisiko zehnmal so groß wie gewöhnlich ist.

Ein PSA-Test lohnt sich vor allem für Männer zwischen 45 und 65 Jahren, bei denen es entweder Prostatakrebsfälle in der Familie gegeben hat oder bei denen Beschwerden bestehen, die nicht allein durch eine Vergrößerung der Vorsteher-Drüse zu erklären sind. Wird bei den Betroffenen mindestens zweimal in Folge ein sehr hoher Wert gemessen, empfehlen Experten, mittels einer Biopsie Gewebeproben entnehmen zu lassen. Auch Auffälligkeiten beim Abtasten werden so abgeklärt. Die Gewebe-Entnahme wird von den Kassen bezahlt.

 

Prostatakrebs: Beobachtung oder Bestrahlung

Finden sich im entnommenen Gewebe Krebszellen, stehen mehrere Verfahren zur Auswahl: Krebsvorstufen werden meist nur durch regelmäßige Nachuntersuchungen in ihrer Entwicklung beobachtet. Manche Wucherungen wachsen sehr langsam und bereiten keine Probleme. Bestenfalls bilden sie sich wieder zurück. Etwas größere Veränderungen dagegen können bestrahlt oder mit einer Hormon-Therapie behandelt werden.

 

Prostatakrebs: Die moderne Operationsmethode

Wenn sich der Krebs bereits im fortgeschrittenen Stadium befindet, kann das bösartige Gewebe unter Vollnarkose entfernt werden. Bei solchen Eingriffen wurden früher gelegentlich Nerven verletzt. Das konnte zu Impotenz führen. Seit jedoch oft endoskopisch, also mithilfe winziger Kameras, operiert wird, ist das Risiko stark gesunken. Die Kassen übernehmen in vielen Fällen die Kosten.

 

Tod von Lemmy Kilmister

„Unser mächtiger, nobler Freund Lemmy ist nach einem kurzen Kampf mit einem extrem aggressiven Krebs gestorben“, schreibt die Band am Montagabend amerikanischer Zeit auf ihrer Facebook-Seite. Erst zwei Tage zuvor, am 26. Dezember, hatte Kilmister von seiner Erkrankung erfahren.

Das Statement der Bandmitglieder von Lemmy Kilmister auf Facebook
Das Statement der Bandmitglieder von Lemmy Kilmister auf Facebook© screenshot: motörhead facebook

Im englischen Stoke-on-Tent wurde Lemmy Kilmister am Heiligabend des Jahres 1945 geboren. Mit 30 Jahren gründete er 1975 die Band Motörhead, mit der er in diesem Jahr sein 40-jähriges Bandjubiläum feierte. In den letzten Jahren musste die Band wegen des schlechten Gesundheitszustands des Sängers immer wieder Auftritte absagen. Bereits 2000 wurde bei Kilmister Diabetes-Typ-2 diagnostiziert. Im Jahr 2013 bekam er wegen anhaltender Herzprobleme einen Defibrillator eingesetzt. Dieser löst bei Herzkammerflimmern oder –flattern einen elektrischen Impuls aus, der die Herzmuskelaktivität normalisiert.

 

Schneller Tod nach Krebsdiagnose

Kilmister nahm in seinem Leben häufig Drogen, trank große Mengen Alkohol und rauchte stark – alles Risikofaktoren für eine Krebserkrankung. Generell ist es unwahrscheinlich, dass ein Patient wenige Tage nach einer Krebsdiagnose stirbt. Trotzdem kommt es immer wieder vor. So starb die berühmte Tänzerin und Choreografin Pina Bausch nur fünf Tage nach ihrer Lungenkrebsdiagnose am 30. Juni 2009.

In der Regel sind es mit dem Krebs verbundene Blutungen, Entzündungen oder Embolien, die in einem solchen Fall zum Tod führen. Bei einer nicht entdeckten Leukämie kann der Auslöser eine sogenannte Blastenkrise sein. Auch Krebserkrankungen der Galle, der Bauchspeicheldrüse oder eben Prostatakrebs wie im Fall von Lemmy Kilmister werden bisweilen spät entdeckt und können somit zu einem plötzlichen Tod führen.

Hamburg, 20. Januar 2016

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