Leisure Sickness: Warum werde ich im Urlaub immer krank?

Redaktion PraxisVITA

Egal ob Magenschmerzen, Erkältung oder die Migräne – kaum hat man Urlaub, bekommt man auf einmal Krankheiten, auf die man gut und gerne verzichten würde. Dr. Johannes Wimmer hat die besten Tipps, wie Sie "Leisure Sickness" verhindern!

Etwa jeder zweite Erwachsene kennt sie und sogar Schulkinder leiden immer häufiger unter der sogenannten Leisure Sickness (Freizeit-Krankheit). Der Begriff stammt ursprünglich von Prof. Adrian Vingerhoets von der niederländischen Universität Tilburg. Er prägte ihn vor mehr als zehn Jahren, als er begann, das Phänomen zu erforschen. Denn er hatte bei sich selbst beobachtet, dass er regelmäßig – sobald er ein paar Tage frei hatte – krank wurde. Und als er sich umhörte, berichteten Bekannte von ähnlichen Erfahrungen. Aber Wissenschaftler sind den Ursachen mittlerweile auf die Spur gekommen und wissen, was jeder gegen das Phänomen Leisure Sickness tun kann.

 

Stresshormone machen infektanfälliger

Besonders schwer trifft es in der Regel Menschen mit großem Verantwortungsbewusstsein, hohen Ansprüchen an sich selbst und einem ausgeprägten Hang zur Perfektion. Ihr Organismus hat sich daran gewöhnt, kaum Ruhephasen zu bekommen, sondern ständig in Alarmbereitschaft zu sein. Wird diese Funktion plötzlich heruntergefahren, verändert sich der ganze Stoffwechsel und wir werden schneller und leichter krank – leiden also an Leisure Sickness.

Leisure Sickness
Im Urlaub will man eigentlich entspannen – aber wer im Alltag unter Dauerstress steht, hat ein erhöhtes Risiko für die sogenannte Leisure Sickness in der Freizeit© iStock/Vadmary

Diplom-Psychologin Julia Scharnhorst vom Berufsverband der deutschen Psychologen: „Wenn sich der Stresspegel verändert, verändert sich auch der Hormonhaushalt. Der Körper schüttet weniger vom Stresshormon Cortisol aus. Das ist eigentlich positiv. Doch ein allzu abrupter Wechsel schwächt das Immunsystem für ein oder zwei Tage, bis es sich wieder normalisiert hat. Genau in dieser Phase kommt es dann leicht zu einer Infektion." Experten bezeichnet diese Zeitspanne auch als "Open-Window-Effekt", übersetzt also "Zeit des offenen Fensters". Bildlich gesehen macht das Immunsystem Pause – und alle Viren und Bakterien sind eingeladen, jetzt einzufliegen. Die häufigsten Beschwerden sind dann Erkältungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und depressive Verstimmungen. Tatsächlich haben Untersuchungen aus den USA gezeigt, dass sich das Herzinfarktrisiko für gefährdete Menschen in den ersten Urlaubstagen erhöht.

 

Dauerbelastung stoppt erst in der Freizeit

Ein bekannter Gesundheitspsychologe hat das so kommentiert: „Kein Mensch würde versuchen, sein Auto von Tempo 100 durch Abwürgen zum Stillstand zu bringen. Viele gehen aber beim Start in die Ferien mit sich selbst so um." Ein weiterer Grund: Kleinere Wehwehchen nehmen Betroffene im Alltag häufig gar nicht wahr. Und bemerken sie erst, wenn die Dauerbelastung wegfällt. Das kann sogar dazu führen, dass Menschen Angst vor Feiertagen und Urlaub entwickeln, weil sie befürchten müssen, gleich wieder unter Leisure Sickness zu leiden.

 

Wie kann ich der Leisure sickness vorbeugen?

Um sich möglichst gut vor der Leisure sickness zu schützen, sind drei Dinge besonders wichtig: Ausreichend zu schlafen (etwa sieben Stunden täglich), Entspannungspausen während der Arbeitszeit und Zeit für Hobbies, die Freunde und die Familie. Ein gesundheitsfreundliches Arbeitsumfeld kann ebenfalls das Risiko für eine Freizeit-Krankheit senken: So vermindern zum Beispiel Pflanzen im Büro oder der Blick auf Bäume nachweislich den Spiegel des Stresshormons Cortisol im Blut. Bewegung ist ebenfalls eine gute Maßnahme zur Vorbeugung. Dafür reichen schon drei bis vier zügige Spaziergänge á 30 Minuten pro Woche aus. Sie stärken das Immunsystem und die Herzfunktion. Wer seinen Urlaub von Anfang an genießen möchte, sollte zudem die Zeit vor den Ferien sanft ausklingen lassen. Lieber zwei Tage vor dem Beginn der Reise zu Hause bleiben und in Ruhe geistig runterfahren. Diese kleine Pufferzeit entspannt – die Tage sind besser genutzt, als krank im Hotelbett zu liegen.

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