Leiden Sie unter „stillem“ Burn-out?

Redaktion PraxisVITA
Die ersten Anzeichen eines Burn-outs werden meist nicht wahrgenommen. Nach und nach verlernt der Betroffene abzuschalten.
Die ersten Anzeichen eines Burn-outs werden meist nicht wahrgenommen. Nach und nach verlernt der Betroffene abzuschalten © Fotolia

Ärzte nennen es „stiller Burn-out“. Sie meinen damit die Vorstufe zur totalen Erschöpfung. Dieses Ausgebranntsein schleicht sich leise an – und bleibt so häufig unbemerkt. Erfahren Sie mehr über erste Anzeichen und Vorbeugung.

 

Der Burn-out beginnt langsam

Normalerweise kann jeder Mensch entspannen. Ob auf dem Sofa, bei einem Spaziergang oder beim Treffen mit Freunden: Die Sorgen des Alltags werden beiseite geschoben und so Platz geschaffen für die schönen Momente des Lebens. Diese Fähigkeit abzuschalten ist ein Selbstschutz des Körpers, mit dem der Mensch auf die Welt kommt. 

Stress, Probleme und permanenter Zeitdruck können allerdings dazu führen, dass diese Fähigkeit verloren geht. Das passiert jedoch nicht über Nacht, sondern schleichend und unbemerkt. Meistens werden die ersten Anzeichen gar nicht wahrgenommen. Mediziner bezeichnen diesen Prozess, bei dem der Mensch nach und nach verlernt abzuschalten, deshalb auch als stillen Burn-out – die Vorstufe der totalen Erschöpfung. Interessanterweise sind die typischen Kandidaten für einen stillen Burn-out gut gelaunte Menschen, die ihren Beruf und ihre Hobbys lieben und sich engagieren.



Eine Frau sieht auf ihr Handy und schreit
Ungeduld und Reizbarkeit können auf einen beginnenden Burn-out hinweisen© Shutterstock
 

Warnsignale für stillen Burn-out

Alles scheint wunderbar, doch innen sieht es ganz anders aus. Der Schein kann trügen: Es gibt Warnsignale wie Ungeduld und zunehmende Konzentrationsstörungen. Gleichzeitig fällt es vielen Betroffenen schwerer, loszulassen. Ihre Gedanken fahren ständig Karussell. „Was muss ich noch tun, was kann ich anders machen, wie soll ich das alles überhaupt schaffen?“ Diese Fragen schwirren vor allem dann im Kopf herum, wenn das Betriebssystem nach Ruhe und Entspannung verlangt: nachts. Häufig schrecken Menschen mit stillem Burn-out panikartig aus dem Schlaf hoch, weil sie selbst in ihren Träumen keine Ruhe mehr finden. Kritisch wird es, wenn der Schlaf uns regelmäßig vor dem Fernseher übermannt. In dieser Phase fühlt man sich zwar eigentlich noch gut, aber das innere System hat längst auf Alarmstufe Rot geschaltet. Doch nicht nur Schlafstörungen, auch viel Sport oder stundenlanges Zappen im TV sind deutliche Warnsignale. „Symptomatisch sind in dieser Phase Dauerverspannungen im Rücken und Schulter-Nacken-Bereich sowie häufige Magen-Darm-Probleme“, erklärt Burn-out-Experte Dr. Werner Ehrhardt. Die Betroffenen stehen ständig unter Strom, versuchen aber gleichzeitig zu verdrängen, dass sie gestresst sind, und lenken sich mit weiteren Aktivitäten ab.



Stiller Burn-out – die Vorstufe zur totalen Erschöpfung
Stiller Burn-out – die Vorstufe zur totalen Erschöpfung© iSTOC
 

Die 7 Anzeichen für stillen Burn-out


  1. Sie werden rasch ungeduldig: Die Schlange vor der Kasse nervt nach 5 Minuten, 3 Minuten Warteschleifenmusik und die Nerven liegen blank.


  2. Nicht nein sagen können: Die eigenen Bedürfnisse werden immer häufiger zurückgestellt. Überstunden sind normal.


  3. Überall erreichbar sein: Täglich mehr als 60 Minuten telefonieren erhöht das Risiko für einen Burn-out um 70 %.


  4. Die Liste der zu erledigenden Dinge wird immer länger, das Telefon klingelt ständig und ständig gibt es neue Probleme.


  5. Bissige Bemerkungen und bitterböse Witze sind ein Zeichen, dass dringend Druck abgebaut werden muss.


  6. Verabredungen absagen: Freunde werden vernachlässigt, Termine verschoben, das Haus wird kaum noch verlassen.


  7. Geräuschempfindlichkeit: Bereits normale Geräusche aus dem Alltag stören, zum Beispiel das Summen der Klimaanlage oder der tickende Wecker.


 

Entspannen und Burn-out vorbeugen

Verdrängung ist keine Lösung. Es geht darum, zu erkennen, was los ist. Erst dann kann man gegensteuern. Geschieht das nicht, wird irgendwann aus dem stillen ein endgültiger Burn-out. Die Betroffenen müssen ihren „Aus-Schalter“ wiederfinden. Dr. Ehrhardt empfiehlt dafür diese Übung: „Setzen Sie sich dreimal täglich für zwei Minuten entspannt auf einen Stuhl. Der Kopf sinkt leicht zur Brust, die Schultern hängen lassen, die Arme liegen locker auf den Schenkeln. Die Augen schließen. Jetzt sagen Sie sich: Mein rechter Arm wird schwer, dann geht es zum linken, später zu den Beinen. In der zweiten Runde werden alle Gliedmaßen warm.“ Bei dieser Übung schaltet der Körper um auf totale Entspannung. Wer sie beherrscht, kann die Technik in jeder Situation anwenden.


Noch mehr zum Thema Burn-out verraten wir im Video:

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