Legionellen im Trinkwasser – Gefahr für mein Kind?

Dr. med. Nadine Hess

In der letzten Zeit hört man immer wieder, dass im Trinkwasser einiger Häuser, insbesondere älterer Bauart, Legionellen nachgewiesen wurden. Aber was sind das für Erreger? Wie gefährlich sind Legionellen im Trinkwasser und wenn ja, für wen? Was sind mögliche Krankheitssymptome und wie kann behandelt werden?

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Von einer Infektion infolge von Legionellen im Trinkwasser sind fast nur Erwachsene betroffen, Kinder erkranken nur sehr selten.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Legionellen sind gramnegative Bakterien, von denen es insgesamt 57 Arten gibt, wobei die Gattung Legionella pneumophilia am häufigsten für invasive Erkrankungen verantwortlich ist. Besonders wohl fühlen sich diese Bakterien in wässrigem Milieu bei einer Temperatur zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Unter 20 Grad Celsius kommt es zu keiner weiteren Vermehrung (aber auch nicht zu einem Absterben), über 60 Grad Celsius werden sie abgetötet. 

 

Legionellen – wo sind sie besonders häufig?

Man findet sie oft in älteren Warmwassertanks und Warmwassersystemen mit weit verzweigten Rohren und wenig Nutzung. In stehendem, warmem Wasser können die Erreger sich besonders gut vermehren. Das Trinken von Legionellen-kontaminiertem Wasser führt so gut wie nie zu einer Infektion. Infektiös sind vor allem Legionellen-haltige Aerosole: Werden mit Legionellen infizierte Amöbenteile (die sich in lange stehendem Wasser befinden können) mit dem Aerosol inhaliert, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es zu einer invasiven Erkrankung kommt, da sich die Virulenz (Fähigkeit „krank zu machen“) dann erhöht.

Dies erklärt auch, warum es trotz eines relativ häufigen Nachweises von Legionellen im Trinkwasser vieler Häuser doch vergleichsweise selten zu Erkrankungen kommt – Amöben haben im Trinkwasser nämlich nichts zu suchen und da dies in Deutschland streng überwacht wird, kommt mit Amöben verseuchtes Trinkwasser glücklicherweise nicht oft vor.

 

Symptome einer Infektion mit Legionellen

Aus ungeklärten Gründen erkranken Männer häufiger als Frauen, spektakulär war die Erkrankung von circa 200 (männlichen) Teilnehmern eines Veteranentreffens in Philadelphia 1976. Von den Betroffenen verstarben 30. Sonstige Risikogruppen für die schwere Form der Legionellenerkrankung – der Legionellenpneumonie (Lungenentzündung durch Legionellen) – sind ältere Menschen und Personen mit einer Immunschwäche. Insgesamt betrifft die Legionellen-Infektion fast ausschließlich Erwachsene, Kinder erkranken nur sehr selten.

Mädchen trinkt aus Wasserhahn
Legionellen-Entwarnung: Das Trinken von Legionellen-kontaminiertem Wasser führt so gut wie nie zu einer Infektion bei Kindern© Fotolia

Die Zeit von Ansteckung bis zum Ausbruch einer Legionellenpneumonie, die sich mit Gliederschmerzen, hohem Fieber, deutlicher Abgeschlagenheit, unproduktivem Husten, Erbrechen, Thoraxschmerzen und bei Beteiligung des zentralen Nervensystems auch mit Verwirrtheitszuständen äußert, liegt zwischen zwei und zehn Tagen. Die Sterblichkeit ist trotz möglicher Behandlung mit Antibiotika relativ hoch (10-15 Prozent) und wenn die Erkrankung überlebt wird, dauert es lange, bis die Patienten wieder vollständig gesund sind.

 

Legionellen im Trinkwasser machen nicht automatisch krank

Abgesehen von dieser schweren Erkrankungsform kann eine Infektion mit Legionellen auch noch zum sogenannten Pontiac-Fieber führen, welches innerhalb weniger Stunden nach Kontakt mit den Erregern zu grippalen Krankheitssymptomen führt und es zu einer raschen Erholung kommt. Todesfälle durch Pontiac-Fieber sind bislang nicht bekannt, eine Behandlung ist aufgrund des gutartigen Verlaufs nicht notwendig.

Sind Legionellen im Trinkwasser in einem Haushalt nachgewiesen, muss nicht in Panik verfallen werden, nur sehr selten kommt es wirklich zu einer Erkrankung. Aber nichtsdestotrotz sollte gehandelt und die Infektionsquelle ausgemerzt werden.[1]

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