Legionellen-Gefahr durch Lockdown: Hier droht erhöhtes Infektionsrisiko

Nach monatelangem Lockdown während der Corona-Krise warnen Experten nun vor gefährlichen Bakterien. Warum man im Freibad, Sportverein und Co. besonders vorsichtig sein sollte, alle wichtigen Infos hier.

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Legionellen können zu einem ernsten Gesundheitsrisiko für den Menschen werden, wenn sie die Zeit haben, sich in unbenutzten Wasserleitungen zu vermehren. Während der Monate im Corona-Lockdown dürfte dies in privaten Haushalten nahezu unmöglich gewesen sein. Es gibt allerdings Orte, an denen jetzt ein erhöhtes Infektionsrisiko droht.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind Bakterien, die als Umweltkeime in unserem Grundwasser und damit in sämtlichen Wasserleitungen vorkommen. Auch in anderen feuchten Biotopen − beispielsweise in Böden, Mischerde, Humus oder Kompost − können sie auftreten. In geringer, natürlicher Zahl sind Legionellen keine Bedrohung. Zum Gesundheitsrisiko werden die Bakterien erst, wenn das Wasser in den Leitungen länger stillsteht und sie Zeit haben, sich zu vermehren. Läuft dann wieder Wasser durch die Leitungen, zum Beispiel beim Duschen, gelangen die Legionellen über im Wasserdampf schwebenden Aerosole (winzige Wassertröpfchen) in die menschliche Lunge. In der Folge können Betroffene an Legionellose, einer besonderen Art schwerer Lungenentzündung, erkranken.

Mehr über die Symptome einer Legionellen-Infektion in unserem Artikel „Legionellen im Trinkwasser – Gefahr für mein Kind?“

Hier droht Legionellen-Gefahr

Wie Dr. Gero Beckmann, Mikrobiologe und Hygieniker aus Oberthulba im Landkreis Bad Kissingen, warnt, besteht nach dem Corona-Lockdown vor allem in öffentlichen Sanitäranlagen eine erhöhtes Legionellen-Risiko. Öffentliche Duschen in Schwimmbädern, Sporthallen, Fitnessstudios und Vereinsheimen wurden teils monatelang nicht benutzt. Die Legionellen in den Leitungen hatten also ausreichend Zeit, sich zu vermehren. „Wenn das Wasser Wochen oder gar Monate lang nicht fließt, können sich Legionellen explosionsartig vermehren“, so der Experte, dessen Labor Leitungswasserproben aus der gesamten Bundesrepublik überprüft.
Im Grunde können Legionellen überall dort auf den Menschen übertragen werden, wo Aerosole in Form von Wasserdampf durch die Luft schweben – also auch in Whirlpools oder Autowaschanlagen. 

Eine Übertragung der Bakterien von Mensch zu Mensch, wie sie etwa durch die Tröpfcheninfektion beim Coronavirus passiert, ist bei Legionellen nicht möglich. Sie können einzig durch Aerosole in Wasserdampf in die menschliche Lunge gelangen.

Legionellen: Wie kann man sich schützen?

Ganz klar: Wer das Legionellen-Risiko minimieren möchte, sollte zunächst nur dort duschen, wo eine regelmäßige (Heiß-)Wassernutzung sichergestellt ist. Die ersten Wochen nach dem Lockdown also lieber erst zuhause statt schon im Fitnessstudio duschen.

Außerdem wird empfohlen, risikoreiche Wasserleitungen vor der Nutzung mit heißem Wasser durchzuspülen. Denn die potentiell gesundheitsschädlichen Bakterien vermehren sich zwar in warmen Wasser besonders gut. Heißes Wasser jedoch tötet sie. Das Robert Koch-Institut fasst in seinem Legionellen-Ratgeber zusammen:

„Ideale Wachstumsbedingungen finden Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 und 45°C, bei Wassertemperaturen oberhalb von 55°C wird das Legionellenwachstum wirksam gehemmt, bis es oberhalb von 60°C schließlich zum Absterben der Keime kommt.“

Bei 70 Grad Celsius reichen drei Minuten, um die schädlichen Legionellen aus den Leitungen zu spülen; bei 60 Grad Celsius sollte das Wasser zehn Minuten lang laufen, ohne dass man damit in Kontakt kommt. 

Quellen:
Dusche, Boiler, Wassertank: Legionellen-Gefahr durch Lockdown, in: br.de
Legionellose: RKI-Ratgeber, in: rki.de
Legionellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, in: infektionsschutz.de