Lecktuch: So funktioniert der Schutz beim Oralverkehr

Michelle Kröger

Beim Thema Safer Sex denken die meisten Menschen nur an Kondome, die beim Geschlechtsverkehr und beim Oralverkehr beim Mann (auch: Fellatio, Blowjob) vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können. Aber wie sieht es beim Oralverkehr bei der Frau aus, dem Cunnilingus? Wie kann man hier verhüten? Sexpertin Jana Förster stand uns bei diesem intimen Thema Rede und Antwort.

Frau liegt in Unterwäsche auf Bett
Ein Lecktuch schützt beim Oralverkehr vor der Übertragung von sexuellen Krankheiten Foto:  iStock/miljko
Inhalt
  1. Was ist ein Lecktuch?
  2. Wie verwendet man ein Lecktuch?
  3. Vor welchen Krankheiten kann ein Lecktuch schützen?
  4. Kann auch HIV oral übertragen werden?
  5. Für wen ist die Anwendung eines Dental Dam wichtig?
  6. Wer sollte ein Lecktuch beim Oralverkehr verwenden?
  7. Ist das sexuelle Empfinden dadurch eingeschränkt?
  8. Kann ein Dental Dam allergische Reaktionen verursachen?
 

Was ist ein Lecktuch?

Als Lecktücher (auch: Dental Dam oder Oral Dam) bezeichnet man Latextücher oder spezielle Folien, die beim Oralverkehr auf die Vulva und/oder den Anus der Sexualpartnerin gelegt werden. Es handelt sich um das Oralverkehr-Äquivalent zum Kondom. "Ein Lecktuch sieht aus wie ein zu dünn geratener Waschlappen", sagt Jana Förster. Es bildet eine Barriere und schützt so vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Beim weiblichen Oralverkehr, dem sogenannten Cunnilingus, kann ein Lecktuch die Aufnahme von Scheidenflüssigkeit und Menstruationsblut verhindern. Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern wird dazu geraten, ein Lecktuch beim Oralverkehr zu verwenden.

Lecktücher gibt es in verschiedenen Größen, Farben und Geschmacksrichtungen. Die Tücher sind  quadratisch und messen mindestens 15 x 15 cm. Das Material ist hauchdünn und elastisch, es erinnert an das von Kondomen. "Auch die Haptik kommt der eines Kondoms sehr nahe", sagt die Expertin. Sie bestehen aus sehr dünnem Latex oder latexfreiem Gummi (für Allergiker/innen). Dental Dams, wie sie im englischsprachigen Raum genannt werden, sind ähnlich wie Kondome einzeln verpackt. Die Tücher sind in Deutschland hauptsächlich in Apotheken und im Online-Handel erhältlich.

 

Wie verwendet man ein Lecktuch?

"Das Lecktuch wird über die Vulva und die Anusregion gelegt, damit kein direkter Kontakt mit dem Scheidensekret, Darmbakterien oder der Monatsblutung entsteht. Es wird genau wie ein Kondom nur einmal benutzt", so Förster. Wichtig: Es darf nur von einer Seite verwendet werden. "Bitte nicht wenden und weiterspielen, sonst in der Nutzen dahin", fügt die Expertin hinzu. Zusätzlich können Gleitgele auf Wasserbasis eventuelle Reibungsgefühle vermeiden – und das Tuch durch die Feuchtigkeit besser befestigen.

Lecktücher werden zwar in den meisten Fällen für den Cunnilingus verwendet, doch sie sind auch für den Anilingus geeignet, eine orale Sexualpraktik, bei welcher der Anus und oftmals auch die Dammregion mit Lippen und Zunge stimuliert wird. Dazu legt man das Lecktuch bzw. das Dental Dam vorher über die Anusregion.

 

Vor welchen Krankheiten kann ein Lecktuch schützen?

"Die Verwendung eines Lecktuchs beim Oralverkehr bei der Frau schützt vor sexuell übertragbaren Infektionen (STIs). “Zu den sexuell übertragbaren Krankheiten gehören vor allem Genitalherpes, Feigwarzen, Chlamydien, Tripper und Co. Auch gegen Scheidenpilz bietet ein Lecktuch Schutz”, erklärt Förster. 

Erreger wie zum Beispiel Gonokokken oder Chlamydien sind in den Scheidenschleimhäuten und der Vaginalflüssigkeit angesiedelt. Diese Erreger können beim Oralverkehr durch den Kontakt von Mundschleimhaut zu Genitalschleimhaut übertragen werden. Ebenso können so auch Infektionen wie Scheidenpilz und Genitalherpes übertragen werden.  

Häufig bleiben Infektionen auch asymptomatisch ohne Beschwerden – sie werden also nicht immer vom Betroffenen bemerkt. Deshalb können die Erreger bei häufig wechselnden Sexualpartnern unwissentlich weitergegeben werden. Durch ein Lecktuch soll das verhindert werden.

 

Kann auch HIV oral übertragen werden?

"Es ist eher selten, aber nicht unmöglich", so die Expertin. Normalerweise wird das HI-Virus (Humane Immundefizienz-Virus) nur über das Blut und über das Sperma übertragen. Doch es gibt auch einige Fälle, die belegen, dass eine Übertragung durch Oralverkehr stattgefunden hat. "Kleinere Verletzungen und Risse in Scheide und Mundschleimhaut stellen immer eine potenzielle Ansteckungsmöglichkeit dar. Während der Monatsblutung ist die Gefahr besonders erhöht. Ein Lecktuch ist daher immer zu empfehlen. Besonders bei wechselnden Sexualpartnern sollte auf genügend Schutz nicht verzichtet werden", sagt Förster. Trotz der geringen Übertragungswahrscheinlichkeit ist eine Verwendung des Hilfsmittels überaus empfehlenswert. Sexualpartner können sich so zuverlässig vor einer HIV-Infektion schützen.

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Für wen ist die Anwendung eines Dental Dam wichtig?

"In erster Linie eignet sich ein Lecktuch für alle, die wechselnde Geschlechtspartner haben. Zu Beginn einer neuen Beziehung ebenso, bis beide beim Arzt waren und ihren Gesundheitsstatus gecheckt haben", erklärt Jana Förster. 

 

Wer sollte ein Lecktuch beim Oralverkehr verwenden?

  • Alle Frauen und Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern oder One-Night-Stands. Sprich: Alle Menschen, die sich beim Oralverkehr vor Krankheiten schützen wollen.
  • Alle Frauen und Männer, die in einer neuen Beziehung sind – wenn noch nicht sicher ist, dass beide Sexualpartner keine Krankheiten übertragen.
 

Ist das sexuelle Empfinden dadurch eingeschränkt?

"Minimal. Durch wasserbasiertes Gleitgel unter dem Lecktuch kommt die Empfindung der Realität sehr nahe und das Tuch wird zusätzlich von dem Gleitgel besser fixiert", sagt Förster. Auch die Produktwahl kann eine Verbesserung der Empfindsamkeit beim Geschlechtsverkehr bewirken. Doch worauf sollte man dabei achten? "Ich empfehle besonders die gerollten Tücher gegenüber den gefalteten, da dort keine Knicke vorhanden sind, die stören könnten", so die Expertin.

 

Kann ein Dental Dam allergische Reaktionen verursachen?

Ja, allergische Reaktionen sind möglich. Doch auch dem kann man vorbeugen, weiß Jana Förster: "Bei einer Latexallergie gibt es – genauso wie beim Kondom – latexfreie Produkte. Diese bestehen aus latexfreiem Gummi und sind somit auch für Allergiker geeignet. Bei Allergien gegenüber den Aromen, sollten Produkte mit der Aufschrift "Für Allergiker geeignet“ gekauft werden." Vor Gebrauch kann das Tuch auch an einer anderen Körperstelle getestet werden, etwa am Unterarm. "Vorsicht ist besser als Nachsicht", so die Expertin.

Ihr Extra-Tipp: "Wenn gerade mal kein Lecktuch in der Nähe ist, einfach ein Kondom der Länge nach aufschneiden, die Spitze und den Ring abtrennen und über Vulva und Anus legen."

Unsere Expertin

Sexpertin Jana Förster: Unsere Expertin ist erfolgreiche Autorin mehrerer Sex- und Erotikbücher im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, https://xn--jana-frster-wfb.de/ 

 

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