Lecker aber tödlich – EU warnt vor krebserregendem Stoff in Kaffee, Chips und Babynahrung

krebserregend
Acrylamid entsteht bei deutlicher Erhitzung stärkehaltiger Lebensmittel und ist krebserregend. Hohe Werte finden sich besonders in Kaffee, Backwaren und Kartoffelprodukten © Shutterstock

Gebackene, gebratene oder geröstete Lebensmittel sind mit krebserregenden Stoffen belastet. Eine breit angelegte Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zeigt, dass Acrylamid über die Verdauung in alle Organe vordringen kann und dort die Bildung von Genmutationen und Tumoren verursacht. Besonders betroffen von diesem Effekt sind Kinder und junge Erwachsene.

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht warnt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor dem Konsum von gebackenen, gerösteten und gebratenen Lebensmitteln. Die nun publizierte Studie zeigte, dass der häufig in erhitzten Lebensmitteln vorkommende Stoff Acrylamid das Risiko zur Ausbildung von Krebs in allen Altersgruppen signifikant erhöht.

 

Stoffwechsel produziert Krebsstoff

„Oral aufgenommenes Acrylamid wird durch den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, von dort in alle Organe verteilt und in hohem Maße verstoffwechselt.“ Erklärt Studienautorin Dr. Diane Benford. Durch diesen Vorgang entsteht nach Aussagen der Forscherin Glycidamid – Hauptstoffwechselprodukt dieses Prozesses –, das wiederum die Ursache für Genmutationen und Tumoren im Körper sei.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten zwar, dass der krebserregende – und durch die Substanz Acrylamid ausgelöste – Stoffwechseleffekt alle Altersgruppen betrifft. Besondere Risikogruppe seien aber nach Aussagen der Forscher Kinder und junge Erwachsene.

 

Acrylamid entsteht bei 150 Grad

Der krebserregende Stoff Acrylamid entsteht in Lebensmitteln bei der Zubereitung unter Temperaturen von etwa 150 Grad – eine Schwelle, die zuhause in der Küche und in der Gastronomie genutzt wird, um Lebensmittel zu „bräunen“ und schmackhafter zu machen. Wichtige Acrylamid-Quellen in der Ernährung sind Kaffee, Chips, Kekse, Kräcker und Knäckebrot, Toastbrot und bestimmte Babynahrungsmittel.

Vor dem Hintergrund der deutlich gesteigerten Krebsgefahr durch Acrylamid empfehlen verschiedene Behörden auf europäischer und jeweils nationaler Ebene nun, vorerst möglichst wenig Lebensmittel – in denen der krebserregende Stoff vorkommen könnte – zu sich zu nehmen.

 

Acrylamid bereits sei 2002 unter Verdacht

Als krebserregender Stoff geriet Acrylamid bereits vor 12 Jahren in den Fokus der europäischen Lebensmittelüberwachung. Eine Studie des damaligen Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses (SCF) der Europäischen Kommission veröffentlichte 2002 ein Gutachten, das über die Krebsgefahr durch Acrylamid berichtet. Da aber die Öffentlichkeit nicht unnötig beunruhigt werden sollte, entschloss sich die Behörde damals vorerst weitere Studien in Auftrag zu geben, um eine mögliche Warnung auf sicheren Daten zu stellen. Ein umfassender Abschlussbericht zu der Lebensmittelbelastung durch Acrylamid wird Mitte 2015 erwartet.

Hamburg, 4. Juli 2014

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