Lebensretter Vitamin E

Vitamin E schützt vor Lungenentzündungen
Im Handel erhältliche Kapseln mit Vitamin E eignen sich am besten, um hohe Vitamin-E-Konzentrationen zu sich zu nehmen. Eine Lungenentzündung vorbeugende Behandlung mit solchen Präparaten bietet sich allerdings hauptsächlich für ältere Menschen an © Imago

Je älter ein Mensch ist, desto weniger effektiv arbeitet sein Immunsystem. Dadurch haben es Bakterien einfacher, sich im Körper zu verbreiten. Die Folgen sind z.B. Lungenentzündungen. Doch Forscher zeigen nun, dass man seine Körperabwehr mit Vitamin E wieder aktivieren und sich so vor Lungeninfektionen schützen kann.

Ein Grund für die im Alter nachlassende Effektivität des Immunsystems gegen bakterielle Lungeninfektionen ist eine ungenauer werdende Regulierung der Anzahl und Aktivität von sogenannten Neutrophilen durch das Immunsystem. Diese natürlichen Bakterienkiller gehören zur Gruppe der weißen Blutkörpchen und werden von der Körperabwehr – nach Bedarf – hergestellt, wenn z.B. Krankheitserreger in der Lunge erkannt worden sind. Diese Immunreaktion muss vom Körper sehr genau koordiniert werden, da sie sonst selbst Entzündungen auslösen kann. Je älter ein Mensch ist, desto weniger präzise kann sein Körper diese Bakterienkiller koordinieren.

Neutrophile werden zur Gruppe der Leukozyten (weiße Blutkörper) gezählt und bekämpfen normalerweise infektiöse Mikroorganismen, in dem sie Bakterien-Fallen auslegen. Diese Fallen bestehen aus sogenannten Chromatin-Strukturen, die z.B. Bakterien binden und damit unschädlich machen können. Zusammen mit den bekannteren "Fresszellen" erfüllen sie – vor allem in den für Infektionen sehr empfindlichen Lungen – wichtige Aufgaben der innerhalb der zellulären Körperabwehr.

 

Neutrophile: Zell-Fallen des Körpers

Der Körper eines älteren Erwachsenen produziert – ebenso wie junge Menschen – jeden Tag Neutrophile, kann diese aber nicht mehr so zielgerichtet einsetzen. Vor allem Menschen ab einem Alter von 65 Jahren besteht daher ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Lungenentzündung. Doch Forscher der Tufts University in der Nähe von Boston zeigen in einer kürzlich veröffentlichten Studie, dass die Koordinierung der Neutrophilen mithilfe von Vitamin E deutlich verbessert werden kann und so die von Bakterien ausgehende Infektionsgefahr verringert wird.

 

Zehnmal mehr Vitamin E als empfohlen

Für die Untersuchung bekamen alte Mäuse über einen Zeitraum von vier Wochen Vitamin E (Tocopherol) verfüttert. Die dabei verwendete Vitamin-Dosis entspricht – umgerechnet auf den menschlichen Körper – in etwa der zehnfachen Menge des Tagesbedarfs (rund 120 Milligramm) – liegt aber unter der kritischen Schwelle von mindestens 2.000 Milligramm, bei der Vitamin E gesundheitliche Schäden verursachen kann. Eine andere Mäuse-Gruppe (Kontrollgruppe) bekam im gleichen Zeitraum ebenfalls Vitamin E verabreicht, allerdings in einer Dosis, die lediglich die empfohlene Tagesmenge abdeckte.

Nach dieser vierwöchigen Einstellung mit Vitamin E wurden beide Versuchsgruppen mit einem Streptococcus-pneumoniae-Bakterienstamm, der oft in Zusammenhang mit Lungenentzündung auftritt, infiziert. Dabei zeigte sich, dass bei den Tieren mit der zehnfach erhöhten Vitamin-E-Dosis die Entzündungswerte deutlich geringer ausfielen – als bei der Kontrollgruppe. Diese entzündungshemmende Wirkung der hochdosierten Vitamin-E-Kur hat wahrscheinlich zwei Gründe: Einerseits konnte das Immunsystem der alten Tiere die Produktion und Steuerung der – andernfalls entzündlichen – Neutrophile besser koordinieren. Außerdem belegten mikrobielle Tests, dass die nun richtig koordinierten Neutrophilen ihre immunologische Abwehrarbeit gegen Krankheitserreger normal ausführten, sodass tausendmal weniger Bakterien in der Lunge der Mäuse gefunden wurden, als bei den Mäusen, die keine erhöhte Vitamin-E-Zufuhr hatten.

 

Wie viel Vitamin E soll ich einnehmen?

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt die empfohlene Vitamin-E-Tagesdosis für Frauen bei mindestens elf Milligramm (stillende Frauen 17 Milligramm) und für Männer bei mindestens 12 Milligramm. Für Kinder bis sieben Jahren gelten sechs bis acht Milligramm Vitamin E als bedarfsdeckend. Vitamin-E-haltige Lebensmittel sind vor allem Speiseöle (z.B. Weizenkeimöl oder Sonnenblumenöl) und Nüsse (z.B. Mandeln oder Haselnüsse).

 

Wo ist Vitamin E erhältlich?

Alte Menschen, die aufgrund des erhöhten Risikos für Lungeninfektionen vorbeugende Maßnahmen ergreifen wollen – besonders solche ab einem Alter von 65 Jahren und Menschen, die wegen Lungenerkrankungen in der Vergangenheit zu einer entsprechenden Riskogruppe gehören – können hochdosierte Vitamin-E-Kapseln einnehmen. Erhältlich sind diese Vitamin-Präparate in der Apotheke.

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