Lebensretter Östrogen

Eine Spritze wird aufgezogen
Eine Dosis künstlichen Östrogens kann Leben retten, zeigt eine aktuelle Studie © Fotolia

Eine falsche Lieferung von Versuchstieren führte zu einer medizinischen Entdeckung, die weitreichende Folgen haben könnte. Dank dieses Fehlers fanden US-Forscher heraus, dass Östrogen bei hohem Blutverlust und Blutvergiftung die Überlebenschancen verbessert.

Im Jahr 1997 passierte ein Fehler, der bald Tausenden von Menschen das Leben retten könnte. Damals plante Dr. Ishad Chaudry an der University of Alabama ein Experiment zur Behandlung von Blutvergiftung (Sepsis). Dazu hatte er männliche Versuchsmäuse bestellt. Doch als die Tiere eintrafen, stellte sich heraus, dass die Lieferung fehlerhaft war: Die Mäuse waren alle weiblich.

Um keine Zeit zu verlieren, begannen die Wissenschaftler dennoch mit den Tests. Und erlebten eine Überraschung: Die Mäuse überlebten die Blutvergiftung – ohne Behandlung. Um das Ergebnis zu überprüfen, wiederholten sie den Versuch mit einer zweiten Gruppe weiblicher Mäuse – doch diese starben, wenn ihre Blutvergiftung nicht behandelt wurde.

 

Östrogen schützt vor Blutvergiftung

Konnte der erste Versuchsausgang Zufall gewesen sein? Bei der genauen Untersuchung der Mäuse stellte sich heraus, dass die Tiere einer Gruppe sich alle jeweils im gleichen Zyklusabschnitt befanden. Während sich die Mäuse der ersten Gruppe in dem Abschnitt befanden, in dem der Östrogenspiegel am höchsten ist, war der Spiegel bei den Tieren der zweiten Gruppe vergleichsweise niedrig.

In einem weiteren Experiment wiesen die Forscher nach, dass eine Dosis künstlichen Östrogens männliche und weibliche Mäuse vor einer Blutvergiftung schützen kann. Laut ihren Analysen liegt das daran, dass Östrogen Immunsystems und Herz-Kreislaufsystems in einer Notsituation wie einer Blutvergiftung unterstützt.

Als nächstes untersuchten die Wissenschaftler, ob Östrogen auch bei einem gravierenden Blutverlust die Heilungschancen erhöht. Das Ergebnis: Die Gabe des weiblichen Geschlechtshormons verbesserte Herz- und Leberfunktion deutlich und verlängerte die durchschnittliche Überlebenszeit um mehrere Stunden.

 

Zukunftspläne – Östrogen für Soldaten

Östrogen könnte vielen Menschen das Leben retten – davon sind die Wissenschaftler überzeugt. Nach 19 Jahren Forschungsarbeit erhalten sie jetzt finanzielle Unterstützung von militärischer Seite: Die US-Armee wird die nun folgenden Studien finanzieren, in denen die Maßnahme an Menschen getestet werden soll. Forscher und Finanzierer haben dabei ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen: Wenn Soldaten in Kampfeinsätzen verwundet werden und viel Blut verlieren, vergeht meist viel Zeit, bevor sie medizinisch versorgt werden können. In solchen Fällen könnte eine mitgeführte Östrogenspritze die Verletzten am Leben halten, bis sie in ein Krankenhaus gebracht werden.

Hamburg, 13. November 2015

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