Lebenserwartung – Aufwärtstrend stagniert

Verena Elson
Die Lebenserwartung entwickelt sich anders als bisher angenommen
Die Lebenserwartung entwickelt sich anders als bisher angenommen © iStock 123ducu

An diese Nachrichten haben wir uns gewöhnt: Die Lebenserwartung steigt, wir werden immer älter. So lautet der Trend seit über 100 Jahren und er scheint kein Ende zu nehmen. Doch es wird nicht mehr lange so weitergehen, prophezeien Experten.

Die Medizin macht jedes Jahr enorme Fortschritte in der Behandlung und Prävention von Krankheiten. Bessere Hygienebedingungen und eine gute Versorgung mit Lebensmitteln hat in den vergangenen Jahrhunderten dazu geführt, dass die Lebenserwartung in den Industrienationen kontinuierlich gestiegen ist.

Der medizinische Fortschritt geht weiter und dennoch: In den USA scheint sich der Trend umgekehrt zu haben. 2016 ging die Lebenserwartung in den Vereinigten Staaten erstmals seit zwei Jahrzehnten leicht zurück (Anfang der 1990er Jahre hatte es einen Einbruch aufgrund der AIDS-Krise gegeben) – und zwar im Vergleich zum Vorjahr um einen Monat auf 78,8 Jahre.

 

Sinkende Lebenserwartung in den USA – Ursache Übergewicht?

In einer aktuellen Studie haben Forscher verschiedener US-Universitäten nach den Gründen dafür gesucht und eine wichtige Bremse der Positiventwicklung in der Lebenserwartung aufgedeckt: Krankhaftes Übergewicht – rund 37 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner sind fettleibig (ab BMI ≥ 30 kg/m2). Übergewicht und Fettleibigkeit sind wichtige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall und Diabetes – diese Erkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in den USA.

Die Forscher analysierten die Daten von mehr als 25.000 Frauen und Männern im Alter zwischen 40 und 79 Jahren, die im Rahmen verschiedener Langzeitstudien erfasst worden waren. Dabei stellten sie fest: Zwar rauchen immer weniger Menschen in den USA und das wirkt sich positiv auf die Sterberate aus. Doch gleichzeitig grassiert eine Fettleibigkeits-Epidemie unter den US-Amerikanern – und dieser Trend ist so ausgeprägt, dass die steigende Zahl der Nichtraucher ihn nicht ausgleichen kann.

Die wachsende Zahl übergewichtiger und fettleibiger Menschen kann jedoch nicht als einzige Ursache für die sinkende Lebenserwartung in den USA gesehen werden. Über die genauen Gründe streiten Experten. Auffällig ist beispielsweise, dass arme US-Amerikaner eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als reiche – zwischen einzelnen Regionen der USA kann der Unterschied bis zu 20 Jahre betragen.

 

Lebenserwartung in Deutschland steigt langsamer

In Deutschland gibt es keine ähnlich besorgniserregende Entwicklung – doch auch hierzulande geht es nicht mehr so schnell aufwärts wie in den vergangenen Jahrzehnten. Lange Zeit stieg die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland pro Jahrzehnt um drei Jahre, inzwischen sind es nur noch zwei bis zweieinhalb Jahre. Ein neugeborenes Mädchen hat heute in Deutschland eine Lebenserwartung von 83 Jahren, ein Junge von 78 Jahren.

Worin diese Entwicklung begründet ist, steht bisher nicht fest. Doch ein Grund für die Bremse im Aufwärtstrend ist sicherlich, dass sich die natürliche Lebenserwartung selbst durch medizinischen Fortschritt nicht unbegrenzt nach oben manipulieren lässt. Wissenschaftler vermuten die „natürliche Grenze“ bei einem Alter von 115 Jahren – was nicht bedeutet, dass nicht einzelne Menschen älter werden können (der älteste Mensch, über den je berichtet wurde, war die Französin Jeanne Calment, die 122 Jahre alt wurde).

 

Persönliche Lebenserwartung erhöhen

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass bei der persönlichen Lebenserwartung eines Menschen der Lebensstil eine wichtige Rolle spielt. So fällt auf, dass Bewohner der Länder mit der höchsten Lebenserwartung einen besonders gesunden Lebensstil pflegen. Deutschland liegt in punkto Lebenserwartung nur auf Platz 22 – das zeigt, dass die Deutschen noch viel von den Ländern an der Spitze der Weltrangliste lernen können.

In dem kleinen Staat San Marino haben die Menschen mit 86,5 Jahren die höchste Lebenserwartung – ein Grund dafür könnte die dort verbreitete mediterrane Ernährung sein, die sich besonders positiv auf die Herzgesundheit auswirkt. Welche Tricks die Deutschen sich noch von anderen Ländern abschauen können, um ihre Lebenserwartung zu erhöhen, erfahren Sie hier.

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