Leben mit Fernbeziehung – glücklich trotz Distanz

Redaktion PraxisVITA
Jedes achte Paar in Deutschland führt eine Fernbeziehung
Jedes achte Paar in Deutschland führt eine Fernbeziehung © iStock nd3000

Manche Paare führen ihre Fernbeziehung gezwungenermaßen, andere haben das Modell selbst gewählt. Egal welche Gründe dahinterstecken – damit die Liebe auf Distanz auch auf Dauer funktioniert, müssen einige Beziehungs-Stellschrauben besonders beachtet werden.

Sonntagabend an deutschen Bahnhöfen und Flughäfen: Pärchen, die sich lange umarmen und küssen, die sich Dinge zuflüstern und auch mal Tränen von den Wangen wischen. Die sich offensichtlich länger nicht sehen werden, vielleicht bis zum nächsten Wochenende nicht, vielleicht aber auch viel länger. Sie führen eine Fernbeziehung - wie jedes achte Paar in der Bundesrepublik.

Laut der Statistik "Berufsmobilität und Lebensform" ist so eine Fernbeziehung keine kurzzeitigen Notlösungen, sondern überwiegend von längerer Dauer: 32 Prozent der befragten Pärchen wohnten ein bis zwei Jahre auseinander, 43 Prozent drei bis sechs Jahre und 23 Prozent mehr als sechs Jahre. Damit die Fernbeziehung funktioniert und die Liebe sprichwörtlich nicht auf der Strecke bleibt, gibt es ein paar Spielregeln, an die sich die Partner halten müssen.

 

Die richtige Kommunikation in einer Fernbeziehung

Ob per SMS, Telefonanrufen, E-Mails oder Skype - wie oft man sich austauscht, das regelt jedes Paar, auch solche, die zusammen- oder zumindest nah beieinander wohnen, individuell. Die einen brauchen stündliche Updates ihrer Lebensgefährten, den anderen reicht tagsüber ein einziger kurzer WhatsApp-Check - bevor man sich spätestens abends dann live sieht. Wichtig ist allerdings zu kommunizieren, wenn man sich mehr oder weniger Kontakt wünscht, um der Unzufriedenheit keinen Nährboden zu geben. Sie könnte sich sonst zu einer stattlichen Eifersucht auswachsen. Wichtig ist, das Thema völlig vorwurfsfrei, behutsam anzusprechen. Etwa wenn ein Partner für die Skype-Sessions abends nach dem Büro zu groggy ist, diese aber beiden eigentlich wichtig ist. Man könnte die Session dann beispielsweise auf den Morgen verschieben.

Das Klischee „In einer Fernbeziehung gehen Partner häufiger fremd“ macht Eifersucht zu einem besonderen Thema
Das Klischee „In einer Fernbeziehung gehen Partner häufiger fremd“ macht Eifersucht zu einem besonderen Thema © iStock AJ_Watt


Nicht nur in einer Fernbeziehung, sondern auch grundsätzlich gilt: Wie man sich austauscht ist egal, viel wichtiger ist der Inhalt. Christine Koller, Autorin des Buches "Liebe auf Distanz. Fernbeziehungen und wie man sie meistert", empfiehlt: "Man sollte nicht nur Alltägliches und Organisatorisches ansprechen, sondern auch emotionale Dinge, zum Beispiel gemeinsame Zukunftspläne, Ärger mit Freunden oder die Macken des anderen." Je mehr man sich austauscht, umso besser weiß man, was den Partner umtreibt- das verbindet. Andererseits sollte man auch etwas für sich behalten, damit man dem Anderen beim Wiedersehen vis-àvis etwas zu erzählen hat - so bleibt das Miteinander spannend.

 

Die Eifersucht in der Fernbeziehung minimieren

Zu wenig, aber auch zu viel Kommunikation in der Fernbeziehung kann das unschöne Thema Eifersucht befeuern. Wer ist der Typ, der sie auf einem facebook-Foto Donnerstagabend getaggt hat? Oder warum kam er von einem Geschäftsessen so spät nach Hause? Und hat sich deshalb nicht mehr gemeldet? Solche Fragen zu stellen ist absolut legitim, solange in ihnen kein vorwurfsvoller Unterton mitschwingt, sondern sie ehrliches Interesse suggerieren. Ist man alleine mit seiner Eifersucht, rät Christine Koller "destruktiven Gedanken ein Stoppschild zu zeigen, lieber an Positives zu denken wie schöne gemeinsame Erinnerungen. Und sich ablenken - mit Sport, Arbeit, Freunden oder einem Kinobesuch".

Eine Untersuchung des Kölner Psychologen Hermann-Josef Berk hat außerdem gezeigt: Menschen, die eine Fernbeziehung führen, sind nicht anfälliger für Seitensprünge, das ist ein Klischee. Paare ohne große räumliche Trennung betrügen sich sogar häufiger. "Nicht die räumliche Distanz nach dem Motto 'Gelegenheit macht Liebe' ist entscheidend, sondern allgemeine Beziehungskiller wie Routine, Entfremdung oder Langeweile", sagt die Expertin. Hat man ein Beziehungsproblem, sollte man beim Ansprechen auf das Timing achten, empfiehlt sie: "Bei Zeitdruck, Stress oder Müdigkeit auf keinen Fall ein Fass aufmachen. Ist es etwas sehr Gravierendes, bespricht man das am besten Auge in Auge, also per Videochat oder - noch besser - beim nächsten Treffen. Da kann man sich dann auch in den Arm nehmen, wenn die Diskussion sehr emotional wird."

Die Technik von Heute liefert einige Möglichkeiten um die körperliche Distanz in der Fernbeziehung angenehm zu überbrücken
Die Technik von Heute liefert einige Möglichkeiten um die körperliche Distanz in der Fernbeziehung angenehm zu überbrücken © iStock andresr
 

Das Wiedersehen in der Fernbeziehung positiv gestalten

In der Fernbeziehung und überhaupt: Die Wiedersehen und vor allem die Momente des Wiedersehens sind immer ein psychischer Neuanfang. "Aufmerksamkeiten wie Blumen, Geschenke oder Sätze wie: 'Du hast mir gefehlt', 'Schön, dass du wieder da bist', helfen schnell, ein vertrauensvolles Verhältnis wiederherzustellen", weiß die Expertin. Die Kunst ist, die Zeit richtig zu nutzen. Was viele Paare vergessen sind Ruhepausen, in denen man sich beispielsweise gemeinsam auf die Couch legt, sich einfach nur umarmt und sonst nichts tut. Außer: miteinander zu schlafen. Denn, so sagt Christine Koller, eine der wichtigsten Fernbeziehungsregeln sei das Leben und die gemeinsamen Momente zu feiern.

 

 

Wichtig in der Fernbeziehung: Happy auch ohne Sex

Körperliche Nähe, von kuscheln bis Sex findet - logisch - in einer Fernbeziehung seltener statt. Für viele das Hauptargument gegen das Projekt "Living apart together", und ein essentieller Punkt für das Funktionieren solcher Lebensmodelle. "Alle drei Wochen sollte man sich spätestens sehen", empfiehlt Christine Koller "sonst wird die Beziehung instabil." Wer das nicht schafft, sollte sich der Technik bedienen. "Erotische SMS können die sexuelle Spannung aufrechterhalten, wenn beide das mögen", erklärt die Expertin. Und wer offen für Live-Cam-Sex sei, könne das auch probieren. Aber, und das ist eine interessante Erkenntnis über Liebesbeziehungen jeder Art, sei ständige Nähe kein Muss, erklärt die Autorin. Mit mehr Nähe, werde nicht immer alles gut, weil jeder Mensch neben Nähe ein Grundbedürfnis nach Autonomie und Freiheit besitze. Den richtigen Mix zu finden, das ist also nicht nur für Pendel-, sondern auch alle anderen Paare die größte Herausforderung.

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