Leben mit Epilepsie – "Wir bekommen Ihre Anfälle in den Griff"

Mithilfe eines EEGs, ein Elektroenzephalogramm, wird die elektrische Aktivität der Gehirnzellen gemessen und als Kurve auf Papier sichtbar gemacht
Mithilfe eines EEGs, ein Elektroenzephalogramm, wird die elektrische Aktivität der Gehirnzellen gemessen und als Kurve auf Papier sichtbar gemacht © Fotolia

Eine Patientin war von ihrem Hausarzt zu mir überwiesen worden. Sie klagte über plötzlich auftretende Taubheitsgefühle, Kribbeln und Nadelstiche in den Händen, war sicher, dass dann auch ihre Arme leicht zuckten, und erzählte, dass sie schon zweimal beim Essen ihren Löffel immer weiter zum Mund geführt habe, obwohl ihr Teller längst leer war.

"Ich selbst kann mich daran nicht richtig erinnern. Mein Mann hat es mir danach ganz besorgt erzählt. Was kann das sein?"

"Es könnte sich um sogenannte lokale Krampfanfälle handeln, eine Form der Epilepsie."

"Epilepsie? Ich dachte, da fallen die Betroffenen hin, beißen sich auf die Zunge, und alle Glieder fangen an zu zucken ...?"

"Ja, solche Anfälle gibt es auch. Dann spricht man aber von einem generalisierten Krampfanfall, weil Nervenzellen auf der gesamten Hirnrinde unkontrolliert feuern. Bei Ihnen ist davon vermutlich nur eine begrenzte Region im sogenannten Scheitellappen betroffen. Deshalb sprach ich auch von einem lokalen Krampfanfall, in Ihrem Fall von einer Scheitellappen-Epilepsie."

"Ist das nicht sehr gefährlich?"

"Nein. Da sich Ihr Bewusstsein nur leicht einzutrüben scheint, ist Ihr Verletzungsrisiko nicht sehr hoch. Trotzdem sollten wir die Sache jetzt sehr gründlich untersuchen."

"Was kommt denn da alles auf mich zu?"

"Wir machen zunächst ein EEG, ein Elektroenzephalogramm, bei dem Ihre Hirnströme gemessen werden. So kann ich einschätzen, ob Ihr Gehirn anfällig für epileptische Anfälle ist und wo Ihre Anfälle genau beginnen. Danach überweise ich Sie für eine Computertomografie, kurz CT, zu einem Kollegen. So kann ich feststellen, ob es Veränderungen in Ihrem Hirngewebe gibt, die eventuell für die Anfälle verantwortlich sind."

"Was kann ich denn gegen die Anfälle tun?"

"Wenn sich mein Verdacht bestätigt, verordne ich Ihnen ein Antiepileptikum. Es hemmt im Gehirn die Erregbarkeit der Nervenzellen oder unterdrückt die Erregungsweiterleitung. Wir werden die Dosis des Medikaments langsam erhöhen, damit Sie möglichst wenig Nebenwirkungen haben und bald anfallsfrei sind. Ich werde Ihnen regelmäßig Blut abnehmen und ins Labor schicken, um die medikamentöse Therapie zu überwachen. So bekommen wir Ihre Anfälle sicher in den Griff."

Info & Adressen

Deutsche Epilepsievereinigung gem. e. V.
Zillestraße 102
10585 Berlin
www.epilepsie-vereinigung.de

Informationszentrum Epilepsie der Deutschen Gesellschaft f. Epileptologie
Reinhardstraße 27 c
10117 Berlin
www.izepilepsie.de

"Was kann ich selbst tun?"

"Ich empfehle Ihnen, eine Art Tagebuch zu führen. Schreiben Sie genau auf, wann Sie Anfälle haben. Gab es Vorboten? Hatten Sie vorher Kopfschmerzen oder zu viel Stress? Was haben Sie an dem Tag gegessen und getrunken? Gab es einen Wetterumschwung? So kommen wir bestimmten Anfallsauslösern auf die Spur und können sie gezielt ausschalten."

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