Leben mit der Zuckerkrankheit – das sollten Sie wissen

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Noch immer wissen viele nicht, wie gefährlich die Zuckerkrankheit ist. Hier verrät der Experte Prof. Hans-Georg Joost, Vorstand des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung, wie Sie sich schützen können.



Was ist so schlimm an der Zuckerkrankheit?



Der Typ-2-Diabetes, an dem mehr als 90 Prozent erkranken, ist heimtückisch. Weil er nicht weh tut, kann er jahrelang unentdeckt bleiben. Doch in dieser Zeit führt er zur Verengung der Blutgefäße. Die Folgen können dann ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall, Nierenschäden und Erblindung sein. Weltweit ist die Zuckerkrankheit eine der fünf häufigsten Todesursachen.



Macht Zucker Diabetes?



Der Zucker selbst macht keinen Diabetes – außer er führt zu dem Hauptauslöser, nämlich zu Übergewicht. Zu viele Kalorien und zu wenig Bewegung sind die größten Risikofaktoren für den Typ-2-Diabetes.



Ab wann bin ich zu dick?



Experte Professor Joost:
Experte Professor Joost: „Zu viele Kalorien und zu wenig Bewegung sind die größten Risikofaktoren für den Typ-2-Diabetes.“© Michael Haggenmüller/DZD/DIfE

Frauen sollten nicht mehr als 80 Zentimeter und Männer nicht mehr als 94 Zentimeter Bauchumfang haben, da vor allem das Bauchfett Botenstoffe produziert, die das Diabetes-Risiko fördern.



Kann ich der Zuckerkrankheit vorbeugen?



Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes kann man den Ausbruch von Typ-2-Diabetes verhindern oder zumindest hinauszögern. Denn selbst eine Vererbung der Anlagen ist nicht der alleinige Grund für eine Zuckererkrankung. Diese entwickelt sich oft erst, wenn Übergewicht dazukommt.
 Außerdem ist der vermehrte Verzehr von Vollkornprodukten mit einem verminderten Diabetes-Risiko verbunden.

Bekommen auch schlanke Menschen Typ-2-Diabetes?



Selten. Aber ein kleiner Teil der Menschen mit Typ-2-Diabetes ist schlank. Denn auch Faktoren wie Stress, Schlafmangel, Bluthochdruck, Rauchen und körperliche Inaktivität erhöhen das Risiko.



Wie kann ich feststellen, ob ich zuckerkrank bin?



Lassen Sie den Blutzucker- oder HbA1c-Wert messen – das geht in der Apotheke oder beim Hausarzt. Ihr Risiko, an der Zuckerkrankheit zu erkranken, können Sie auch selbst mit dem Deutschen Diabetes-Risiko-Test® bestimmen. Der Test ist einfach, gratis und sehr genau. Die Anwender müssen keine komplizierten Fachfragen beantworten, da lediglich Parameter wie Alter, Taillenumfang und Ernährungsgewohnheiten abgefragt werden.



Muss sich jeder Diabetiker Insulin spritzen?



Nein. Das Bemerkenswerte am Typ-2-Diabetes ist, dass durch eine frühe Diagnose, eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung eine drastische Verbesserung erzielt werden kann. Gelingt das nicht mehr, werden in der nächsten Stufe Tabletten verordnet, die den Blutzucker senken. Wer aber an dem selteneren Typ-1-Diabetes erkrankt, der ist lebenslang auf die Zufuhr von Insulin angewiesen.



Müssen Diabetiker einen strengen Diätplan einhalten?



Nein. Aber gesunde Ernährung ist wichtig. Mein Tipp: Für Übergewichtige, die abnehmen sollen, um den Blutzuckerspiegel zu senken, ist die langsame Gewichtsreduktion von etwa einem Kilogramm pro Woche sinnvoll.



Mann mit Maßband
Studien belegen, dass Menschen, die ungefähr fünf Prozent ihres Körpergewichtes abspecken, ihr Diabetesrisiko um bis zu 70 Prozent senken© istock

Sind Süßigkeiten tabu?



Nicht grundsätzlich. Sie sollten aber in Maßen verzehrt werden. Die Aufnahme von Zucker sollte einen Anteil von 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr nicht überschreiten, dies entspricht bei einer Kalorienzufuhr von 2000 Kilokalorien circa 50 Gramm.



Was kann ich zur Vorbeugung der Zuckerkrankheit tun?



Überflüssige Pfunde abbauen. Finnische Studien belegen, dass Menschen, die ungefähr fünf Prozent ihres Körpergewichtes abspecken, ihr Diabetes-Risiko um bis zu 70 Prozent senken. Und auch das vermeintlich gesunde Rindersteak, Lamm- oder Schweinefilet kann das Diabetes-Risiko deutlich erhöhen. Ersetzen Sie deshalb Wurst und Fleisch durch Nüsse, Vollkornprodukte und Fisch.



Sollte ich viel Sport treiben?



Gartenarbeit oder Spazierengehen tragen zu einem geringeren Risiko für den Typ-2-Diabetes bei. Wichtig ist, dass man sich mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten ausgiebig bewegt.



Schlafmangel erhöht Diabetes-Risiko
Langfristiger Schlafmangel ist mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert.
© istock

Welche Rolle spielt Schlaf?



Sie sollten darauf achten, ausreichend zu schlafen. Denn unsere biologische Uhr steuert die Insulinproduktion. Langfristiger Schlafmangel ist mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert.



Wie entsteht Typ-2-Diabetes?



Bei Menschen mit Übergewicht werden die Zellen oft unempfindlich gegen Insulin und reagieren nicht mehr ausreichend auf den Botenstoff. Die Folge: Zu viel Zucker bleibt im Blut. Dabei lassen große Zucker- und Weißmehlmengen den Blutzuckerspiegel besonders stark ansteigen, und der Zucker beginnt mit seiner Zerstörungsarbeit. Er führt zur Verengung der Blutgefäße. Folgen können Herzinfarkt oder Nierenschäden sein.


Im Interview: Prof. Hans-Georg Joost
Der Diabetes-Experte Prof. Hans-Georg Joost ist wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung.

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