Lauflernhilfe: Sinnvoll oder schädlich fürs Baby?

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Eltern wollen ihr Kind bestmöglich unterstützen, wenn es laufen lernt. Doch ist eine Lauflernhilfe für ein Baby wirklich sinnvoll oder gar schädlich? Experten weisen auf Gefahren hin.

Ein Baby steht vor einem Sofa
Eine Lauflernhilfe soll die motorische Entwicklung von Babys fördern Foto:  istock_OrbonAlija
Inhalt
  1. Wie funktionieren Lauflernhilfen für Babys?
  2. Lauflernhilfe für das Baby – sinnvoll oder schädlich? 
  3. Welche Gefahren bei einer Lauflernhilfe drohen
 

Wie funktionieren Lauflernhilfen für Babys?

Eine Lauflernhilfe wird auch Babywalker oder Laufwagen genannt. Solche Geräte werden seit Jahrhunderten eingesetzt. Heute bestehen sie aus einem Gestell aus Metall oder Kunststoff. Darin wird ein Sitz für das Baby befestigt. Die Höhe ist dabei so zu justieren, dass das Kind mit seinen Zehenspitzen gerade den Boden berührt. Die Vorrichtung bewegt sich, sobald das Kind sich etwas abstößt und lernt, sich zu bewegen.

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Eine Lauflernhilfe für das Baby ist laut Herstellern für Kinder zwischen sechs und 15 Monaten gedacht. In dem Alter lernen sie langsam, zu laufen. Wann ein Kind damit beginnt, ist individuell unterschiedlich. Das allein ist noch kein Grund zur Sorge. 

 

Lauflernhilfe für das Baby – sinnvoll oder schädlich? 

Kinderärzte bewerten die Laufhilfe für Babys kritisch – und zwar aus mehreren Gründen. Durch einen solchen Laufwagen kann sich bei Kindern nicht das normale Gangbild entwickeln. Biologisch führen Strampeln, Robben und Krabbeln schrittweise zum Laufen. Dann beginnt das Kind, sich hochzuziehen. Gehhilfen erreichen mitunter genau das Gegenteil. Sie verzögern die motorische Entwicklung. Fehlstellungen der Füße und Verkürzungen der Muskeln können auftreten. 

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Welche Gefahren bei einer Lauflernhilfe drohen

Hinzu kommen Sicherheitsbedenken. Davor hat die Stiftung Warentest bereits vor Jahren gewarnt. Denn die Lauflernhilfen können sich mit bis zehn Kilometern pro Stunde bewegen. Unfälle sind nicht selten, etwa durch Hindernisse am Boden, Treppenstürze oder Kollisionen. Das kann laut Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte zu Kopfverletzungen wie Schädelfrakturen und Gehirnerschütterungen führen. Auch befinden sich Kinder in der Lauflernhilfe in einer erhöhten Position. Sie kommen leichter an heiße Töpfe. Verbrühungen können die Folge sein.

Untersuchungen aus den USA zeigen das Ausmaß solcher Risiken. Zwischen 2004 und 2008 wurden rund 3.000 Kinder im Alter von maximal 15 Monaten aufgrund von Verletzungen durch Babywalker in Notaufnahmen behandelt. Eine unbekannt hohe Dunkelziffer kommt hinzu, denn weniger schwere Fälle versorgt meist der Kinderarzt. In Kanada sind die Geräte sogar seit Mitte 2004 verboten. Bleibt als Fazit: Eltern sollten auf den Kauf einer Lauflernhilfe für ihr Baby besser verzichten. 

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Quellen:
Kinder- und Jugendärzte raten zum wiederholten Male dringend von Lauflernhilfen ab, in: Kinderärzte im Netz

Lauflernhilfen: Überflüssig und gefährlich, in: test.de 

Are Baby Walker Warnings Coming Too Late?: Recommendations and Rationale for Anticipatory Guidance at Earlier Well-Child Visits, in: Global Pediatrics Health

Förg, Theresa (2019): BASICS Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer

Speer, Christian; Gahr, Manfred; Dötsch, Jörg (2018): Pädiatrie, Berlin: Springer-Verlag

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