Lassa in Deutschland – wie gefährlich ist das Virus?

Verena Elson Medizinredakteurin

Im Kölner Universitätsklinikum ist ein Patient an dem tropischen Lassa-Fieber gestorben. Wie zeigt sich das Virus und wie hoch ist die Gefahr einer Ansteckung?

 

Lassa-Fieber: Ansteckung, Symptome, Behandlung – die wichtigsten Fragen im Überblick!

 

Update 17.03.2016:

Ein Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens hat sich bei dem in Köln verstorbenen Patienten angesteckt, als er Kontakt mit der Leiche hatte. Das berichtet die Uniklinik Frankfurt, auf deren Isolierstation der Patient sich derzeit befindet. Seine Familienangehörigen wurden stationär aufgenommen, zeigen aber bisher keinerlei Krankheitssymptome. +++

Der 46-jährige US-Bürger hatte nach Angaben der Kölner Uniklinik als Krankenpfleger in Togo gearbeitet und war am 25. Februar mit der Diagnose Malaria in Köln eingeliefert worden, wo er am nächsten Tag verstarb. Als Todesursache wurde zunächst eine Blutvergiftung vermutet. Eine Untersuchung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg nach dem Tod des Patienten ergab jedoch, dass er an dem sogenannten Lassa-Fieber gestorben war. Die Diagnose kam für die Mediziner überraschend, weil Togo bisher nicht als Risikogebiet für das Lassa-Virus gegolten hatte. Die Gefahr, dass der Patient andere Menschen angesteckt haben könnte, halten Experten für äußerst gering. Der US-Amerikaner war erst der sechste Lassa-Patient, der je in Deutschland behandelt wurde.

Lassa-Virus
Das Lassa-Virus ist eine in ländlichen Regionen Westafrikas ganzjährig verbreitete Erkrankung – ein Fall in der Kölner Uniklinik sorgte jüngst in Deutschland für Aufregung© Fotolia
 

Wie wird das Lassa-Virus übertragen?

Risikogebiete für das Lassa-Fieber sind vor allem ländliche Regionen in Westafrika. Überträger sind die sogenannten Natal-Vielzitzenmäuse, die Essensvorräte kontaminieren. Über die Nahrung gelang das Virus so in den menschlichen Organismus. Von Mensch zu Mensch kann es über den Kontakt mit Blut, Urin oder Erbrochenem von Erkrankten übertragen werden, darüber hinaus beim Geschlechtsverkehr oder per Tröpfcheninfektionen. Vor dem Ausbruch der Erkrankung ist allerdings lediglich das Blut von Infizierten infektiös.

 

Was sind die Lassa-Symptome?

Zunächst zeigt sich Lassa-Fieber mit grippeähnlichen Symptomen wie hohem Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen und Lungenentzündung. In einigen Fällen kommt eine Hepatitis dazu. Später treten meist ein fleckiger Hautausschlag, Durchfall, Erbrechen und eine verstärkte Blutungsneigung auf. Bei stationär behandelten Patienten liegt die Sterblichkeitsrate bei 10 bis 20 Prozent.

 

Wie wird das Lassa-Virus behandelt?

Die Lassa-Therapie besteht hauptsächlich aus der Behandlung der Symptome. Das antivirale Medikament Ribavirin hat sich in Studien als wirksam erwiesen – allerdings nur dann, wenn es in den ersten Tagen nach dem Krankheitsausbruch eingenommen wurde. Der Kölner Patient hatte dieses Virustatikum nicht erhalten. Das Mittel wird außerdem zur Vorbeugung Personen verabreicht, die zu Infizierten Kontakt hatten. Um die Ansteckung anderer Menschen zu vermeiden, werden Patienten außerdem isoliert, Kontaktpersonen genau beobachtet und die behandelnden Mediziner tragen Schutzkleidung.

 

Wie hoch ist die Gefahr einer Lassa-Ausbreitung in Deutschland?

Eine Ausbreitung des Lassa-Virus in Deutschland durch den jüngsten Infektionsfall halten Experten für nahezu unmöglich. Der Mann hatte in Deutschland ausschließlich mit medizinischem Personal Kontakt – alle Kontaktpersonen bleiben zurzeit zu Hause und stehen unter medizinischer Beobachtung.

Hamburg, 11. März 2016

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