COVID-Langzeitfolgen: So verändert Corona das Blut

Verena Elson Medizinredakteurin

COVID-19 kann die Blutzellen der Erkrankten langfristig verändern – das haben Forscher:innen nun herausgefunden. Die Entdeckung könnte einige Symptome akuter Corona-Infektionen und von Long Covid erklären.

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Bei COVID-19-Patienten und Genesenen weisen sowohl rote als auch weiße Blutkörperchen auffällige Veränderungen auf. Diese Entdeckung machten Wissenschaftler:innen vom Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin, dem Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL), der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie dem Deutschen Zentrum für Immuntherapie in ihrer aktuellen Studie.

 

Neues Verfahren zur Analyse von Blutzellen

Das Team um Markéta Kubánková, Jochen Guck und Martin Kräter nutzte ein neu entwickeltes Verfahren zur Analyse der Blutzellen. Bei der sogenannten Echtzeit-Verformungszytometrie (real-time deformability cytometry, RT-DC) wird jede einzelne Blutzelle fotografiert und von einer Software untersucht.

Die Forschenden analysierten so Blutzellen von 17 COVID-19-Patient:innen, 14 Genesenen und 24 gesunden Proband:innen.

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Geringere Sauerstoffversorgung durch veränderte Blutzellen

Eine Auffälligkeit, die die Wissenschaftler:innen beobachteten, betraf die sogenannten Erythrozyten, also die roten Blutkörperchen. Ihre Hauptaufgabe ist der Sauerstofftransport im Organismus. Größe und Verformbarkeit dieser Zellen variierten bei Erkrankten und Genesenen deutlich stärker als bei Gesunden. Dies deutet aus Sicht der Studienautor:innen auf eine Schädigung dieser Zellen hin und bietet eine mögliche Erklärung für das erhöhte Risiko von Gefäßverschlüssen bei Corona-Patient:innen.

Die Veränderungen der roten Blutkörperchen können außerdem zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung führen, die wiederum sowohl Symptome einer akuten Corona-Erkrankung als auch von Long Covid erklären könnte.

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Veränderte Immunzellen als Corona-Langzeitfolge

Eine weitere Veränderung betraf die sogenannten Lymphozyten. Das sind weiße Blutkörperchen und wichtige Akteure im menschlichen Immunsystem. Diese Zellen waren bei Corona-Infizierten deutlich weicher.

Auch bei den sogenannten Neutrophilen Granulozyten – ebenfalls Immunzellen – wurden diese Veränderungen beobachtet. Und diese blieben noch sieben Monate nach der akuten Infektion bestehen. „Wir vermuten, dass sich das Zellskelett der Immunzellen, welches maßgeblich für die Zellfunktion verantwortlich ist, verändert hat“, erklärt Markéta Kubánková, Erstautorin des Forschungsartikels. 

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Die Forschenden vermuten, dass die Veränderungen sowohl der weißen als auch der roten Blutkörperchen einige Langzeitfolgen von COVID-19 erklären können. Denn viele Long-COVID--Symptome wie Erschöpfung oder Atemnot sind auf Durchblutungsstörungen oder eine Minderversorgung mit Sauerstoff zurückzuführen.

Quellen:

Kubánková, Markéta, et al. (2021): Physical phenotype of blood cells is altered in COVID-19, in: Biophysical Journal

Wie eine Corona-Infektion Blutzellen langfristig verändert, in: mpl.mpg.de

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