Lakritz: Wie gefährlich ist eine Überdosis?

Christoph Krelle

Mit Krampfanfällen wurde ein zehnjähriger Junge ins Krankenhaus eingeliefert. Der Grund: Er hatte zu viel Lakritz gegessen. PraxisVITA erklärt, ab wann die Süßigkeit gefährlich wird – und warum sie für Schwangere tabu ist.

Lakritz
In Lakritz steckt die aus der Süßholzpflanze enthaltene Glyzerrhinsäure – zuviel davon kann starke körperliche Beschwerden auslösen Foto:  Fotolia

Nachdem er einen zweiminütigen Krampfanfall erlitten hatte, wurde der Junge in ein Krankenhaus im italienischen Bologna eingeliefert – in den nächsten Stunden traten drei weitere Anfälle auf. Außerdem klagte er über starke Kopfschmerzen und die Ärzte stellten einen erhöhten Blutdruck fest.

Die Ursache der Anfälle konnten die Ärzte nicht feststellen. Doch bei einer Nachuntersuchung eine Woche später bemerkten sie, dass seine Zähne sich schwarz verfärbt hatten. So kam der Auslöser ans Licht: Der Junge hatte in den vergangenen vier Monaten täglich mindestens 20 Süßigkeiten aus Lakritz gegessen.

 

Überdosis Lakritz: Das passiert im Körper

Lakritz enthält Glyzerrhinsäure – dieser aus der Süßholzpflanze gewonnene Stoff verleiht ihr ihren charakteristischen Geschmack. Beim Verzehr großer Mengen führt Glyzerrhinsäure zum Abfall des Kaliumspiegels. Doch der Körper benötigt Kalium, um Muskel- und Nervenfunktion zu regulieren. So kam es bei dem Patienten aus Italien dazu, dass seine Muskulatur „verrückt spielte“ und der gesamte Körper verkrampfte.

Eine andere mögliche Folge der Lakritz-Überdosis ist, dass die Erregbarkeit des Herzmuskels erhöht wird und Herzrhythmusstörungen entstehen. Glyzerrhinsäure bewirkt außerdem eine erhöhte Produktion von Kortisol in der Nebenniere – dieses Hormon lässt den Blutdruck ansteigen. So kommt es zu Bluthochdruck, der wiederum das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht.

 

Ab wann wird es gefährlich?

Bereits eine Dosis von 100 Gramm Lakritz reicht aus, um Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen auszulösen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt darum, nicht mehr als 50 Gramm Lakritz pro Tag zu verzehren – das ist etwa ein Viertel einer handelsüblichen Packung.

Schwangere Frauen sollten besser komplett auf Lakritz verzichten, rät die Psychologin Katri Räikkönen von der Universität Helsinki. In einer Langzeitstudie hat sie untersucht, welche möglichen Folgen der Konsum von Lakritz während der Schwangerschaft auf den Nachwuchs hat. Ihr Ergebnis: Der Verzehr schädigt offenbar die körperliche und kognitive Entwicklung der Kinder.

 

Lakritz in der Schwangerschaft: Werden Kinder aggressiv?

Für die Studie begleitete Räikkönen eine Kohorte von 1.049 Frauen, die 1998 ein Einzelkind entbunden hatten. Knapp die Hälfte der Frauen nahm während der Schwangerschaft mehr als 500 mg Glycyrrhizinsäure zu sich, die ungefähr in 100 Gramm Lakritz enthalten sind.

Deren Kinder schnitten bei einer Untersuchung acht Jahr nach der Entbindung gleich in mehreren Tests zur kognitiven Entwicklung schlechter ab als die der Kontrollgruppe, die während der Schwangerschaft auf Lakritz verzichtete. Ein geringerer Wortschatz, ein schlechteres erzählerisches Gedächtnis und ein einge­schränktes räumliches Vorstellungsvermögen waren nur einige Anzeichen. Besonders Besorgnis erregend: Die Kinder konnten sich deutlich schlechter konzentrieren, neigten zum Übertreten von Regeln und zu aggressivem Verhalten.

Im Alter von zwölf Jahren wurden die Kinder erneut untersucht: Bei der Gruppe, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Lakritz verzehrt hatten, setzte die Pubertät früher ein. Sie wurden mehr als drei Zentimeter größer, acht Kilogramm schwerer und ihr Body-Mass-Index stieg um 2,2 kg/m2 höher an als von Kindern, deren Mütter auf Lakritz verzichtet hatten.

 

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