Lässt Todesangst mich Blut schwitzen?

Verena Elson
Eine blutige Handfläche
Der Fall einer 21-jährigen Italienerin sorgt zurzeit für Aufsehen – sie "schwitzt Blut" © iStock

Dass Menschen in Todesangst Blut und Wasser schwitzen können, ist nicht nur eine Redensart – tatsächlich kommt es vor, dass unter Stress Blut aus den Poren gesunder Haut austritt. Ein aktueller Fall aus Italien bestätigt das.

Als eine 21-jährige Italienerin ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hatte sie bereits seit drei Jahren Symptome, die ihr so peinlich waren, dass sie sich kaum noch aus dem Haus traute: Sie schwitzte Blut. Immer wieder kam es in stressigen oder körperlich anstrengenden Situationen oder auch im Schlaf vor, dass ihr Gesicht und ihre Handflächen bluteten – obwohl die Haut vollkommen unversehrt war. Solche Episoden dauerten bis zu fünf Minuten. Wie ihre Ärzte in dem Fachmagazin „Canadian Medical Association Journal“ berichten, litt die junge Frau an einer „Hämathidrose“ (aus dem Griechischen haima=Blut, hidrôs=Schweiß).

 

Wie kommt es dazu, dass Menschen Blut schwitzen?

Von einer Hämathidrose sprechen Mediziner, wenn Menschen aus unverletzter Haut Blut ausscheiden. Sie kommt extrem selten vor und ist medizinisch noch nicht vollständig erforscht. Häufig ist das Gesicht betroffen, doch auch aus anderen Körperstellen wie beispielsweise Armen oder Nabel kann spontan Blut austreten.

Bei der Hämathidrose reißen sogenannte Kapillargefäße – das sind die kleinsten Blutgefäße des Körpers, die die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Die These, dass das Blut durch Schweißdrüsen aus der Haut tritt, die Betroffenen also tatsächlich „Blut schwitzen“, ist noch umstritten.

 

Man kann tatsächlich „Blut und Wasser schwitzen“

Ebenso unklar sind die Ursachen. Mediziner vermuten, dass bei einigen Betroffenen eine erblich bedingte starke Verletzbarkeit der Blutgefäße vorliegt, die dazu führt, dass die Gefäßwände unter Stress und Anspannung schnell reißen. Zudem wird die Hämathidrose mit einigen Krankheiten in Verbindung gebracht. So berichteten chinesische Ärzte 2015 von einem neunjährigen Mädchen, bei dem die Hämathidrose mit seiner Epilepsie zusammenzuhängen schien. Die spontanen Blutungen traten immer nach epileptischen Anfällen auf und konnten durch die Einnahme von Epilepsiemedikamenten gestoppt werden.

Immer wieder berichten Mediziner auch davon, dass Menschen unter Todesangst Blut schwitzen. Als Grund wird vermutet, dass die Hautäderchen durch die extrem große psychische und körperliche Anspannung platzen. So ist die Hämathidrose Berichten zufolge bei mehreren zum Tode verurteilten Häftlingen vorgekommen.

 

Wie wird die Hämathidrose behandelt?

Eine wiederkehrende Hämathidrose wird meist mit blutdrucksenkenden Mitteln behandelt. So gingen auch die Ärzte der jungen Italienerin vor. Seitdem die Patientin die Medikamente einnimmt, sind ihre Beschwerden zurückgegangen – ganz geheilt werden konnte sie bisher aber nicht.

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