Lässt Fett das Gehirn schneller altern?

Mann misst seinen Bauchumfang
Kann mein BMI bestimmen, wann ich Alzheimer bekomme? © schutterstock

Je höher der Body-Mass-Index (BMI) im mittleren Alter, desto früher bricht Alzheimer aus – wenn man die Veranlagung für die Krankheit in sich trägt. Zu diesem Ergebnis kommen US-amerikanische Wissenschaftler in einer aktuellen Studie.

Fettleibigkeit im mittleren Alter erhöht das Risiko, an Alzheimer zu erkranken – das ist Medizinern seit Längerem bekannt. Doch führt sie auch dazu, dass die Krankheit früher ausbricht und einen schwereren Verlauf nimmt?

Um diese Frage zu beantworten, analysierten US-Wissenschaftler Daten von 1.394 Personen, die im Rahmen der Langzeitstudie Baltimore Longitudinal Study of Aging erhoben wurden. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt in der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“ veröffentlicht.

Im Studienzeitraum (von rund 14 Jahren) erkrankten 142 Personen an Alzheimer. Die Forscher erfassten den BMI aller Patienten, als sie 50 Jahre alt waren, und ihr Alter zum Diagnosezeitpunkt.

Dabei stellten sie fest: Mit jeder zusätzlichen BMI-Einheit setzte die Alzheimer-Erkrankung im Schnitt 6,7 Monate früher ein. Wer mit 50 einen BMI von 30 hatte, erkrankte im Schnitt also ein Jahr früher als ein Patient mit einem BMI von 28.

 

Gehirnveränderungen bei Alzheimer-Patienten

Bei Alzheimer-Patienten finden sich typischerweise zwei verschiedene Arten von Ablagerungen. Amyloid, ein Proteinkomplex, versperrt die Verbindungswege zwischen den Nervenzellen und stört die Kommunikation der Zellen untereinander und im Inneren der Nervenzellen lagern sich die sogenannten Tau-Fibrillen ab. Sie bestehen aus Tau-Proteinen, die für den Transport von Nährstoffen innerhalb von Nervenzellen verantwortlich sind. Bei Alzheimer-Patienten verformen sich diese und verklumpen. Die Folge: Es kommt zum vermehrten Absterben von Nervenzellen.

 

Stärkere Gehirnveränderungen bei hohem BMI

Anhand von Autopsien bei verstorbenen Studienteilnehmern entdeckten die Wissenschaftler, dass Patienten mit einem höheren BMI auch mehr Ablagerungen im Gehirn hatten.

Trotzdem kann die Studie nicht beantworten, warum ein erhöhter BMI das Gehirn derart schädigt. Die Wissenschaftler führen aber an, dass Übergewicht entzündliche Prozesse im Körper auslöst. Sie könnten auch das Gehirn schädigen und so den frühen Alzheimer-Ausbruch verursachen.

Hamburg, 2. September 2015

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