Kuhmilch – wie verträglich ist sie eigentlich?

Dr. med. Nadine Heß

Diese Frage beschäftigt viele Menschen, vor allem auch Eltern von Kleinkindern. Ab wann ist Kuhmilch empfehlenswert? Wieviel darf ein Kind im ersten Lebensjahr trinken und wie viel danach? Und warum sollte die normale Säuglingsmilch nicht durch Kuhmilch ersetzt werden?

Expertin Dr. Nadine Hess Kuhmilch
Expertin Dr. Hess: „Bis vor wenigen Jahren galt in der Ernährungsmedizin Kuhmilch für Kinder im ersten Lebensjahr als absolutes „No-go“. Zu hoch sei das Risiko für Allergien. Dies ist mittlerweile widerlegt und Kuhmilch wird in den medizinischen Leitlinie © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Milch ist gesund – kaum ein anderes Nahrungsmittel liefert so viel Calcium, wie Kuhmilch. Aber nicht immer ist Kuhmilch bedenkenlos empfehlenswert. Ein paar Fakten gibt es zu beachten.

Bis vor wenigen Jahren galt in der Ernährungsmedizin Kuhmilch für Kinder im ersten Lebensjahr als absolutes „No-go“. Zu hoch sei das Risiko für Allergien. Dies ist mittlerweile widerlegt und Kuhmilch wird in den medizinischen Leitlinien daher auch in den ersten zwölf Monaten empfohlen*. Allerdings eignet sie sich nicht als Trinkmilch oder Säuglingsmilchersatz. Erst mit dem Beginn der Beikosteinführung ab der vollendeten 16. Lebenswoche vertragen Kleinkinder eine Portion (etwa 100-maximal 200ml) Kuhmilch im Milch-Getreidebrei täglich. Milchprodukte wie Quark, Puddings, Frischkäse, etc. sollten im gesamten ersten Lebensjahr nicht gefüttert werden, da sie zu viel Protein und häufig auch zu viel Zucker enthalten. Die Niere eines Babys kann die hohen Protein- und Mineralstoffmengen noch nicht ausreichend ausscheiden. Wenn Sie mögen, spricht jedoch nichts dagegen, den Milch-Getreidebrei mit Naturjoghurt statt Kuhmilch zuzubereiten. Fruchtjoghurts hingegen haben wegen der hohen Konzentration an künstlichen Geschmacksstoffen und Zucker auch nichts in der Ernährung des ersten Lebensjahres zu suchen.

Wenn Sie eine Mahlzeit mit Kuhmilch zubereiten, sollten Sie darauf achten, nicht gleichzeitig eisenhaltige Lebensmittel zu füttern (wie z. B. Fleisch), da das in der Milch enthaltene Calcium die Eisenaufnahme im Darm verhindert. Gesteigert werden kann sie hingegen durch Vitamin-C-reiche Lebensmittel! Also gern den Gemüse-Fleischbrei mit etwas Orangensaft versetzen.

Als Mutter- oder Formulamilchersatz kann Kuhmilch nicht verwendet werden. Grund dafür ist der zu hohe Mineralstoff- und Proteingehalt und der zu geringe Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, Eisen und Jod. Das gleiche gilt für Stuten-, Ziegen- oder auch Soja- und Reismilch. Sie sollten im ersten Lebensjahr keinesfalls als Säuglingsmilchersatz verwendet werden. Auch nicht pasteurisierte Milch ist für Säuglinge ungeeignet, da sie krankmachende Bakterien enthalten kann.

Ab dem vollendeten ersten Lebensjahr dürfen Kleinkinder Milch auch als Getränk verwenden. Allerdings sollten Sie auch hier darauf achten, dass nicht zu große Mengen getrunken werden (bis zum dritten Lebensjahr reichen etwa 300ml Milch oder Milchprodukte am Tag aus). Bei zu viel Zufuhr drohen durch den hohen Kaloriengehalt Übergewicht, aufgrund der geringeren Eisenaufnahme Mangelerscheinungen.

Für Erwachsene gilt die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, solange keine Unverträglichkeit oder Allergie besteht: etwa 200-250g täglich.

* amwf.org; S3-Leitlinie Allergieprävention 2009

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